In Minsk verschwunden

Unbekannte sollen Oppositions-Anführerin Kolesnikowa in Belarus entführt haben

Von der belarussischen Oppositionellen Maria Kolesnikowa fehlt jede Spur. Das Bild zeigt sie Ende August auf dem Weg zu einem Untersuchungskomitee.

Von der belarussischen Oppositionellen Maria Kolesnikowa fehlt jede Spur. Das Bild zeigt sie Ende August auf dem Weg zu einem Untersuchungskomitee.

Bild: Dmitri Lovetsky, dpa

Von der belarussischen Oppositionellen Maria Kolesnikowa fehlt jede Spur. Das Bild zeigt sie Ende August auf dem Weg zu einem Untersuchungskomitee.

Bild: Dmitri Lovetsky, dpa

In Belarus ist eine wichtige Anführerin der Opposition verschwunden: Maria Kolesnikowa. Offenbar haben Unbekannte die Oppositionelle entführt.

Von der belarussischen Oppositionellen Maria Kolesnikowa fehlt jede Spur. Das Bild zeigt sie Ende August auf dem Weg zu einem Untersuchungskomitee.
dpa
08.09.2020 | Stand: 08:06 Uhr

Update, Montag, 14.30 Uhr: Koordinierungsrat in Belarus: Kolesnikowa wurde entführt

Die verschwundene belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa ist nach Einschätzung des Koordinierungsrates der Demokratiebewegung entführt worden. "Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt", teilte das Gremium für einen friedlichen Machtwechsel am Montag in Minsk mit. Die 38-Jährige sei zusammen mit ihrem Mitarbeiter Iwan Krawzow und ihrem Sprecher Anton Rodnenkow im Zentrum von Minsk von Unbekannten entführt worden. "Der Koordinierungsrat fordert die sofortige Freilassung", hieß es.

Medien hatten zuvor unter Berufung auf eine Augenzeugin berichtet, dass Kolesnikowa in einen Minibus gesteckt worden sei. Die Behörden hätten noch keine Informationen über den Aufenthaltsort gegeben, teilte der Rat mit. "Wir sehen, dass die Behörden in den vergangenen Tagen begonnen haben, Terrormethoden offen anzuwenden, statt einen Dialog mit der Gesellschaft aufzunehmen."

Update, Montag, 13.40 Uhr: Die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa wurde wohl von Unbekannten festgenommen, so berichten verschiedene Medien. Angeblich habe der belarussische Oppositionsrat erklärt, dass er über die Festnahme Kolesnikowas informiert worden sei.

Von einer der wichtigsten Anführerinnen der Opposition in Belarus (Weißrussland), Maria Kolesnikowa, fehlt jede Spur. Ihre Kollegen hätten keinen Kontakt zu ihr, teilte der Pressedienst des Koordinierungsrates der Demokratiebewegung am Montag in Minsk mit. Außerdem seien ihr Mitarbeiter Iwan Krawzow und ihr Sprecher Anton Rodnenkow nicht mehr erreichbar.

Augenzeugin will Entführung Kolesnikowas gesehen haben

Das Internetportal tut.by berichtete nach Darstellung einer Augenzeugin, dass Unbekannte am Montagmorgen Kolesnikowa in einen Minibus gesteckt und entführt haben sollen. Das wurde bislang vom Koordinierungsrat nicht bestätigt.

Die 38-Jährige ist eine der wichtigsten Oppositionellen, die sich gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko stellen. Einige Kollegen des Gremiums waren zuvor schon festgenommen, ausgereist oder zur Ausreise gezwungen worden, unter anderem die Präsidentenkandidatin Swetlana Tichanowaskaja. Sie war nach der Wahl ins EU-Land Litauen geflüchtet.

(Wie die Großdemo gegen Lukaschenko am Sonntag in Belaurs ablief und welche Reformen Lukaschenko nach den Massenprotesten ankündigte, erfahren Sie im jeweiligen Artikel.)

Kolesnikowa strebt einen friedlichen Machtwechsel in Belarus an

Kolesnikowa arbeitet für den Ex-Bankenchef Viktor Babariko, der für das Präsidentenamt kandidieren wollte. Sie ist auch im Präsidium des Koordinierungsrates, der einen friedlichen Machtwechsel anstrebt. Kolesnikowa hatte viele Jahre in Stuttgart gelebt und von dort aus Kulturprojekte gemanagt. Kolesnikowa trat immer wieder bei Protestaktionen auf und wurde dabei von den Demonstranten bejubelt. Bei der Großdemonstration am Sonntag marschierte sie in Minsk mit.

Hintergrund der Proteste ist die Präsidentenwahl vor mehr als vier Wochen. Lukaschenko hatte sich danach mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die Opposition hält dagegen Tichanowskaja für die wahre Siegerin. Die Abstimmung steht international als grob gefälscht in der Kritik.