Landsbearg

Römische Münzen und Piratensilber

Viereckschanze

Viereckschanze

Bild: Bernd Steidl

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Bild: Bernd Steidl

Kulturbeirat Denkmalpfleger berichten über Funde im Raum Landsberg. Zum Beispiel über eine Wallanlage bei Leeder. Dort soll ein Bauernhof aus spätkeltischer Zeit wieder sichtbar werden
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Von Gerald Modlinger
27.10.2019 | Stand: 14:19 Uhr

Mit einigen für Geschichtsinteressierte spannenden Neuigkeiten konnten die Kreisheimatpfleger in der Sitzung des Kulturbeirats des Kreistags aufwarten. Dass auch die Beschäftigung mit Altbekanntem neue Erkenntnisse erbringen kann, machte insbesondere der Bericht des Bodendenkmalpflegers Dr. Bernd Steidl deutlich.

So wusste man schon seit vielen Jahrzehnten vom Fund vonWaffen aus der Zeit der Merowinger des 7. Jahrhunderts in einer Kiesgrube westlich von Rott. Dazu gibt es auch die Nachricht, dass 1831 in einer Kiesgrube an der Chaussee von Landsberg nach Weilheim im Bereich von Rott zwei Waffen aus dem frühen Mittelalter entdeckt wurden. Als er sich nun auf dem im Bayernatlas im Internet veröffentlichten Urkataster umsah, machte Steidl zu einem altbekannten Thema eine neue Entdeckung: Es handelt sich nicht nur um eine Kiesgrube, sondern um zwei Fundorte. Es habe also zwei Gräberfelder in Rott gegeben und damit zwei Siedlungskerne, von denen nur einer als heutiges Dorf erhalten geblieben sei.

Ein anderes Beispiel ist dieRömerstraße, die von Trient über Innsbruck, Partenkirchen und am Ammersee-Westufer entlang nach Augsburg geführt hat. Diese Straße folgte relativ genau der Trasse der heutigen Kreisstraße von Eresing nach Geltendorf. Allerdings wurden jetzt bei den Erschließungsarbeiten für die Erweiterung des Eresinger Gewerbegebiets Reste eines Grabens und Kiesspuren gefunden, die in Richtung Nordwesten abknicken. Steidl schaute wieder auf das Online-Urkataster: Und das bestätigte, dass der Weg im Eresinger Norden noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts genau so wie zur Zeit der Römer verlief. Im Bereich eines Zulaufgrabens zum Emminger Weiher seien jüngst32 römische Münzen aus dem 3. bis 5. Jahrhundertgefunden worden. Steidl sprach von einer „ganz ungewöhnlichen Serie“.

Weitere Funde meldete ein Sondengänger aus dem Raum Denklingen: unter anderem Knöpfe und Münzen, Gewandspangen und ein Gelenkglied von einem Beschlag von Pferdegeschirr aus römischer Zeit und sogenanntes Piratengeld. Dieses sei um 1600 aus mexikanischem Silber geprägt und eigentlich zur Weiterverarbeitung nach Europa gebracht worden. Der Fund weiterer Münzen aus dem 17. Jahrhundert und eines Schröpfkopfs weise zudem auf einSoldatenlager während des Dreißigjährigen Kriegeshin. Ein „schafförmiges Etwas mit einer Öse“ belege, dass einst ein Ritter vom Orden des Goldenen Vlieses auf der Denklinger Flur ein Stück seiner Ordenskette verlor.

Intensiver beschäftigte sich Steidl auch mit einerWallanlageauf der Flur von Leeder, die in spätkeltischer Zeit einen Bauernhof eingehegt hatte. Inzwischen sei es gelungen, das innere Areal bis zu den Wallkronen durch den Landkreis anzupachten. Ziel sei, die dort vor einigen Jahren gepflanzte Fichtenkultur zu roden, um das Bodendenkmal wieder sichtbarer zu machen und daraus einen außerschulischen Lernort wie in Haltenberg oder in der Steinzeitsiedlung in Pestenacker zu machen. Zum Ausbau der dortigen Unesco-Welterbestätte und zur Erneuerung der Ausstellung in Pestenacker hoffe er nun, dass der gestellte Antrag auf Förderung durch das EU-Förderprogramm „Leader“ befürwortet wird. Einen Projektbeschluss zum Ausbau der Welterbestätte hatte der Kreisausschuss im Juli gefasst.

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