Eine Never-Ending-Baustelle?

Verzögert ein Loch in der Außenfassade das Projekt Stuttgart 21?

Die Baustelle des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21, bei der der Bahnhof unter die Erde verlegt werden soll, aufgenommen aus einem Heißluftballon im Juli 2021.

Die Baustelle des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21, bei der der Bahnhof unter die Erde verlegt werden soll, aufgenommen aus einem Heißluftballon im Juli 2021.

Bild: Bernd Weissbrod, dpa

Die Baustelle des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21, bei der der Bahnhof unter die Erde verlegt werden soll, aufgenommen aus einem Heißluftballon im Juli 2021.

Bild: Bernd Weissbrod, dpa

Seit Jahrzehnten schon laufen die Planungen für das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21. Dieses Mal im Fokus: ein Loch in der Außenfassade.
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dpa
17.08.2021 | Stand: 13:28 Uhr

Am denkmalgeschützten Gebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs lösen sich mitten in der Nacht Steine aus der Fassade und hinterlassen ein Loch von rund drei Metern Durchmesser. Feuerwehr, Bundespolizei, Verantwortliche der Bahn und Statiker eilen herbei. Aus Sicherheitsgründen wird der im Zuge des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21 bekannt gewordene Bonatzbau gesperrt. Und auch der davorliegende Bereich der Taxivorfahrt am Arnulf-Klett-Platz, wo die Steine auf den Boden prallen.

Verletzt wird niemand, die Ursache und Schadenshöhe sind noch unbekannt. Der Bahnverkehr ist laut Bahn nicht beeinträchtigt. Passagiere werden über das Gelände der Landesbank Baden-Württemberg und den Schlossgarten zu den Zügen umgeleitet.

Steine oberhalb zweier Fenster herausgefallen

Das fast 100 Jahre alte Empfangsgebäude und Wahrzeichen Stuttgarts wird seit 2019 von der Deutschen Bahn saniert. Die Steine fielen oberhalb zweier Fenster heraus, aus einer Höhe von etwa 15 Metern. Die Feuerwehr setzt Sonderfahrzeuge ein, mit einer Drehleiter erkunden sie die Fläche im Inneren des dunklen Lochs.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn gibt nur spärliche Informationen: "Wann genau die letzten Arbeiten hinter dem Fenster stattgefunden haben, entzieht sich meiner Kenntnis", sagt er. Und: "Die Deutsche Bahn hat noch in den frühen Morgenstunden mit Hochdruck begonnen, gemeinsam mit einem Expertenteam zu ermitteln, warum sich die Fassadenteile lösen konnten. Sobald das weitere Vorgehen feststeht, wird die Deutsche Bahn über die weitere Entwicklung informieren."

Bauwerk soll moderne Gebäudetechnik erhalten

Laut Plan erhält das Bauwerk im Zuge der Modernisierung ein neues Tragwerk und moderne Gebäudetechnik. Das Äußere soll jedoch erhalten bleiben. Bringt der Zwischenfall den Zeitplan des umstrittenen Großprojekts Stuttgart 21 durcheinander? Nein, betont der Bahnsprecher. "Verzögerungen im Projekt Stuttgart 21 sind nicht zu erwarten." In dem betroffenen Bereich des Gebäudes seien früher Büroräume gewesen. Dort sollen auch künftig wieder Büroräume untergebracht werden.

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Staatsanwaltschaft ermittelt wegen bröckelnder Fassade am Bahnhof

Der umstrittene Bahnhof mit einem Kostenrahmen von 8,2 Milliarden Euro soll nach diversen Kostensteigerungen und zeitlichen Verschiebungen 2025 fertig sein. Im Finanzierungsvertrag waren 2009 noch 4,5 Milliarden Euro festgelegt worden. Im Rahmen des Großprojektes wird der bestehende Kopfbahnhof durch einen tiefergelegten und um 90 Grad gedrehten Durchgangsbahnhof ersetzt.

Prägende Gebäudeteile des Bonatzbaus erhalten

Die Planungen für die Modernisierung des Bonatzbaus wurden von der Bahn, der Stadt, den Denkmalschutzbehörden und dem Architekturbüro Ingenhoven entwickelt. Der Entwurf sieht vor, die bestehenden, prägenden Gebäudeteile des Bonatzbaus - Turm, Kopfbahnsteighalle, Mittelaufgang sowie Kleine und Große Schalterhalle - zu erhalten und durch das neue Tragwerk zu entlasten und zu sichern.

Dagegen regten sich nach dem Baubeginn heftige Proteste. Im Sommer 2010 gingen immer wieder Zehntausende Stuttgart-21-Gegner auf die Straße. Ganz Deutschland blickte auf die Schwabenmetropole und deren "Wutbürger", die gegen den Bau protestierten.

Eskalierter Polizeieinsatz um Stuttgart 21 im Jahr 2010

Am "Schwarzen Donnerstag" im September 2010 eskalierte der Konflikt zwischen Gegnern und Polizei. Polizisten traktierten Demonstranten gegen das Bauvorhaben mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Wasserwerfer zielten auf Menschen. Bei der Räumung des Stuttgarter Schlossgartens wurden laut Innenministerium weit mehr als 160 Menschen verletzt, einige schwer.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart erklärte den Einsatz im November 2015 für rechtswidrig. Der eskalierte Polizeieinsatz führte unter anderem auch zu einer Schlichtung, Untersuchungsausschüssen im Landtag und einer Volksabstimmung.

(Autor: Tatjana Bojic)