Wohnraum schaffen

Sorgt ein neues Baugebiet für Lebensgefahr?

Bedenken: Gegen das Baugebiet „Hinterberg“ in Denklingen regt sich Widerstand. Die Anwohner René Roth (links) und Johann Lehner erklären, worum es ihnen und ihren Mitstreitern geht.

Bedenken: Gegen das Baugebiet „Hinterberg“ in Denklingen regt sich Widerstand. Die Anwohner René Roth (links) und Johann Lehner erklären, worum es ihnen und ihren Mitstreitern geht.

Bild: Thorsten Jordan

Bedenken: Gegen das Baugebiet „Hinterberg“ in Denklingen regt sich Widerstand. Die Anwohner René Roth (links) und Johann Lehner erklären, worum es ihnen und ihren Mitstreitern geht.

Bild: Thorsten Jordan

Anwohner in Denklingen sehen das geplante Wohngebiet „Hinterberg“ in Denklingen kritisch,das an einem Hang errichtet werden soll. Sie haben mehrere Kritikpunkte. Was die Gemeinde zu den Sorgen sagt

Bedenken: Gegen das Baugebiet „Hinterberg“ in Denklingen regt sich Widerstand. Die Anwohner René Roth (links) und Johann Lehner erklären, worum es ihnen und ihren Mitstreitern geht.
Von Christian Mühlhause
09.09.2020 | Stand: 16:00 Uhr

Das geplante Baugebiet „Hinterberg“ in Denklingen – dort sollen 14 Bauplätze entstehen – bereitet einigen Anwohnern im angrenzenden Bereich rund um die Menhofer Straße aus mehreren Gründen Sorge. Sie haben sich zusammengetan, um das Vorhaben zu stoppen oder zumindest Änderungen zu erreichen.

Dazu gehört auch der 67-jährige Johann Lehner. Er und seine Mitstreiter fürchten unter anderem, dass der Hang auf der Seite des Höhenwegs – der östlichen Begrenzung des künftigen Neubaugebiets – ins Rutschen kommen könnte. „Am Höhenweg war früher eine Kiesgrube. Wenn der zehn Meter hohe Hang sich löst, besteht für die Anwohner auf dem Grundstück unterhalb Lebensgefahr.“ Noch halte die dortige Vegetation den Hang, die werde aber durch die Belastung mit Salz – das im Winter gestreut werden muss – und das zusätzliche Oberflächenwasser, das durch die Bebauung neue Wege finden müsse, bald verschwinden, fürchten die Kritiker.

Der Statiker freut sich

Sie verweisen zudem auf ein geotechnisches Gutachten, das die Gemeinde ins Internet gestellt hat, aus dem sie ableiten, dass der Boden instabil sei. Darin heißt es: „Allgemein ist auf die große Wechselhaftigkeit und häufig enge Wechselfolge der unterschiedlich kornabgestuften Böden hinzuweisen.“ Zudem ist von Auffüllungen mit Ziegeln und Kohleresten die Rede. Denklingens Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann widerspricht der Vermutung der Anwohner auf Nachfrage unserer Zeitung. Es gebe zwar an einigen Stellen im oberen Bereich des Baugebiets unterschiedliche Schichten, diese hätten aber auf die Stabilität des Untergrunds keine Auswirkungen.

Hinzu komme, dass diese beim Straßenbau beziehungsweise Hausbau ohnehin entfernt würden, weil sich die Materialien in den oberen Erdschichten befänden. „Der darunter befindliche Kies hat die für Denklingen übliche Tragfähigkeit, über die sich jeder Statiker freut“, so Hartmann. Auch habe die Gemeinde den Straßen-, Kanal- und Wasserleitungsplanern das Bodengutachten vorgelegt. Es habe keine Bedenken gegeben.

Johann Lehner selbst lebt nicht im Höhenweg, sondern in der Menhofer Straße. Für ihn hat vor allem das erarbeitete Verkehrskonzept Auswirkungen. Direkt hinter seinem Grundstück führt ein Feldweg hinauf, der zur Zufahrtsstraße für das künftige Baugebiet oberhalb ausgebaut werden soll. „Ich bezweifle, dass die Feuerwehr und Müllabfuhr überhaupt um die Kurve kommen. Der Radius ist meines Erachtens zu klein.“ Vorgesehen ist an der Stelle eine Straßenbreite von 3,50 Metern. So viel öffentlicher Grund steht zur Verfügung. Ein Mitglied des Gemeinderats habe sich die Situation auch vor Ort angesehen und danach im Gremium – wie ein weiteres Mitglied auch – gegen die Verkehrsplanung gestimmt, so Lehner.

Beengte Straßenverhältnisse

Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann sagt dazu: „Aufgrund der sehr beengten Verhältnisse wurde vom Planungsbüro eine 3,5 Meter breite Zufahrt entwickelt, die das Befahren für dreiachsige Fahrzeuge wie Müllabfuhr und Feuerwehr ermöglicht. Größere Fahrzeuge sind bei uns nicht stationiert.“

Auf Kritik stößt bei den Anwohnern auch die angedachte Einbahnstraßenlösung. Bei Lehners Grundstück sollen die Fahrzeuge ins Neubaugebiet fahren. Dafür wird der dortige Feldweg hergerichtet. Hinaus geht es aus dem Wohngebiet über den Höhenweg und die Menhofer Straße. Letztere sei eng und die Hauptzufahrt für die gesamte Landwirtschaft rund um den Weiler Menhofen, der südöstlich liegt, verweist Lehner. Er macht sich deshalb dafür stark, den Verkehr über Am Vogelherd und die Frühlingsstraße aus dem künftigen Neubaugebiet herauszuführen. So würde die aus seiner Sicht besonders kritische Engstelle des Höhenwegs – der Abschnitt zwischen Am Vogelherd und Menhofer Straße – vermieden.

Bei der Gemeinde sieht man dazu keinen Grund. „Die Ableitung in die Menhofer Straße ist auch nicht enger als die in die Frühlingstraße. Letztere ist sogar länger und belastet andere Anlieger“, sagt Hartmann. Lehner und die anderen Anwohner in dem Bereich befürchten zudem eine deutliche Zunahme des Verkehrs. Bereits jetzt seien es zeitweise 50 Fahrzeuge in der Stunde – darunter viele landwirtschaftliche Fahrzeuge, und wegen der Platzverhältnisse werde der Verkehr massiv zunehmen, glaubt Lehner. „Für einen Geh- und Radweg ist kein Platz. Dass die Familien zum Fahrrad greifen, um Wege zu erledigen, glauben wir nicht, dafür ist der Weg nach oben zudem zu steil.“ Johann Lehner rechnet mit bis zu 120 zusätzlichen Fahrten pro Tag. In seiner Kalkulation geht er von 40 Autos mit fast drei Fahrten pro Tag aus.