Jubiläum Feuerwehr Buchloe

150 Jahre Feuerwehr Buchloe - aber eine Feier findet nicht statt

Feuerwehr Buchloe

Die Freiwillige Feuerwehr Buchloe damals und heute: Die ganze Mannschaft versammelt vor dem modernen Gerätehaus mit genügend Platz für den Fuhrpark.

Bild: Feuerwehr Buchloe

Die Freiwillige Feuerwehr Buchloe damals und heute: Die ganze Mannschaft versammelt vor dem modernen Gerätehaus mit genügend Platz für den Fuhrpark.

Bild: Feuerwehr Buchloe

Die Feuerwehr Buchloe wird heuer 150 Jahre alt. Doch aufgrund der Corona-Pandemie fällt die große Feier bis auf einen nicht-öffentlichen Festakt aus.
01.06.2021 | Stand: 20:02 Uhr

Das Feuer auf 1400 Meter Höhe war weithin sichtbar, als 1947 im Karwendelgebirge 125 Hektar Wald in Flammen standen, die auch Mittenwald bedrohten. Um Deutschlands höchstgelegenen Luftkurort zu schützen, wurden zahlreiche Feuerwehren alarmiert – darunter auch die schon damals als Stützpunktfeuerwehr eingestufte Buchloer. Und die zeigten bei der Gelegenheit Bergfestigkeit: „Es war sehr beschwerlich, die Gerätschaften per Hand auf den Berg zu transportieren. Teilweise wurden Maulesel eingesetzt“, heißt in der druckfrischen Chronik der Wehr darüber.

Und deren diesjähriges Erscheinen kommt nicht von ungefähr, erzählt Herbert Mayer, Vorsitzender des Feuerwehrvereins Buchloe. Denn die Freiwillige Feuerwehr Buchloe feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen.

Kleinere Aktionen im Stadtgebiet

Allerdings werden die meisten geplanten Aktivitäten coronabedingt ausfallen: Der viertägige Bierzeltbetrieb mit Programm, die Fahrzeugschau oder der Tag der Offenen Tür sind schon abgesagt. „Aber uns ist trotzdem wichtig, dass die Bevölkerung weiß, dass wir dieses Jahr unser 150. Gründungsjubiläum feiern“, betont Mayer.

Deshalb werde auf jeden Fall ein Festakt am 16. Oktober mit geladenen Gästen stattfinden – aber vor allem auch kleinere Aktionen für die Bürger der Stadt: „Wenn etwas geht, werden wir uns an der Bahnhofstraße mit unseren Fahrzeugen zeigen“, erklärt Mayer. Denn die 150 Jahre der Feuerwehr sind auch eine Geschichte der Bürger der Stadt, da die Wehr aus Freiwilligen bestand und noch immer besteht, betont Kommandant Thomas Ogiermann.

Über 5400 Einsätze in 150 Jahren

Am 24. Juni 1871 gründeten einige Bürger die Wehr im damaligen Rathaus in der Augsburger Straße – schon ein halbes Jahr später hatte die Einrichtung 60 aktive und ebenso viele passive Mitglieder – allesamt Bürger der Stadt. Hintergrund war ein Drama 1849, als bei einem Großfeuer vier Höfe in der Stadt niederbrannten.

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Den ersten Einsatz hatten die Männer der neuen Institution jedoch erst am 8. April 1872, als sie bei starkem Wind einen Brand in Weinhausen löschten. Im Laufe der Zeit folgten 5410 Einsätze in der Stadt, den umliegenden Ortschaften und der Region. Darunter waren ein Erdrutsch in Immenstadt, ein Leck an einem Tankwagen im Buchloer Bahnhof oder 1966 der Absturz einer Militärmaschine bei Dillishausen. Zudem war die Wehr bei diversen Großbränden, Hochwasser oder 1990 bei einem Bahnunglück gefordert, als ein Zug einen Sattelschlepper in zwei Teile gerissen hatte.

Segnung eines Fahrzeugs der Feuerwehr Buchloe 1966.
Segnung eines Fahrzeugs der Feuerwehr Buchloe 1966.
Bild: Feuerwehr Buchloe

Die ganz derben Unfälle seien mit der Zeit aufgrund der gestiegenen Sicherheitsanforderungen an Fahrzeugen oder Anlagen zurückgegangen. „Früher waren die Unfälle zum Teil drastischer, da es bei Autos weniger Sicherheitszonen gab“, erzählt Mayer. Dennoch haben die Feuerwehrleute auch heute noch an den Bildern zu arbeiten, die sich ihnen bei ihren Einsätzen zeigen: „Da ist dann das Gespräch mit Kollegen nach den Einsätzen wichtig“, sagt Ogiermann. Inzwischen gibt es auch Hilfe für die Einsatzkräfte durch eine Psychosoziale Notfallversorgung. „Früher haben wir eher danach auf ein paar Bier zusammengesessen“, klärt Mayer über die vormalige Krisenbewältigungsstrategie auf. „Gott sei dank, hatten wir zuletzt keine ganz großen Einsätze“, sagt Ogiermann. Das sei natürlich auch Corona geschuldet: Weniger Verkehr bedeutet weniger Unfälle, und wenn die Leute mehr zuhause sind, passieren dort weniger Unglücke, erläutert der Kommandant.

Auch für Schlangen gewappnet

Die Feuerwehr wurde im Laufe der Jahrzehnte immer besser ausgerüstet – das lag auch an der Vielfalt der Einsätze. Inzwischen ist die Wehr im 2013 gebauten Gerätehaus im Osten der Stadt untergebracht. Über das erhebt sich der bunte Turm, der früher als Milchtüte verschmäht wurde, mittlerweile fast zu einem Wahrzeichen geworden ist.

An dem Standort sind die zehn Fahrzeuge der Wehr sowie diverse Gerätschaften untergebracht, darunter auch etliche Rollwagen mit speziellen Vorrichtungen, um bei Kellerflutungen, Chemieunfällen oder gar ausgebrochenen Schlangen gewappnet zu sein, erläutert Mayer. Als Stützpunktfeuerwehr machen die Buchloer auch Sonderaufgaben wie technische Hilfsleistungen und haben dafür eine Drehleiter, große Tankwagen oder Mittel für Gefahrengutunfälle. Ganz neu ist ein Erdungssatz aufgrund der Elektrifizierung der Bahn.

Übüng der Feuerwehr Buchloe 1961.
Übüng der Feuerwehr Buchloe 1961.
Bild: Feuerwehr Buchloe

Mayer betont deshalb, dass das Gerätehaus keineswegs zu groß dimensioniert sei: „Wir können dort bei Evakuierungen Leute verköstigen oder kurzfristig unterbringen“. Zudem werden in den großen Hallen auch sperrige Fahrzeuge gewartet oder die Schutzanzüge gereinigt. Um die 126 aktiven – dazu kommen rund 360 passive – Mitglieder in Form zu halten, gibt es auch einen Fitnessraum. Denn die Aktiven müssen 365 Tage parat stehen.

Jeder Einsatz birgt Gefahren

„Und es gibt fast keinen Einsatz ohne Verletzungsrisiko“, versichert Mayer, der sein Handwerk bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg ausgeübt hat. Da müsse nicht der Wald in den Bergen brennen, es reiche schon der scheinbar harmlose Einsatz, um eine Katze vom Baum zu holen: Ein Kollege sei durch ein panisches Tier nämlich eine Wunde zugefügt worden, die sich dann infizierte. Das Beispiel zeige auch den Wandel der Wehr in 150 Jahren, meint Mayer: „Früher waren wir die Brandbekämpfung, jetzt sind wir Mädchen für alles“.