Fliegerhorst Kaufbeuren

CIA bildete Agenten im Kaufbeurer Fliegerhorst aus - eine Mission sorgte für Aufsehen

Im Kaufbeurer Fliegerhorst bildete die CIA nach dem Zweiten Weltkrieg Agenten aus. Unser Foto zeigt das Hauptgebäude des Fliegerhorstes um 1945/46.

Im Kaufbeurer Fliegerhorst bildete die CIA nach dem Zweiten Weltkrieg Agenten aus. Unser Foto zeigt das Hauptgebäude des Fliegerhorstes um 1945/46.

Bild: Archiv Tietje

Im Kaufbeurer Fliegerhorst bildete die CIA nach dem Zweiten Weltkrieg Agenten aus. Unser Foto zeigt das Hauptgebäude des Fliegerhorstes um 1945/46.

Bild: Archiv Tietje

Von 1949 bis 1953 betrieb der amerikanische Geheimdienst ein Trainingslager für Partisanen. Wie sie in ihre Einsatzorte – unter anderem die Ukraine – gelangten.
13.02.2022 | Stand: 18:04 Uhr

Es liest sich wie ein Agententhriller. Im Kaufbeurer Fliegerhorst ließ der Auslandsgeheimdienst der USA, die CIA (Central Intelligence Agency), einst Guerillas ausbilden. Das Trainingslager existierte vermutlich von 1949 bis 1953. Ältere Kaufbeurerinnen und Kaufbeurer berichteten immer mal wieder, dass die CIA eines oder mehrere Wohnhäuser in der Stadt belegt hatte. Anhand von dem Geheimdienst selbst veröffentlichter Dokumente im Internet fand der Kaufbeurer Hauptmann der Reserve, Matthias Tietje, heraus, was sich damals abgespielt hat. Dafür recherchierte er viele Stunden im Netz.

Demnach unterstützte die CIA mit der Verschärfung des Kalten Krieges Ende der 1940er Jahre den Kampf nationalistischer und antikommunistischer Partisanen im Baltikum und in der Westukraine gegen die Sowjetunion. Die verdeckten Operationen begannen im Jahre 1948 und wurden bis in die frühen 1950er Jahre durchgeführt.

Die Vorgehensweise war laut Tietje im Wesentlichen immer die selbe: Die CIA rekrutierte das Personal für die Operationen aus den Kriegsgefangenen (Prisoner of War - POW) oder den Lagern der Vertriebenen (Displaced Persons - DP), die sich in Westdeutschland befanden. Dabei habe es sich oft um ehemalige Kollaborateure der Wehrmacht oder geflohenen Nationalisten gehandelt, „die instrumentalisiert wurden, gegebenenfalls auch um Justizverfahren wegen begangener Kriegsverbrechen zu entgehen“, hat Tietje herausgefunden.

Auf dem Stundenplan: Schießen und Morsen

Die Angeheuerten wurden mit Decknamen für die jeweilige Operation versehen und in einem „Safe House“, also einer Art geheimen Unterschlupf, in Kempten untergebracht. Ausgebildet wurden sie in Trainingscamps, unter anderem in Kempten, Landsberg, Bad Wörishofen und auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren. Dort war US-Major Ronald Otto Bollenbach unter dem Decknamen „Jim Pepper“ einer der Leiter. Die künftigen Guerillas lernten Funktechnik, den Bau und das Platzieren von Behelfsantennen sowie das Morsen ebenso wie die „verdeckte Kriegsführung“, sprich den klassischen Partisanenkampf. Erste Hilfe und die Handhabung von Handfeuerwaffen mit Schießübungen standen zudem auf dem Stundenplan. Da die Agenten über den Luftweg in das Einsatzgebiet gebracht werden sollten, wurde ihnen auch das Abspringen mit dem Fallschirm aus niedrigen Höhen vermittelt. „Für all diese theoretischen und vor allem praktischen Ausbildungsanteile erschien der ehemalige Flugplatz in Kaufbeuren wohl hervorragend geeignet“, sagt Tietje.

Nach der Ausbildung über verschleierte Wege zur „Wiesbaden Air Base

Nach der Ausbildung in Kaufbeuren ging es ins Trainingscamp Bad Wörishofen und schließlich über verschleierte Wege zur „Wiesbaden Air Base“. Erst dort erfuhren die Agenten ihren Zielort und erhielten ihre Ausrüstung. Dazu gehörten Bargeld in unterschiedlicher Währung, diverse Ausweisdokumente und eine sogenannte „L-Pill“ (Cyanid Kapsel). Eine abgedunkelte Transportmaschine ohne Kennzeichen startete jeweils am frühen Abend in Richtung des Einsatzlandes. Die Streckenführung lief in der Regel über Österreich und die Tschechoslowakei, der Einflug in die Ukraine im Tiefflug (unter dem Radar). Trotzdem wurden immer wieder Fliegerabwehrkanonen abgefeuert. Über dem Einsatzgebiet sprangen die Agenten bei Nacht mit dem Fallschirm ab. Der Führungsoffizier, in der Regel ein ukrainischer Landsmann, kehrte zum Trainingslager zurück.

Dokumente der CIA belegen Details

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„Dass die Missionen so detailliert bekannt sind, ist der Berichterstattung der CIA zu verdanken, die diese Aktionen fast minutiös festgehalten hat“, sagt Tietje. „Über den Erfolg oder Misserfolg der Mission findet sich aber sehr wenig in den freigegebenen Dokumenten der CIA.“

Nur eine dieser Missionen sorgte in der internationalen Presse für Aufsehen: Das Sowjetische Außenministerium veröffentlichte im Mai 1953 einen Bericht über die gesteuerten Agententätigkeiten in der Ukraine. Vier Partisanen wurden kurz nach dem Absetzen aufgegriffen, nach Moskau gebracht, verhört und vor Gericht gestellt. Es liegen Berichte vor, dass diese Guerillas bereits mit der Gestapo während der Besatzungszeit zusammengearbeitet und ihre eigenen Landsleute ans Messer geliefert hatten. Die Urteile der Moskauer Gerichte lauteten für die vier Agenten: Tod durch Erschießen. Der Abschluss des Berichts endet mit dem Satz: „Das Urteil wurde vollstreckt!“

In diesem Bericht findet zudem auch der Leiter des Trainingscamps, Major Ronald Otto Bollenbach, mit seinem Decknamen Erwähnung. Der Mann war den Sowjets kein Unbekannter, denn von 1946 bis 1947 war er in Moskau als stellvertretender Luftwaffen- und Marine-Attaché tätig.

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