Oberallgäu

Allgäuer Politikerinnen kritisieren: Corona zwingt Frauen in alte Rollenbilder

Die Corona-Krise führt dazu, dass wieder alte Rollenbilder zum Tragen kommen, kritisieren Grünen-Politikerinnen.

Die Corona-Krise führt dazu, dass wieder alte Rollenbilder zum Tragen kommen, kritisieren Grünen-Politikerinnen.

Bild: Jens Kalaene/dpa (Symbolbild)

Die Corona-Krise führt dazu, dass wieder alte Rollenbilder zum Tragen kommen, kritisieren Grünen-Politikerinnen.

Bild: Jens Kalaene/dpa (Symbolbild)

Grünen-Politikerinnen beklagen: Während „sie“ wieder allein zuhause die Kinder betreut, geht „er“ zum Arbeiten.
18.08.2020 | Stand: 06:06 Uhr

Corona hat nicht nur die Arbeits-, Reise- und Schulwelt grundlegend verändert. Die Auswirkung der Pandemie spaltet auch die Gesellschaft. „Und die Verlierer sind oftmals die Frauen“, meint Ekin Deligöz, Bundestagsabgeordnete der Grünen. In einer Diskussionsrunde im Immenstädter Kino berichteten Frauen aus verschiedenen Berufen von ihren Erfahrungen.

Frauen sind häufiger Zuverdiener oder arbeiten mehr in Teilzeit. Wenn dann die Kinder Homeschooling machen müssen oder die Kita zu ist, „dann bleibt eben die Mutter zu Hause und kümmert sich um die Kleinen, während der Mann als Hauptverdiener in die Arbeit geht“, leitet Deligöz die Gesprächsrunde der Frauen mit Abgeordneten, Kreis-, Bezirks- und Stadträten der Grünen ein. Diese „Rolle rückwärts in der Geschlechterfrage“ fänden viele Männer, „die das alte Rollenbild hochleben lassen, ganz gut“.

Vor allem alleinerziehende Frauen leiden unter der Corona-Krise

Am meisten würden unter der Krise aber alleinerziehende berufstätige Frauen leiden. „Wir kämpfen auch sonst schon ums Überleben, aber jetzt ist es einfach zu viel“, sagt Angelika Hauser. Alleinerziehende Mütter, die, wie sie, einem Beruf nachgingen, „fühlen sich völlig alleingelassen“. Weil sie als selbstständige Ayurveda-Therapeutin kaum Materialkosten habe, bringe ihr auch die Coronahilfe nicht viel. Da sie vor allem mit Hotels zusammenarbeite – „die natürlich beim Lockdown geschlossen waren“ – hatte sie monatelang keine Einkünfte. „Eigentlich müsste ich jetzt Arbeitslosengeld beantragen.“

Auch sonst hätten in vielen Bereichen Frauen die Corona-Hauptlast zu tragen. „Unsere Senioren waren geschockt, als sie keinen Besuch mehr empfangen durften“, erzählt Altenpflegerin Irene Nikodem. Weil dann noch Zusatzangebote wegfielen, habe es für die Betreuerinnen keine Entlastung mehr gegeben. „Da hätte ich mehr Zeit für die Senioren gebraucht, die ich aber nicht habe, weil wir viel zu wenig Leute sind“, sagt Nikodem. Die Folge: Alle hätten noch mehr gearbeitet und mussten im Krankheitsfall der Kollegen zudem ständig einspringen. „Da haben wir oft an der Grenze geschuftet.“ Ein Gutes habe die Krise aber auch: „Unser Team ist noch mehr zusammengewachsen.“

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Deligöz und Landtagsabgeordneter Thomas Gehring hoffen, dass Corona und der Pflegenotstand das Gesundheitssystem verändern. Besser als das Gießkannensystem der abgesenkten Mehrwertsteuer hätte die Bundestagsabgeordnete gezielte Hilfen für diejenigen gefunden, die am meisten unter der Corona-Krise leiden.