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Im Allgäu werden 2022 mehr Geflüchtete erwartet - Kreise und Städte suchen Unterkünfte

Allgäuer Landkreise und Städte suchen nach Unterkünften für Asylbewerber. Sie rechnen, dass 2022 wieder mehr Geflüchtete in der Region ankommen.

Allgäuer Landkreise und Städte suchen nach Unterkünften für Asylbewerber. Sie rechnen, dass 2022 wieder mehr Geflüchtete in der Region ankommen.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Allgäuer Landkreise und Städte suchen nach Unterkünften für Asylbewerber. Sie rechnen, dass 2022 wieder mehr Geflüchtete in der Region ankommen.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Allgäuer Kreise und Kommunen rechnen für 2022 mit mehr Geflüchteten. Wie viele Menschen zugewiesen werden, ist derzeit unklar. Warum Corona die Lage verschärft.
07.01.2022 | Stand: 08:36 Uhr

Es kommen wieder mehr Asylbewerber ins Allgäu – vor allem aus Syrien, aber seit der Machtübernahme durch die Taliban auch aus Afghanistan. Der Wohnraum für Geflüchtete in der Region ist allerdings knapp. „Wir versuchen, neue Unterkünfte anzumieten – es gibt jedoch kaum Angebote“, sagt beispielsweise eine Sprecherin des Landkreises Unterallgäu.

Wohnraum für Geflüchtete im Allgäu: So ist die Lage im Oberallgäu

Ähnlich stellt sich die Situation im Landkreis Ostallgäu dar: „Die vorhandenen Unterkünfte reichen nicht mehr aus, um die Menschen während ihres Asylverfahrens unterzubringen“, sagt Sprecher Stefan Leonhart. „Gerade in der derzeitigen Lage wäre es wichtig, größere staatliche Einrichtungen zur Erstaufnahme zu haben“, ergänzt Ralf Kinkel, Abteilungsleiter am Landratsamt Ostallgäu.

Helfen würden auch schnellere Asylverfahren. Kinkels Wunsch: „Die Zuweisungen müssen für uns mit einem gewissen Vorlauf erfolgen. Da neue Unterkünfte geschaffen werden müssen, benötigen wir dringend mehr Flexibilität und Eigenverantwortung bei den Entscheidungen.“

Landkreis Lindau setzt auf dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern

Auf eine dezentrale Unterbringung in Wohneinheiten mit fünf bis zehn Personen setzt auch der Landkreis Lindau. Landrat Elmar Stegmann habe alle Bürgermeister zur Mithilfe aufgerufen. Das Ziel: „In allen Gemeinden sollen entsprechend ihrer Größe Flüchtlinge untergebracht werden.“

2021 kamen 137 Menschen in die dezentralen Unterkünfte des Landkreises Lindau und 39 in die beiden Gemeinschaftsunterkünfte. Zum Vergleich: 2015 kamen 627 Menschen in die dezentralen Unterkünfte und 37 in die Gemeinschaftsunterkünfte. Auch in der kreisfreien Stadt Memmingen sank die Zahl der Asylbewerber. Waren es 510 Menschen im Jahr 2015, kamen 91 im Jahr 2020. Sie leben in zwei staatlichen Gemeinschafts- und 14 städtischen Unterkünften. (Lesen Sie auch: Für Führerschein, Jobsuche oder Alltag: „MiA“ macht Frauen in Memmingen Mut)

Suche nach bezahlbarem Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge im Allgäu

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Neben der Unterbringung der aktuell ankommenden Geflüchteten sind die Kreise und kreisfreien Städte auch auf der Suche nach Wohnraum für Menschen, die bereits als Flüchtlinge anerkannt sind. „Da es auf dem Wohnungsmarkt für diese Menschen schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden, leben viele noch als sogenannte Fehlbeleger in den Unterkünften“, sagt die Lindauer Kreis-Sprecherin Angela Wolf. Konkrete Zahlen dazu nennt der Landkreis Oberallgäu: In dessen Asyl-Unterkünften leben weiterhin etwa 280 Menschen, die eigentlich ausziehen dürften.

Sorgen bereitet den Kreisen auch die schlechte Planbarkeit. „Wir wissen aktuell nicht, wie viele Personen uns noch zugewiesen werden. Jedoch gehen wir davon aus, dass die Zahl steigen wird“, sagt Eva Büchele vom Landkreis Unterallgäu. Als Lösungsansätze nennt Lindaus Landrat Elmar Stegmann „gemeinsame Unterbringungskonzepte, eine für alle Landkreise gerechte und transparente Verteilung der Flüchtlinge sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“. (Lesen Sie auch: Abgeschobener Fußballer darf auf Rückkehr nach Memmingen hoffen)

Deshalb geht die Voll-Belegung der Asyl-Unterkünfte geht nicht immer

Laut der Oberallgäuer Landratsamtssprecherin Franziska Springer wurden dem Landkreis 2021 insgesamt 275 Geflüchtete zugewiesen – und damit etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits im September machte sich der Landkreis auf die Suche nach neuen Asyl-Unterkünften.

Denn aktuell enden viele der 2015 und 2016 geschlossenen Mietverträge. Wenn diese Unterkünfte geschlossen werden, verfügt der Landkreis noch über etwa 1000 Plätze in 30 Einrichtungen. Weil nicht jede Wohnung voll besetzt werden kann – etwa weil eine Familie statt der vorhandenen vier Plätze nur drei benötigt – stünden nur etwa 100 Plätze zur Verfügung. „Außerdem müssen wir für etwaige Quarantänen Ausweichquartiere freihalten“, ergänzt mit Blick auf Corona das Landratsamt Lindau. Dort gebe es noch freie Kapazitäten im zweistelligen Bereich.

Auf aktuelle Verhandlungen mit mehreren Vermietern im Oberallgäu verweist das dortige Landratsamt. Bisher konnten aber lediglich Unterkünfte mit 16 Plätzen angemietet werden. Der Landkreis geht davon aus, dass 2022 mindestens 150 bis 200 weitere Plätze gefunden werden müssen, um mit den Neuzuweisungen Schritt zu halten. Besonders geeignet seien ehemalige Beherbergungs- oder Pflegeeinrichtungen. Denn diese entsprechen im Raumprogramm gut den Anforderungen. (Lesen Sie auch: Nur noch rund 3500 Migranten auf griechischen Flüchtlingsinseln)

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