Wirtschaft

Teures Weihnachten? Die Lieferprobleme erreichen den Einzelhandel

Wer bestimmte Weihnachtsgeschenke im Blick hat, sollte jetzt schon danach suchen. Vor allem elektronische Artikel haben eine lange Lieferzeit.

Wer bestimmte Weihnachtsgeschenke im Blick hat, sollte jetzt schon danach suchen. Vor allem elektronische Artikel haben eine lange Lieferzeit.

Bild: Florian Ankner, dpa

Wer bestimmte Weihnachtsgeschenke im Blick hat, sollte jetzt schon danach suchen. Vor allem elektronische Artikel haben eine lange Lieferzeit.

Bild: Florian Ankner, dpa

Elektroartikel, Fahrräder und Möbel haben lange Lieferzeiten. Experte rät: Geschenke lieber früher kaufen.
12.10.2021 | Stand: 18:37 Uhr

Bislang kannten vor allem jene das Problem, die ein Haus bauen oder renovieren: Der Mangel an Rohstoffen und die weltweit anfälligen Lieferketten sorgen seit Monaten für Engpässe auf dem Bau. Nun greift das Problem auf den Einzelhandelüber und trifft die Verbraucher in vielen Lebensbereichen. Nicht mehr jeder Wunsch kann derzeit im Handel erfüllt werden, laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts klagen derzeit 74 Prozent der Einzelhändler über entsprechende Probleme – in einzelnen Branchen sind es sogar noch mehr.

Die angespannte Lage hat viele Gründe

„Die Beschaffungsprobleme aus der Industrie sind nun auch hier angekommen“, sagt der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, und warnt: „Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden.“ Vor allem wer derzeit ein Fahrrad kaufen will, muss sich auf extrem lange Wartezeiten einstellen. Das Gleiche gilt für Unterhaltungselektronik. Auch in Möbelhäusern ist Geduld gefragt. Im Kfz-Handel zeigen sich die Lieferprobleme insbesondere bei Elektroautos.

Die Gründe für die angespannte Lage sind vielfältig: Da ist zum einen der Mangel an Rohstoffen, zum anderen aber auch die hohe Nachfrage und anhaltende Probleme bei den Transportwegen. Nicht nur Holz ist zum knappen Gut geworden, auch die Produktion von Chips und Halbleitern stockt und lässt elektrische Produkte von der Spielekonsole über das Smartphone bis hin zur Waschmaschine nicht ständig verfügbar sein.

Aldi-Süd begründete die Verzögerung bei seiner Aktionsware kürzlich damit, dass der chinesische Hafen Yantian lahmgelegt war. Der viertgrößte Containerhafen der Welt war wegen eines Corona-Ausbruchs im Sommer komplett gesperrt worden. „Gegenwärtig ist Sand im Getriebe der weltweiten Logistik“, sagt Wohlrabe. In Asien werden teils ganze Fabriken wegen der Pandemie geschlossen. Die Firma Miele war wegen fehlender Bauteile zur Kurzarbeit gezwungen – auch Waschmaschinen sind inzwischen mit Chips ausgestattet.

Handel erholt sich langsam vom Lockdown

„Die Schwierigkeiten machen sich vor allem im technischen Bereich bemerkbar“, sagt Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern. Durch die langen Phasen des Homeoffice hätten sich viele Haushalte mit Technik ausgerüstet. Bei Textilien gebe es derzeit noch vergleichsweise wenig Probleme. „Ich kann nur empfehlen, sich möglichst bald um ein Weihnachtsgeschenk zu kümmern“, sagt Puff. „Das so kurzfristig zu machen, wie wir das aus der Vor-Corona-Zeit gewohnt waren, ist in diesem Jahr nicht ratsam.“ Insgesamt hat der Einzelhandel seit dem Lockdown deutlich aufgeholt, die Umsätze gingen nach oben. „Wir sind noch nicht auf dem Niveau von vor Corona, aber auf einem guten Weg“, sagt Puff. Noch seien nicht alle Ausgaben, die in den Online-Handel abgewandert waren, zurück in den stationären Handel geflossen. Gerade Großstädte wie München, wo die Händler auch von den Touristen profitieren, merken weiter die Einschnitte.

Auch Benzin ist teuer geworden

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Die Folgen der Lieferengpässe werden die Verbraucher bald am Geldbeutel spüren: „Die Industrie hat Preiserhöhungen angekündigt und diese kommen jetzt zwangsläufig im Einzelhandel an“, sagt Ifo-Experte Wohlrabe. Insgesamt steigt aktuell die finanzielle Belastung im Alltag. Für einen Liter Super E10 müssen die Autofahrer derzeit laut ADAC im Schnitt 1,609 Euro bezahlen – das sind 2,8 Cent mehr als in der vergangenen Woche. Noch stärker ist der Preis für Diesel gestiegen: Ein Liter kostet aktuell 1,478 Euro und liegt damit um 3,4 Cent über dem Vorwochenpreis. Benzin ist so teuer wie zuletzt im Jahr 2013. Grund für den Anstieg sind die hohen Rohöl-Preise.