Verdacht der Falschinformation

Wirecard will nach Razzia mit Ermittlern kooperieren

Die Staatsanwaltschaft München I hatte nach einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin die Ermittlungen gegen die vier Wirecard-Vorstandsmitglieder - inklusive Konzernchef Markus Braun (Bild) - eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft München I hatte nach einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin die Ermittlungen gegen die vier Wirecard-Vorstandsmitglieder - inklusive Konzernchef Markus Braun (Bild) - eingeleitet.

Bild: Peter Kneffel, dpa/Archiv

Die Staatsanwaltschaft München I hatte nach einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin die Ermittlungen gegen die vier Wirecard-Vorstandsmitglieder - inklusive Konzernchef Markus Braun (Bild) - eingeleitet.

Bild: Peter Kneffel, dpa/Archiv

Der Zahlungsdienstleister Wirecard steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Es gab Durchsuchungen. Der Konzern kündigte an, mit den Fahndern zu kooperieren.

08.06.2020 | Stand: 11:48 Uhr

Der wegen Verdachts der Falschinformation von Anlegern ins Visier der Münchner Staatsanwaltschaft geratene Dax-Konzern Wirecard will mit den Ermittlern kooperieren. «Alle von den Behörden im Rahmen der Durchsuchung angeforderten Daten wurden kurzfristig bereitgestellt», heißt es in einer aktuellen Stellungnahme, die das Unternehmen auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Weitere öffentliche Erklärungen wollen Vorstand und Aufsichtsrat nicht abgeben, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Die Staatsanwaltschaft München I hatte nach einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin die Ermittlungen gegen die vier Wirecard-Vorstandsmitglieder - inklusive Konzernchef Markus Braun - eingeleitet und die Firmenzentrale im Münchner Vorort Aschheim durchsuchen lassen.

Dabei geht es um die Frage, ob der Bezahldienstleister in zwei Börsenmitteilungen vom März und April irreführende Informationen für Anleger veröffentlicht hat. In diesen zwei Mitteilungen hatte Wirecard erklärt, eine Sonderuntersuchung der Jahresabschlüsse 2016, 2017 und 2018 durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe bis dato keine Belege für Bilanzmanipulationen ergeben.

Tatsächlich hatten die KPMG-Prüfer dann in ihrem Ende April fertig gestellten Bericht aber erklärt, dass sie wesentliche Fragen mangels Unterlagen nicht aufklären konnten. Auslöser der Sonderprüfung war eine Serie von Berichten in der britischen «Financial Times», die dem Unternehmen Manipulation der Bilanzen vorwarf.

Wirecard: Vorwürfe werden sich als unbegründet erweisen 

«Die Gesellschaft ist zuversichtlich, dass sich der Sachverhalt aufklären wird und die Vorwürfe sich als unbegründet erweisen werden», heißt es in der kurzen Stellungnahme. Einfluss auf die Geschäfte werden die Ermittlungen nach Einschätzung des Wirecard-Vorstands nicht haben: Er bekräftigte das Ziel eines operativen Gewinns von 1 bis 1,12 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Wirecard steht schon länger wegen Zweifeln an seinen Geschäftspraktiken unter Druck. Das Unternehmen hatte daher im Oktober eine Sonderprüfung der Bücher für die Jahre 2016 bis 2018 durch KPMG veranlasst. Der Ende April veröffentlichte Bericht konnte nicht alle Zweifel ausräumen. Die Vorlage der testierten Zahlen für 2019 hat das Unternehmen um zwei Wochen auf den 18. Juni verschoben.

Der Dax-Konzern wickelt in Ländern, in denen das Unternehmen keine eigenen Lizenzen dafür besitzt, Transaktionsvolumina über Drittpartner ab. An der Transparenz rund um diese Erlöse hatte es in einer Artikelserie der britischen Wirtschaftszeitung «Financial Times» Kritik gegeben.