Vor Gericht

Im Alkohol- und Drogennebel

Eingestellt wurde das Verfahren gegen einen 41-Jährigen am Kaufbeurer Schöffengericht.

Eingestellt wurde das Verfahren gegen einen 41-Jährigen am Kaufbeurer Schöffengericht.

Bild: Stock.adobe.com

Eingestellt wurde das Verfahren gegen einen 41-Jährigen am Kaufbeurer Schöffengericht.

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Suchtkranker Mann (41) kann sich an Straftaten nicht erinnern. Warum das Verfahren eingestellt wurde
15.09.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Dass sich ein 41-jähriger Mann aus Baden-Württemberg und seine Partnerin im Jahr 2019 im Ost- und Oberallgäu aufgehalten hatten und hier wegen diverser Diebstähle ins Visier der Polizei geraten waren, stand jetzt im Strafprozess gegen den Mann vor dem Kaufbeurer Schöffengericht fest. Schwierig gestaltete sich allerdings die Klärung der Frage, wer damals welche Tat begangen hatte.

Der Angeklagte konnte sich nach eigenen Angaben an fast gar nichts mehr erinnern. Sein Verteidiger sah die Ursache dafür in einer Suchterkrankung und sprach von einem „fatalen Mix“ aus Alkohol, Drogen und Medikamenten. Die mutmaßliche Komplizin, deren eigenes Verfahren im Hinblick auf eine andere Verurteilung eingestellt wurde, wäre theoretisch als Zeugin in Betracht gekommen. Sie ist aber mit dem Angeklagten verlobt und hätte deshalb ein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt.

Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Denn der vielfach vorbestrafte Angeklagte verbüßt derzeit eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten wegen Betäubungsmitteldelikten und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Eine Verurteilung in den jetzt noch verbleibenden Anklagepunkten wäre nach Überzeugung aller Verfahrensbeteiligten beim Strafmaß nicht mehr entscheidend ins Gewicht gefallen.

Wie eine Schnitzeljagd

Aus der Zeugenaussage eines Polizeibeamten ging hervor, dass der Angeklagte und seine Partnerin im vergangenen Jahr immer wieder wegen Diebstahlverdachts aufgefallen waren. So war beispielsweise in einem Ostallgäuer Gasthof, in dem sich der Mann eingemietet hatte, ein Zentralschlüssel verschwunden. Anschließend fehlten aus einem der Zimmer rund 2000 Dollar Bargeld.

Der Anhänger des Zentralschlüssels wurde später bei einer Polizeikontrolle in einem Briefkuvert entdeckt, das sich im Auto der Partnerin des Angeklagten befand; der 41-Jährige hatte den Pkw gefahren, obwohl er stark alkoholisiert und ohne Führerschein war. Die Blutprobe ergab einen Wert von 2,18 Promille.

Zudem war ein im Ostallgäu entwendetes E-Bike im Wert vom 4000 Euro bei Ermittlungen der Immenstädter Polizei wieder aufgetaucht. Angesichts der vielen Tatorte und Quer-Verbindungen sagte der Ermittler: „Das war wie eine Schnitzeljagd.“