Hersteller muss zahlen

Bindung bricht bei voller Fahrt: Skifahrer erhält nach Horror-Sturz in Lermoos dieses Schmerzensgeld

Schwer gestürzt - ähnlich wie auf unserem Symbolfoto - ist ein Skifahrer vor vier Jahren in Lermoos (Österreich). Nun erhält der Mann aus der Allgäuer Nachbarregion Außerfern ein staatliches Schmerzensgeld.

Schwer gestürzt - ähnlich wie auf unserem Symbolfoto - ist ein Skifahrer vor vier Jahren in Lermoos (Österreich). Nun erhält der Mann aus der Allgäuer Nachbarregion Außerfern ein staatliches Schmerzensgeld.

Bild: picture alliance / Angelika Warmuth/dpa

Schwer gestürzt - ähnlich wie auf unserem Symbolfoto - ist ein Skifahrer vor vier Jahren in Lermoos (Österreich). Nun erhält der Mann aus der Allgäuer Nachbarregion Außerfern ein staatliches Schmerzensgeld.

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Es ist der Alptraum für Skifahrer: die Bindung bricht bei voller Fahrt. Nach einem schweren Sturz verklagte ein 39-Jähriger den Hersteller - und bekam Recht.
09.10.2020 | Stand: 13:01 Uhr

Er gilt als erfahrener und ambitionierter Skifahrer. Dennoch stürzte im Winter 2016 ein damals 39-jähriger Skifahrer aus dem Außerfern bei einer Talfahrt im Lermooser Skigebiet Grubigstein schwer. Er zog sich unter anderem einen mehrfachen Bruch des Schambeinastes zu.

Die Gründe für den Sturz blieben ihm zunächst unerklärlich. Doch bei genauer Betrachtung des Materials zeigte sich, dass die Grundplatte der Skibindung einen Riss aufwies, der schließlich zu einem Bruch führte - und die Bindung bei voller Fahrt öffnete.

Erleichterung nach zweijährigem Verfahren

Der Mann hatte das neuwertige Material eines namhaften internationalen Herstellers in einem Fachgeschäft erworben und regelmäßig gewartet. Seine Schlussfolgerung: Es handelt sich eindeutig um einen Materialfehler. Mit Rechtsanwältin Martina Jäger von der Kanzlei Christian Pichler in Reutte zog er vor Gericht. Es folgte ein zweijähriges Verfahren, in dem es um die Frage der Produkthaftung ging.

Das mit Spannung erwartete Urteil am Bezirksgericht Innsbruck fiel nun zugunsten des verunglückten Skifahrers aus. Er erhält ein Schmerzensgeld von 16.000 Euro. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein Produktfehler vorlag. Weitaus kniffliger war nun die Frage, ob der Hersteller diesen Fehler hätte erkennen können.

Das Modell der Bindung verfügte über ein TÜV-Zertifikat und die Produkte der Firma würden laut einem Sachverständigen stichprobenartig geprüft. Die Firma argumentierte, dass sie angesichts dieser Maßnahmen alles zur Sicherung getan habe. Dass das Produkt dennoch einen Fehler aufwies, sei für das Unternehmen nicht erkennbar gewesen, also sei es dafür nicht haftbar zu machen.

Gericht: Entlastender Beweis für den Hersteller fehlt

Das Gericht folgte dieser Einschätzung letztlich nicht. Ihm fehlte der entlastende Beweis, dass der Fehler für die Firma tatsächlich nicht erkennbar gewesen war. Vereinfacht gesagt: Es konnte nicht bewiesen werden, dass genau jene Bindung, die später brach, ausreichend überprüft worden war.

Dem Skifahrer wurden die 16.000 Euro Schmerzensgeld zuerkannt. Unterm Strich bewertete er dies als "erfreuliches Ergebnis" nach dem schweren Sturz und einer zweijährigen Prozessdauer, wie Rechtsanwältin Jäger auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Es dürfte auch in Deutschland zur Kenntnis genommen werden. Die Rechtssprechung erfolgte zwar nach nationalem österreichischen Recht. Die Produkthaftung in den EU-Staaten basiert indes auf europaweiten Richtlinien.

Wie sich Allgäuer Liftbetriebe in Corona-Zeiten auf den Winter vorbereiten, lesen Sie hier.