Memmingen

„Wir wollen die Angst nehmen“

Beratung Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes hat sich mit der Stadt zusammengeschlossen. Wie sie den Menschen in Memmingen und dem Unterallgäu hilft und wie die Zusammenarbeit läuft
01.03.2020 | Stand: 17:06 Uhr

Überschuldet? Geldprobleme? Einige verzweifeln daran. Andere finden einen Ausweg. Die Schuldner- und Insolvenzberatung hilft Familien oder Einzelpersonen, die finanzielle Probleme oder Schulden haben. Eine professionelle Beratung ist ein guter Anfang, die Schulden wieder in den Griff zu bekommen. Denn sind hohe Schulden erst einmal entstanden, sind sie für den Betroffenen ohne Unterstützung nur schwer wieder loszuwerden. Damit das besser gelingt, gibt es die kostenlose Schuldnerberatung der Stadt Memmingen sowie die ebenfalls kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes Memmingen-Unterallgäu mit den beiden Standorten Memmingen und Mindelheim.

Doch wie läuft ein Beratungsgespräch ab? Eine Schuldnerberatung berät alle, die mit ihren Zahlungen in Rückstand geraten sind und allein keinen Ausweg aus dieser Situation mehr finden. Die Beratungsstellen unterstützen dabei nicht nur Betroffene mit hohen Schulden, sondern helfen auch, wenn die Schulden noch gering ausfallen.

Anfangs werden die dringendsten finanziellen und rechtlichen Probleme geklärt. „Im ersten Schritt werden bei der Schuldnerberatung zunächst die aktuell aufgelaufenen Schulden zusammengetragen, und mit diesem Überblick wird gemeinsam mit dem Schuldner ein Plan für die Rückzahlung an die Gläubiger entworfen“, sagt Elisabeth Schöffel von der Caritas. Nicht immer würde es aber einen Sinn ergeben, über eine komplette Rückzahlung nachzudenken.

„In einigen Fällen kann die Privatinsolvenz(siehe Infokasten) eine bessere Lösung für den Betroffenen sein“, ergänzt Sozialpädagogin Simone Jendrosch. Zum Beispiel, wenn die Schuldensumme so hoch ist, dass sie höchstwahrscheinlich nie mehr abgetragen werden kann.

„Im vergangenen Jahr haben laut dem Verband 600 Menschen die Beratungsstellen des Caritasverbandes in Memmingen und Mindelheim aufgesucht“, sagt Jendrosch. Das sei in etwa der jährliche Durchschnitt. Bei der Städtischen Schuldnerberatung waren es im vergangenen Jahr 124 Personen. Das Ziel beider Beratungseinheiten ist es, dass die Klienten ihre Miete, Lebensmittel, Strom und Heizung weiter bezahlen können. „Das ist das Wichtigste für uns“, erklärt Schöffel.

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Bei der Schuldnerberatung Ostallgäu sorgt man sich: Es trifft die, die ohnehin am Limit sind

Schon lange kooperierten die Schuldnerberatung der Stadt Memmingen und der Caritasverband. Seit Anfang 2019 sind sie offizielle Partner. Aufgrund der Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung entstand ein Beratungsverbund des Landkreises Unterallgäu mit der Stadt Memmingen. Nun schlossen sich die Kooperationspartner, bestehend aus dem Landkreis Unterallgäu, der kreisfreien Stadt Memmingen und dem Caritasverband Memmingen-Unterallgäu zusammen.

„Unser Team im Caritasverband setzt sich aus drei Sozialpädagoginnen, zwei Bankkaufmännern, einer Verwaltungskraft und einem Steuerberater zusammen“, sagt Elisabeth Schöffel. Ergänzt werden sie von einem Fachanwalt für das Insolvenzrecht. Die Stadt Memmingen beschäftigt zwei Sozialpädagoginnen und einen Sozialpädagogen.

„Wir wollten einheitliche Beratungsstrukturen und ausreichende personelle Ausstattung für die Stadt und den Landkreis anbieten können“, sagt Schöffel „Durch das Zusammenlegen entstand jetzt eine Beratung aus einer Hand. Das ist für Ratsuchende besser“, ergänzt Simone Jendrosch.

Nun verfolgen die im Beratungsverbund kooperierenden Einrichtungen ein klares Ziel: „Das Wichtigste ist für uns, den Ratsuchenden die Angst vor der Insolvenz zu nehmen“, betont Jendrosch. Die Leute bräuchten sich nicht schämen, wenn sie die Beratungsstellen aufsuchen. Viele würden jedoch das erste Gespräch scheuen. „Wir wollen den Leuten aber klar machen, dass wir ihnen helfen können“, sagt Norbert Büchler, Sozialpädagoge der Stadt Memmingen. Neben der Beratung zur Finanzsituation gibt es daher auch psychosoziale Hilfsangebote.