Erstmals seit 1992 wieder über 5 Prozent

Was Verbraucher zur aktuellen Inflationsrate wissen sollten

Die Inflationsrate in Deutschland übersteigt die Fünf-Prozent-Marke. Für Verbraucher wird vieles teurer. Experten wagen bereits einen Ausblick auf die Preisentwicklung in 2022.

Die Inflationsrate in Deutschland übersteigt die Fünf-Prozent-Marke. Für Verbraucher wird vieles teurer. Experten wagen bereits einen Ausblick auf die Preisentwicklung in 2022.

Bild: Tom Weller, dpa (Symbolbild)

Die Inflationsrate in Deutschland übersteigt die Fünf-Prozent-Marke. Für Verbraucher wird vieles teurer. Experten wagen bereits einen Ausblick auf die Preisentwicklung in 2022.

Bild: Tom Weller, dpa (Symbolbild)

Seit etwa 29 Jahren liegt die Inflationsrate in Deutschland erstmals wieder über der Fünf-Prozent-Marke. Was bedeutet das für Verbraucher? Ein Überblick.
20.12.2021 | Stand: 19:58 Uhr

Die Inflation in Deutschland hat im November erstmals seit rund 29 Jahren wieder die Fünf-Prozent-Marke überstiegen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Eine besorgniserregende Entwicklung? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen, die Sie zur derzeitigen Preisentwicklung wissen sollten.

Die Inflationsrate, also die Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat, hat bereits im Oktober auf deutlich höherem Niveau gelegen, nämlich bei 4,5 Prozent. Das geht aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums im vergangenen Monat hervor. Im September waren es noch 4,1 und im August 3,9 Prozent. Im November hat die Inflationsrate in Deutschland die Fünf-Prozent-Marke geknackt.

Massive Preisanstiege für Energie treiben Inflation

Als maßgeblichen Grund dafür, dass die Inflation weiter steigt, nennt das Bundesfinanzministerium die erhöhten Preise für Energie. Bis zum Jahresende 2021 rechnet das Ministerium weiter „mit einer merklich erhöhten Inflationsrate“. Wenn dann ab 2022 die Senkung der Umsatzsteuersätze wegfällt, sollte auch die Inflationsrate nach Ministeriumsangaben wieder sinken. Wegen der steigenden Energiepreise werde die Rate aber wohl dennoch über dem Vorkrisenniveau bleiben.

Waren und Dienstleistungen werden für Verbraucher teurer

Wegen der hohen Haushaltsdefizite und der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank gelangt laut dem Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche weiter zu viel Geld in Umlauf. Das treibe die aktuelle Inflationsrate von über fünf Prozent weiter an. Das bedeutet für Verbraucher: Waren und Dienstleistungen kosteten im November über fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Noch gravierender sind die Preisunterschiede bei der Energie: Sie kostete 22,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Inflation: Wenn das Geld weniger wert ist, gibt es dafür auch weniger Ware

Auf den Punkt gebracht bedeutet das für Verbraucher: Die Menschen können sich für ihr Geld weniger kaufen, weil die Waren, also beispielsweise Lebensmittel, teurer werden. Denn wenn ein Euro durch die Inflation weniger wert ist, bekommt man für diesen einen Euro im Supermarkt auch weniger Ware. Daher ist es für die Beurteilung inflationärer Tendenzen sehr wichtig, auf die Entwicklung von Löhnen und Gehältern zu schauen: Steigen sie in der Teuerung nicht oder im Verhältnis zum Anstieg der Preise zu wenig, schwindet die Kaufkraft der Konsumenten.

Weniger Lebensmittel für mehr Geld, so lässt sich die Inflation knapp erklären. In Deutschland liegt die Inflationsrate aktuell bei hohen 5,2 Prozent.
Weniger Lebensmittel für mehr Geld, so lässt sich die Inflation knapp erklären. In Deutschland liegt die Inflationsrate aktuell bei hohen 5,2 Prozent.
Bild: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

Lesen Sie auch
##alternative##
Preissteigerungen

Leichte Abschwächung der Inflation - Aber keine Trendwende

CO2-Steuer und Corona-Krise lassen Inflationsrate ansteigen

Die hohen Inflationsraten seit Juli 2021 haben laut dem Statistischen Bundesamt aber noch weitere Gründe. Darunter finden sich zum Beispiel Basiseffekte durch niedrige Preise im Jahr 2020. „Hier wirken sich insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze und der Preisverfall der Mineralölprodukte erhöhend auf die Gesamtteuerung aus“, schreibt das Bundesamt in einem kürzlich veröffentlichten Bericht. Hinzu kommen die CO2-Bepreisung, die seit Januar 2021 gilt, sowie Effekte durch die Corona-Krise. (Lesen Sie auch: Inflation und Corona lassen Kauflaune auf Neun-Monats-Tief sinken)

Sinkende Inflationsrate für 2022 erwartet

Die Bundesregierung geht in ihrer Herbstprojektion davon aus, dass die durchschnittliche Inflationsrate in diesem Jahr bei 3,0 Prozent liegen wird. Im nächsten Jahr erwarten die Experten einen schrittweisen Rückgang, sodass die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2022 bei 2,2 Prozent liegen dürfte.

Persönliche Inflationsrate berechnen

Welche Folgen Inflation haben kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Auf der Webseite der Deutschen Bundesbank finden Interessierte Informationen zur Hyperinflation in Deutschland von 1914 bis 1923 sowie zur verdeckten Inflation zwischen 1936 und 1948.

Wer einmal die amtliche Inflationsrate mit seiner eigenen vergleichen möchte, kann den Inflationsrechner des Statistischen Bundesamtes nutzen. Dort können Verbraucher die Summe ihrer monatlichen Ausgaben auf die verschiedenen Konsumbereiche aufgeteilt eingeben und die persönliche Inflation berechnen lassen.

Die wichtigsten Begriffe zur Inflation:

  • Verbraucherpreisindex: misst monatlich die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland für Konsumzwecke kaufen. Der Index dient besonders zur Messung der Geldwertstabilität.
  • Geldwertstabilität: bezeichnet die Vermeidung von Inflation und Deflation. Bei einem länger anhaltenden Anstieg des Preisniveaus spricht man von Inflation. Ein anhaltender Rückgang nennt sich Deflation.
  • Inflationsrate: ist die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat bzw. Vorjahr (wird auch als Teuerungsrate bezeichnet).
  • Berechnungsgrundlage: um die Inflationsrate auszurechnen, nutzt das Statistische Bundesamt einen „Warenkorb“, in dem 650 Güterarten berücksichtigt werden und der „sämtliche von privaten Haushalten in Deutschland gekaufte Waren und Dienstleistungen umfasst."

Lesen Sie auch: Lieferengpässe im Handel dauern wohl noch lange - Preise steigen an Weihnachten