Corona-Impfstoff in Deutschland

Wie Deutschland sich 94 Millionen Corona-Impfdosen gesichert hat

Wann wird es einen Corona-Impfstoff geben? Diese Frage wird aktuell diskutiert.

Wann wird es einen Corona-Impfstoff geben? Diese Frage wird aktuell diskutiert.

Bild: Friso Gentsch

Wann wird es einen Corona-Impfstoff geben? Diese Frage wird aktuell diskutiert.

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Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus geht im Rekordtempo voran - und Gesundheitsminister Spahn hat schon jetzt eine Warnung an die Hersteller.
Wann wird es einen Corona-Impfstoff geben? Diese Frage wird aktuell diskutiert.
Von Stefan Lange
16.09.2020 | Stand: 06:39 Uhr

Die Bundesregierung geht von der zügigen und ausreichenden Entwicklung eines Corona-Impfstoffs aus. Die Bundesminister für Forschung sowie Gesundheit, Anja Karliczek und Jens Spahn (beide CDU), wollten sich am Dienstag zwar nicht auf ein konkretes Datum festlegen. Spahn betonte jedoch, dass es „wahrscheinlich so schnell wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte“ einen Impfstoff geben werde. Laut Spahn hat sich die Bundesregierung bereits 94 Millionen Impfdosen für die Menschen in Deutschland gesichert. Weitere Verträge sollen folgen.

Gesundheitsminister Spahn warnt: Export von Corona-Impfstoff kann untersagt werden

Über Abmachungen auf europäischer Ebene sind demnach 54 Millionen Impfdosen reserviert. Weitere 40 Millionen kommen Spahn zufolge „durch Verträge national“ zustande. Sollten sich die Firmen hierzulande nicht an die Absprachen halten und sich versucht sehen, zu höheren Preisen ins Ausland zu liefern, müssten sie mit Widerstand rechnen. „Wir könnten im Falle der Fälle den Export bestimmter Dinge untersagen“, betonte Spahn. Mit der genannten Menge stünde aber nicht automatisch jedem der rund 83 Millionen Einwohner in Deutschland eine Impfdosis zu. Man müsse davon ausgehen, dass zwei Impfungen nacheinander notwendig sein könnten, sagte der Gesundheitsminister und bekräftigte, dass es keine Impf-Pflicht geben soll. Für einen breiten Schutz in der Bevölkerung sei eine Impfquote von 55 bis 60 Prozent nötig. Er sei zuversichtlich, dass es genügend Nachfrage geben werde. „Wo Freiwilligkeit zum Ziel führt, braucht es keine Verpflichtung“, unterstrich der CDU-Mann.

In Deutschland sind die drei Unternehmen Biontech, Curevac und IDT Biologika in ein 750 Millionen Euro umfassendes Sonderprogramm zur Beschleunigung von Forschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 aufgenommen worden. Biontech kann Karliczek zufolge mit maximal 375 Millionen Euro Förderung planen. Curevac wurden 230 Millionen Euro aus dem Fördertopf zugesprochen. Mit IDT Biologika seien die Fördergespräche noch nicht ganz abgeschlossen.

Karliczek: Sicherheit des Impfstoffs wichtiger als Tempo

Karliczek bekräftigte ihre Einschätzung, wonach „erst Mitte nächsten Jahres“ ein Impfstoff zu Verteilung bereitstehen dürfte. Die Sicherheit habe Vorrang. „Auch wenn die Welt auf einen Impfstoff wartet: Riskante Abkürzungen werden wir hier nicht nehmen“, sagte Karliczek. Spahn nannte als Zeitspanne die „ersten Monate des neuen Jahres. Alles was schneller geht, freut uns.“ Auch er betonte, „dass es nicht darum geht, erster und schneller zu sein. Es geht darum, einen sicheren Impfstoff zu haben“.

Sollte es dann einen Impfstoff geben, will die Bundesregierung für eine gerechte weltweite Verteilung sorgen. Man werde „den Zugang für alle auf der Welt möglich machen und auch für die Länder, die einen Impfstoff aus eigener Kraft nicht entwickeln können“, sagte Spahn. Es müsse aber „auch für unsere Bürgerinnen und Bürger“ ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Alles andere wäre nicht vermittelbar.

Zwar werden bereits Millionen Euro in den Ausbau der Impfstoff-Produktion gesteckt. Trotzdem können nicht alle Impfwilligen auf einmal in den ersten Tagen bedient werden – weshalb auf europäischer und nationaler Ebene darüber debattiert werde, wer zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden soll. Absehbar sei bereits, dass Risikogruppen sowie Berufstätige mit hoher Ansteckungsgefahr zuerst eine Impfdosis bekommen sollen. Offen ist noch, wo geimpft wird. Denkbar sei, das in Arztpraxen zu machen oder in regionalen Impfzentren.

Spahn lobt die Deutschen für den Umgang mit Corona

Spahn lobte erneut den Umgang der Bevölkerung mit der Corona-Pandemie. Dass Deutschland im internationalen Vergleich so gut dastehe, sei der Einhaltung der Regeln zu verdanken. Die Intensivstationen seien nicht annähernd so stark belegt wie zuvor befürchtet. „Das ganze Leben besteht eigentlich aus Risiken. Entscheidend ist, dass wir sie abwägen und damit umgehen können“, sagte der Minister. Er sei der Auffassung, dass Deutschland „zuversichtlich“ in den Herbst und Winter gehen könne.