Oberstaufen/Melsungen

Bereit für den großen Wurf

Handball Mit dem Wechsel zum MT Melsungen beginnt ein neues Kapitel für den Oberstaufener Stefan Salger. Beim ambitionierten Klub trifft er auf hochkarätige Mitspieler

08.06.2020 | Stand: 14:38 Uhr

Klassenerhalts-Wunder, Wechsel – Stefan Salger hat bewegte Monate hinter sich. Der Handball-Profi aus Oberstaufen ist nach Stationen beim TVB Stuttgart und den Eulen Ludwigshafen beim MT Melsungen gelandet. Es ist ein Neubeginn für Salger, der inklusive Verletzungen ein schwieriges Jahr in Ludwigshafen mit einem unfassbaren Ende erlebt hat. Mit den Eulen sicherte sich Salger, der vergangene Woche seinen 23. Geburtstag feierte, in allerletzter Sekunde den Klassenerhalt in der abgelaufenen Bundesliga-Saison.

Vier Spieltage vor Saisonende war der Abstand auf den rettenden Platz 16 auf sechs Punkte angewachsen, der Abstieg schien besiegelt. Dann holten die Eulen sieben Punkte aus den letzten vier Spielen, unter anderem gelang ein 29:26-Sieg bei den Rhein Neckar Löwen. Die Konkurrenten Bietigheim und Gummersbach lieferten im direkten Duell das notwendige Unentschieden, Salger und seinen Teamkollegen gelang ein 31:30-Sieg gegen Minden – das Wunder war geschafft. „Das war völlig irre und verrückt. Es fällt mir jetzt noch schwer, das mit Worten zu beschreiben“, sagt Salger. „Für mich war es wichtig, mich mit dem Klassenerhalt zu verabschieden. Es war ein versöhnlicher Abschluss.“

Aber das liegt inzwischen hinter dem 23-Jährigen, in dessen Statistik 61 Bundesliga-Spiele (138 Tore) stehen. Sein Abschied aus Ludwigshafen wurde bereits Ende Dezember 2018 kommuniziert, der Wechsel in die 14 000-Einwohner-Stadt Melsungen nahe Kassel wurde im Februar bekannt gegeben. „Nachdem ich die Zusage für Melsungen gegeben habe, kamen noch einige neue Spieler“, sagt Salger und fügt hinzu: „Ich muss mich aber nicht verstecken und freue mich auf die Herausforderung. Da wir auch europäisch spielen, wird jeder auf seine Einsatzzeit kommen.“

Bevor Salger jedoch mit dem MT Melsungen im Europapokal startet, steht zunächst der erste Spieltag in der Handball-Bundesliga an. Und dabei wartet auf den Oberallgäuer und seine Teamkollegen ein richtiger Kracher. Der amtierende Meister SG Flensburg-Handewitt gastiert am kommenden Sonntag (16 Uhr) bei den Hessen. Die Generalprobe für den Liga-Auftakt ist geglückt. Melsungen gewann am vergangenen Wochenende beide Partien im Pokal-Turnier gegen Rimpar und Bietigheim und steht im Achtelfinale. „Es ist eine tolle Sache, zum Auftakt gegen Flensburg zu spielen“, meint Salger, der die Rückennummer 55 trägt. „Wir wollen zeigen, was wir draufhaben.“

Seine Anfangszeit bei den Hessen sieht Salger positiv. „Es ist eine tolle Truppe, ich fühle mich pudelwohl. Es war aber die anstrengendste Vorbereitung, die ich bisher erlebt habe“, sagt der Handballer. Von seinen Mannschaftskollegen, zu denen auch die Nationalspieler Kai Häfner, Finn Lemke, Julius Kühn und Tobias Reichmann gehören, sei er gut aufgenommen worden. Mit Lemke teilte sich der 23-Jährige ein Zimmer während des Trainingslagers. „Ich profitiere extrem von den erfahrenen Spielern im Kader“, berichtet Salger. „Gerade wenn ich an Finn Lemke und Felix Danner denke – ich kann sie jederzeit fragen, wo es Verbesserungsbedarf gibt.“ Für Salger heißt es: Lernen und weiterentwickeln, um viele Einsätze bei den ambitionierten Hessen zu bekommen.

Salger spielt im rechten Rückraum, ebenso wie Kai Häfner (78 Länderspiele, 165 Tore). „Ich bin der Herausforderer, sehe Kai aber nicht als Rivalen. Er ist ein Weltklasse-Spieler, von dem ich mir viel abschaue“, meint Salger. „Ich bin mir bewusst, dass ich mir meine Einsatzzeiten erkämpfen muss.“