Wikileaks-Gründer

Britisches Gericht lehnt US-Auslieferungsantrag für Assange ab

John Shipton, Vater des Wikileaks-Gründers Assange, steht vor einem "Don't Extradite Assange"-Plakat, als er im Old Bailey Gericht ankommt, vor einer Anhörung in Assanges Kampf gegen die Auslieferung an die USA.

John Shipton, Vater des Wikileaks-Gründers Assange, steht vor einem "Don't Extradite Assange"-Plakat, als er im Old Bailey Gericht ankommt, vor einer Anhörung in Assanges Kampf gegen die Auslieferung an die USA.

Bild: Aaron Chown, dpa (Archivbild)

John Shipton, Vater des Wikileaks-Gründers Assange, steht vor einem "Don't Extradite Assange"-Plakat, als er im Old Bailey Gericht ankommt, vor einer Anhörung in Assanges Kampf gegen die Auslieferung an die USA.

Bild: Aaron Chown, dpa (Archivbild)

In den USA hätten Julian Assange bis zu 175 Jahre Haft gedroht. In London hat nun ein Gericht den Antrag auf Auslieferung des Wikileaks-Gründers zurückgewiesen.
John Shipton, Vater des Wikileaks-Gründers Assange, steht vor einem "Don't Extradite Assange"-Plakat, als er im Old Bailey Gericht ankommt, vor einer Anhörung in Assanges Kampf gegen die Auslieferung an die USA.
dpa
04.01.2021 | Stand: 12:34 Uhr

Ein Gericht in London hat den US-Auslieferungsantrag für Wikileaks-Gründer Julian Assange am Montag abgelehnt. Dem 49-Jährigen hätten in Amerika im Fall einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft gedroht. Die Richterin begründete ihre Entscheidung mit dem psychischen Gesundheitszustand Assanges und den Haftbedingungen, die ihn in den USA erwarten würden. Es sei damit zu rechnen, dass er sich in Isolationshaft das Leben nehmen werde.

Assange soll geheimes Material gestohlen und veröffentlicht haben

Die US-Justiz wirft dem gebürtigen Australier Assange vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning - damals Bradley Manning - geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Der 49-Jährige habe damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht, so der Vorwurf. Seine Unterstützer sehen in ihm hingegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat.

Verfahren könnte vor britischen Supreme Court gehen

Der Rechtsstreit dürfte jedoch vorerst in Großbritannien weitergehen, denn gegen die Entscheidung kann Berufung eingelegt werden. Nach einer weiteren Instanz könnte das Verfahren vor den britischen Supreme Court gehen und schließlich den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beschäftigen. Menschenrechtler, Politiker und Organisationen wie Reporter ohne Grenzen hatten zuvor gewarnt, Assange würde in den USA kein faires Verfahren bekommen.

Familienmitglieder um Assanges psychischen Zustand besorgt

Der Wikileaks-Gründer saß bereits seit rund eineinhalb Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Südosten der britischen Hauptstadt. Angesichts der Corona-Pandemie durfte er nur sehr eingeschränkt Besuch empfangen, auch Telefonate nach draußen waren nicht unbegrenzt möglich. Wegen eines Corona-Ausbruches im Gefängnis wurde zeitweise ein ganzer Block unter Quarantäne gestellt. Familienmitglieder sorgten sich seit langer Zeit um Assanges psychischen und gesundheitlichen Zustand.