Teils große Unterschiede

Überblick: So kämpfen die Länder Europas gegen Corona

Ende März: Das leere Stadtzentrum in Mailand. Die strengen Einschränkungen bleiben in Italien mindestens bis Ostern bestehen.

Ende März: Das leere Stadtzentrum in Mailand. Die strengen Einschränkungen bleiben in Italien mindestens bis Ostern bestehen.

Bild: Francesco Molteni, ZUMA Wire, dpa

Ende März: Das leere Stadtzentrum in Mailand. Die strengen Einschränkungen bleiben in Italien mindestens bis Ostern bestehen.

Bild: Francesco Molteni, ZUMA Wire, dpa

Kontaktbeschränkungen, testen und impfen - so will Deutschland den Weg aus der Corona-Krise finden. Andere Länder Europas tun das unterschiedlich.
dpa
31.03.2021 | Stand: 21:33 Uhr

Während Bund und Länder angesichts steigender Infektionszahlen um den Corona-Kurs ringen, stehen auch die Nachbarstaaten in der Pandemie weiter vor Herausforderungen. Nicht nur bei den Maßnahmen, sondern auch beim Impfen gibt es Unterschiede: So ist mehr als die Hälfte der erwachsenen Briten bereits erstgeimpft, während es im kleinen Bulgarien erst sechs Prozent der Erwachsenen sind. In Deutschland haben bisher mehr als 9,4 Millionen Menschen und damit über elf Prozent der Gesamtbevölkerung zumindest die erste Dosis erhalten.

Belgien: Strenge Kontaktregeln

Beim Nachbarn gelten strenge Kontaktregeln - höchstens mit einer Person aus einem fremden Haushalt darf man sich treffen. Draußen geht das mit Maske mit bis zu vier Personen. Im ganzen Land gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Shoppen geht mit Termin, Restaurants, Kneipen und Cafés sind seit Monaten geschlossen. Für Gottesdienste gelten strenge Auflagen. Nach jüngsten Angaben der belgischen Behörden haben fast 1,3 Millionen Menschen - rund 14 Prozent der Erwachsenen in dem kleinen Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern - mindestens die erste Dosis bekommen.

Bulgarien: Gastro-Außenbereiche öffnen

Ab 1. April soll die Gastronomie Außenbereiche öffnen dürfen. Unter anderem Kinos sollen bei geringer Auslastung den Einlass gewähren können. Hotels sind nach wie vor offen, ebenso die Kirchen, wo wie etwa in Geschäften oder Tankstellen Maskenpflicht gilt. Bis 31. März wurden bei einer Bevölkerung von 6,9 Millionen Menschen insgesamt gut 460 000 Impfdosen verabreicht - rund sechs Prozent der Erwachsenen sind damit zumindest erstgeimpft. In dem orthodoxen Land wird das Osterfest erst am 2. Mai gefeiert.

Dänemark: Restaurants, Cafés und Kinos öffnen

Dänemark ist auf dem Weg zu einer Lockerung der geltenden Maßnahmen. Die Fußgängerzone in Kopenhagen ist bereits sehr voll, nach Ostern dürfen die Bürger erstmals seit Monaten zum Friseur. Bald sollen etwa Restaurants, Cafés und Kinos öffnen. Draußen dürfen sich derzeit maximal zehn Menschen treffen, drinnen sollten es laut Empfehlung nicht mehr als fünf sein. Bei Gottesdiensten unter freiem Himmel sind bis zu 50 Teilnehmer erlaubt. Im Fünf-Millionen-Einwohnerland Dänemark haben bislang rund 730 000 Menschen mindestens ihre erste Impfdosis erhalten.

Großbritannien: Über 30 Millionen Erstimpfungen

Vor Ostern sind in England die sehr strengen Regeln etwas gelockert worden: So dürfen sich draußen etwa bis zu sechs Personen treffen. Drinnen sind Treffen noch bis mindestens Mitte Mai verboten. Obwohl unter strengen Auflagen in Präsenz erlaubt, finden die Angebote vieler Kirchen online statt. Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Corona-Maßnahmen. In ganz Großbritannien haben bereits mehr als 30 Millionen Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten - das entspricht mehr als der Hälfte der Erwachsenen.

Frankreich: Treffen zu sechst erlaubt

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Drinnen wie draußen sind Treffen in Frankreich zu sechst erlaubt. Landesweit gibt es abendliche Ausgangsbeschränkungen. Der Bewegungsradius wird vom Wochenende an im ganzen Land eingeschränkt. Zuvor waren nur Gebiete betroffen, in denen die Lage besonders schlimm ist. Nun darf man sich zum Beispiel nur zehn Kilometer vom Wohnort entfernen für Spaziergänge oder Sport. Alle Schulen bleiben nach Ostern für drei Wochen dicht. Gottesdienste sind zu Ostern mit Einschränkungen erlaubt. Inzwischen haben mehr als 8,5 Millionen Menschen mindestens eine erste Impfung - knapp 13 Prozent der Bevölkerung.

Über  8,2 Millionen Menschen haben in Frankreich bereits eine Erstimpfung erhalten.
Über  8,2 Millionen Menschen haben in Frankreich bereits eine Erstimpfung erhalten.
Bild: Christophe Ena, AP, dpa

Italien: Viele Verbote

Dem Mittelmeerland steht wohl ein Ostern mit vielen Verboten bevor. Die Bürger sollen möglichst zu Hause bleiben. Der strenge Lockdown gilt bisher speziell vom 3. bis 5. April. Dann sollen die Menschen ihr Zuhause möglichst nur für notwendige Erledigungen verlassen. Ein nächtliche Ausgangsbeschränkung gilt bereits. Kirchen dürfen unter strengen Auflagen öffnen. Der Vatikan feiert Ostergottesdienste nur mit wenigen Gläubigen. Rund 6,9 Millionen Italiener waren bis Ende März mindestens erstimmunisiert - rund 11 Prozent der Bevölkerung von knapp 60 Millionen. Mittwochabend tagt das Kabinett erneut, um das Vorgehen nach Ostern zu entschieden.

Österreich: Mehrere Lockdowns

Beispielsweise in Wien gilt ein Lockdown von Gründonnerstag bis 10. April - etwa in Niederösterreich wiederum bis zum 6. April. Bis auf Ausnahmen wie für den Lebensmittelhandel, ist in Geschäften nur noch die Warenabholung möglich. Museen und Zoos schließen, dazu kommen Ausgangsbeschränkungen. Gottesdienste sind hier unter Einhaltung strenger Regeln erlaubt. Für sechs der Bundesländer gibt es wiederum keine Verschärfungen. In Österreich haben bisher 1,57 Millionen von knapp 9 Millionen Einwohnern zumindest eine erste Impfung erhalten.

Niederlande: Kinos und Gaststätten geschlossen

Auch über Ostern ist Shoppen nur mit Termin und Besuche nur von einer Person pro Tag erlaubt. Unter anderem Kinos und Gaststätten sind geschlossen. Religionsgemeinschaften sind im Prinzip vom Versammlungsverbot ausgenommen - die Begrenzung der Personenzahl wird aber empfohlen. Impfungen laufen schleppend: Rund 1,7 Millionen Menschen des 17-Millionen-Einwohner-Lands haben mindestens eine Dosis bekommen.

Polen: Restriktionen nochmal verschärft

Eine Woche vor Ostern wurden die Corona-Restriktionen nochmal verschärft. Bis zum 9. April sind Möbelgeschäfte und Baumärkte geschlossen, ebenso Friseursalons und Kosmetikstudios. Hotels und Kinos sind ohnehin zu, der Betrieb von Einkaufszentren ist stark eingeschränkt. Gottesdienste sind unter Auflagen möglich: Erlaubt ist ein Besucher auf 20 Quadratmeter. Knapp 4 Millionen der rund 38 Millionen Einwohner haben eine erste Corona-Impfung bekommen.

Schweden: Restaurants und Cafés schließen

Restaurants und Cafés werden auch an Ostern um 20.30 Uhr schließen müssen, Zusammenkünfte mit mehr als acht Personen sind tabu. Daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern: Die Neuinfektionszahlen in Schweden sind hoch und steigen weiter an. Damit Ostern die Zahlen nicht noch weiter in die Höhe treibt, wird vielerorts in Schweden vor Familienfeiern gewarnt. Im Zehn-Millionen-Einwohnerland Schweden haben bisher mehr als 1,1 Millionen Bürger mindestens eine Impfdosis erhalten.

Schweiz: Lockere Regeln trotz steigender Zahlen

Trotz steigender Zahlen sind die Regeln in der Schweiz locker. Beispielsweise das Kanton Tessin erwartet einen Besucheransturm, deshalb gilt dort in einige Gemeinden Maskenpflicht. Hotels sind offen, Ferienwohnungen verzeichnen hohe Buchungszahlen. Museen, Zoos und Geschäfte sind vielerorts geöffnet, nur Restaurants warten noch auf eine Betriebsbewilligung. In Innenräumen dürfen sich bis zu zehn Personen treffen, draußen 15. Ostermessen sind erlaubt, in der Regel mit maximal 50 Leuten, die Maske tragen und Abstand halten. Bis 28. März waren knapp 1,5 Millionen Impfdosen verabreicht, gut eine halbe Million Menschen waren vollständig geimpft. Die Schweiz hat 8,6 Millionen Einwohner.

Passanten gehen an der Promenade am Seeufer in Ascona (Schweiz) spazieren.
Passanten gehen an der Promenade am Seeufer in Ascona (Schweiz) spazieren.
Bild: Alessandro Crinari, KEYSTONE, Ti-PRESS, dpa

Spanien: Regionen untereinander abgeriegelt

Die Regionen des Landes sind bis zum 9. April untereinander abgeriegelt, aus dem Ausland darf man weiter einreisen. Treffen dürfen sich höchstens sechs Personen im Freien oder vier Personen des eigenen Haushalts in geschlossenen Räumen. Es gelten nächtliche Ausgangssperren mit teils unterschiedlichen Zeiten. Jede Region hat zudem weitere Regelungen. Eine Mund-Nase-Bedeckung muss außerhalb der eigenen Wohnung getragen werden, auch wenn der Sicherheitsabstand zu Fremden gewahrt bleibt - also theoretisch auch beim Wandern oder am Strand. Etwa 16,5 Prozent der über 46 Millionen Einwohner hat mindestens eine Dosis eines Corona-Impfstoffs erhalten.

Tschechien: Wohnbezirk darf man nur mit Ausnahme verlassen

Auch zu Ostern dürfen Menschen den Wohnbezirk - vergleichbar mit einem Landkreis - nur mit Ausnahme verlassen. Besuche bei Verwandten sind ausdrücklich verboten. Die Zahl der Gottesdienst-Teilnehmer ist auf zehn Prozent der Sitzplatz-Kapazität begrenzt. Gesang ist untersagt. Bisher wurden in Tschechien mit seinen 10,7 Millionen Einwohnern rund 1,6 Millionen Impfstoff-Einzeldosen verabreicht. Nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur ECDC haben bisher 4,1 Prozent aller Erwachsenen beide Impfstoff-Dosen erhalten (Stand 21. März).

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