Corona-Pandemie

Wie andere Länder mit der Impfpflicht umgehen - ein Überblick

Im Urlaub mag man das Virus mal kurz vergessen. Doch in ganz Europa breitet sich die Delta-Variante schneller aus, als man dagegen impfen kann.

Im Urlaub mag man das Virus mal kurz vergessen. Doch in ganz Europa breitet sich die Delta-Variante schneller aus, als man dagegen impfen kann.

Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolfoto)

Im Urlaub mag man das Virus mal kurz vergessen. Doch in ganz Europa breitet sich die Delta-Variante schneller aus, als man dagegen impfen kann.

Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolfoto)

Deutschland schließt eine Impfpflicht weiterhin aus. Einige Länder haben eine solche Pflicht in bestimmten Bereichen schon eingeführt.
13.08.2021 | Stand: 15:45 Uhr

Die Bundesregierung möchte keine Impfpflicht. Das haben Regierungsvertreter und -vertreterinnen wiederholt betont. Zu Einschränkungen für Nichtgeimpfte hatte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht allerdings auf die im Grundgesetz verankerte Vertragsfreiheit verwiesen. Diese erlaubt beispielsweise schon jetzt einzelnen Gastronomiebetrieben, nur Geimpfte zu bewirten.

Bisher ist fast die Hälfte der Deutschen vollständig geimpft– das sind rund 41,1 Millionen Menschen. 50,6 Millionen der Bevölkerung haben mindestens eine Impfdose erhalten. Für die Herdenimmunität reicht das noch lange nicht.

Andere Länder wie Frankreich oder Italien haben deshalb etwa eine verpflichtende Impfung für Beschäftigte im Gesundheitswesen eingeführt. So gehen andere Länder mit der Impfmüdigkeit um:

Impfpflicht und Corona-Regelungen sorgen in Frankreich für Proteste

Frankreich: Das französische Parlament hat nach langen Debatten Ende Juli neue Corona-Regeln gebilligt. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen sowie Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte müssen sich bis spätestens 15. September impfen lassen. Ansonsten droht ihnen ein Berufsverbot. Als Grund nannte Präsident Emmanuel Macron die sich schnell ausbreitende Delta-Variante.

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Italien auf dem Weg zur Impfpflicht

Nach der Bekanntgabe gingen mehr als 110.000 Demonstranten auf die Straßen und protestierten gegen die Impfpflicht und den Gesundheitspass, der Aufschluss über eine Impfung oder einen Negativ-Test gibt. Doch die Mehrheit der Bevölkerung sieht das anders: Eine Umfrage für den Sender BFMTV ergab, dass sich 76 Prozent der Bürger für die Impfpflicht aussprechen. Der dortige Verfassungsgerichtshof hat die Impfpflicht später bestätigt.

Das beschlossene Gesetz sieht zudem eine Nachweispflicht über einen negativen Corona-Test, eine Impfung oder Genesung vor. Nur so können Fernzüge, Bars, Restaurants und Einkaufszentren benutzt und besucht werden. Schon die Ankündigung verschärfter Regeln beschleunigte das Impftempo. Am 12. August waren 66 Prozent der Bevölkerung erstmalig geimpft, 51 Prozent vollständig.

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Corona-Impfung: Das unterscheidet die Impfstoffe

Keine Impfpflicht in den USA, aber Unternehmen treiben Impfkampagne voran

USA: In den Vereinigten Staaten gibt es schon lange viel mehr Impfstoff als Abnehmer. Eine gesetzliche Impfpflicht schließt Präsident Joe Biden bisher aus, aber Verbände und Unternehmen treiben die Impfkampagne voran. Das Veteranenministerium gab am Montag bekannt, dass sich die medizinischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser für US-Veteranen innerhalb von acht Wochen gegen das Coronavirus impfen lassen müssen. Zuvor hatten Krankenhausverbände bereits Impfpflichten eingeführt, Universitäten kündigten an, ab Herbst nur geimpfte Studierende zu Vorlesungen zuzulassen.

Seit Wochen ist klar, dass die Impfkampagne in den USA gewaltig stockt und sich die Delta-Variante immer weiter verbreitet. Viele möchten sich nicht impfen lassen, auch trotz kreativer Impfanreize, wie Freibier, Joints, Stipendien oder sogar einem Lottogewinn von einer Million Dollar. Noch nicht einmal die Hälfte der Staaten hat die angepeilte Quote von 70 Prozent erreicht. Am 12. August waren 59 Prozent der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner einmal geimpft, 50 Prozent vollständig.

Italienische Regierung hat Impfpflicht für medizinischen Personal eingeführt

Italien: Zu Beginn der Pandemie traf es Italien von den europäischen Ländern am härtesten. Eine Impfpflicht führte die Regierung bereits am 25. Mai ein. Ärzte sowie Ärztinnen und medizinisches Personal sind verpflichtet, sich impfen zu lassen. Wird das nicht befolgt, droht eine Suspendierung oder ein Verbot, dass sie mit Menschen arbeiten dürfen. Bis Mitte August hatten 66 Prozent der Italiener mindestens eine Dosis erhalten, etwa 56 Prozent der Menschen waren vollständig geimpft.

Das Kabinett unter Ministerpräsident Mario Draghi hat beschlossen, dass ab 6. August der Zugang zu den Innenbereichen gastronomischer sowie kultureller Betriebe, zu Sport- und Kulturveranstaltungen, Schwimmbädern und Fitnessstudios nur bei Vorlage eines Zertifikats zum Nachweis der Impfung, einer Genesung oder eines negativen Tests gestattet ist. Am vergangenen Wochenende haben italienischen Medien zufolge mehr als 80.000 Menschen gegen diese Entscheidung demonstriert.

Griechenland: Verpflichtende Impfung für den Gesundheitssektor vorgesehen

Griechenland: Die Regierung in Athen hat Mitte Juli eine Impfpflicht angekündigt. Beschäftigte im Gesundheitssektor und in der Altenpflege müssen sich künftig impfen lassen. Anderenfalls können sie suspendiert werden. Sie würden dann so lange kein Geld bekommen, wie sie nicht geimpft sind. Zudem dürfen in der Privatwirtschaft Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von ihren Angestellten fordern, sich impfen zu lassen. Anlass ist die sich auch in Griechenland rapide ausbreitende Delta-Variante. Trotzdem protestieren tausende Menschen auch dort gegen die geplante Impfpflicht.

Bisher sind 56 Prozent der 10,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner einmalig geimpft, 52 Prozent vollständig. Junge Leute zwischen 18 und 25 bekommen vom Staat eine Guthabenkarte mit 150 Euro, wenn sie sich impfen lassen. (Die aktuellen Impfzahlen für das Allgäu finden Sie hier.)

Großbritannien hat Impfpflicht und setzt auf Testen anstatt Quarantäne

Großbritannien: Alle Mitarbeiter von Seniorenheimen müssen vollständig geimpft sein, wie die Regierung in Großbritannien am 16. Juni bekannt gegeben hat. Ebenfalls fallen Friseure, andere Dienstleister und freiwillige Helfer unter die Pflicht. Auch einige Pflegeheimbetreiber haben für ihr Personal bereits die Immunisierung verpflichtend gemacht.

69 Prozent der Briten sind mindestens einmal geimpft, 58 Prozent vollständig.

Spanien: keine Impfpflicht, aber hohe Bereitschaft für Corona-Impfung

Spanien: Bisher hat sich die spanische Regierung von einer Impfpflicht distanziert, denn ohnehin sind bereits 72 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal geimpft. Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, ist bisher sehr hoch: Unter Beschäftigten in Krankenhäusern und Gesundheitszentren liegt die Quote bei fast 98 Prozent sowie beim Pflegepersonal bei etwa 90 Prozent.

„Impf-Weltmeister“ Israel: 67 Prozent der Bevölkerung sind geimpft

Israel: Als „Impf-Weltmeister“ der Corona-Pandemie galt das Land nach seiner schnell und reibungslos angelaufenen Impfkampagne. Auch Monate nach dem Start der Impfungen ist Israel noch eines der Länder mit den meisten vollständig gegen Covid-19 immunisierten Menschen. 67 Prozent der Bürgerinnen und Bürger haben zumindest ihre Erstimpfung erhalten, 62 Prozent sind vollständig geimpft. In Israel ist für den Zutritt zu bestimmten Veranstaltungen und anderen Bereichen ein Impf- oder Genesenennachweis erforderlich. Ein negativer Corona-Test genügt nicht, was von Kritikern als "Impflicht durch die Hintertür" bemängelt wird.

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