So ist die Lage in den Kliniken

Corona: Allgäuer Krankenhäuser vor ungewisser finanzieller Zukunft

Klinik Füssen, Krankenhaus Füssen

Welche finanziellen Auswirkungen die Corona-Krise auf die Kliniken in der Region – wie hier in Füssen – haben wird, ist nach Angaben von Krankenhaus-Managern noch ungewiss. Es geht unter anderem darum, inwieweit die Finanzhilfen von Bund und Ländern die Verluste kompensieren werden.

Bild: Benedikt Siegert

Welche finanziellen Auswirkungen die Corona-Krise auf die Kliniken in der Region – wie hier in Füssen – haben wird, ist nach Angaben von Krankenhaus-Managern noch ungewiss. Es geht unter anderem darum, inwieweit die Finanzhilfen von Bund und Ländern die Verluste kompensieren werden.

Bild: Benedikt Siegert

Krankenhäuser im Allgäu müssen wegen Corona noch viele Betten freihalten. Das drückt die Erlöse. Was ein Experte jetzt für das „Gebot der Stunde“ hält.

10.06.2020 | Stand: 19:12 Uhr

Viele Krankenhäuser stecken schon seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten, doch durch die Corona-Krise wird dieses Problem jetzt noch verschärft. Denn für die Behandlung von Covid-19-Patienten müssen viele Betten freigehalten werden. Das reißt weitere Löcher in Krankenhaus-Kassen. Zwar gibt es Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern, doch Allgäuer Klinik-Manager gehen davon aus, dass dieses Geld die Verluste nicht kompensieren wird. Umso wichtiger ist es, auch in diesen schwierigen Zeiten eine möglichst gute Belegung zu erreichen. Doch hier gibt es große Unterschiede unter den Häusern in der Region.

Für Corona-Patienten: In Schwaben müssen noch 15 Prozent der Krankenhausbetten freigehalten werden

„Alle Kapazitäten für Corona-Patienten hochfahren“ lautete die politische Linie im März. Vorgabe war, dass die Kliniken sämtliche planbaren Eingriffe zurückstellen. „Das betraf ungefähr 50 Prozent aller Behandlungen“, sagt Andreas Fischer, Vorstand beim Klinikverbund Kaufbeuren-Ostallgäu. „Dies kann man nicht innerhalb von drei Monaten nachholen“, sagt Gebhard Kaiser, Aufsichtsratschef des Allgäuer Klinikverbundes. Jetzt, wo es in der Region nur noch ganz wenige Corona-Fälle gibt, sind die Regeln nicht mehr so streng. „In Schwaben müssen nun 15 Prozent der Betten freigehalten werden“, sagt Fischer.

>> Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Lage im Allgäu und der Welt laufend in unserem News-Blog <<

In dieser Situation unterstützen Bund und Land die Kliniken. Es gibt eine Tagespauschale von 560 Euro pro Bett, das wegen der Corona-Krise leer steht. Doch er gehe nicht davon aus, dass dies die entstehenden Verluste ausgleichen werde, sagt Fischer. Gebhard Kaiser und Maximilian Mai, der Vorstand des Memminger Klinikums, teilen diese Einschätzung.

<< Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von AZ-Rundschau-Chef Helmut Kustermann >>

Der Klinikverbund Kaufbeuren-Ostallgäu machte im vergangenen Jahr ein Defizit in Höhe von 965.000 Euro, in Memmingen waren es im Jahr 2018 etwa sechs Millionen Euro. Was bedeutet die aktuelle Entwicklung für das diesjährige Ergebnis und wie werden die Häuser auf die finanziellen Probleme reagieren? Bei dieser Frage hält sich Fischer bedeckt: Zum jetzigen Zeitpunkt könne er dies nicht beantworten, sagt der Kliniken-Vorstand. Auch deshalb, weil noch nicht klar sei, wie stark die Finanzhilfen von Bund und Land durchschlagen. Auch Mai sagt, dass er noch keine seriösen Zahlen nennen könne. Kaiser spricht von „schwierigen Zeiten“ und „schweren Einbußen“. Er hoffe aber, dass es beim Allgäuer Klinikverbund nur ein „leichtes Defizit“ geben werde.

Bilderstrecke

Corona im Allgäu: Die Entwicklung der Krise in Bildern

Krankenhäuser im Allgäu sollen sich spezialisieren 

Inzwischen gingen wieder viele Patienten ohne Angst vor Corona ins Krankenhaus und ließen sich behandeln, sagt Fischer. „Auch die Notfallklinik wird wieder voller. Der Belegungsdruck im Haus steigt“, sagt Mai. „Wenn wir mehr Kapazitäten hätten, könnten wir jetzt mehr planbare Operationen durchführen.“ Eine Umfrage unter Allgäuer Kliniken zeigt, dass die Belegungsquoten derzeit sehr unterschiedlich sind. Am Beispiel des Allgäuer Klinikverbundes lässt sich dies gut verdeutlichen: Das Immenstädter Haus kommt bereits wieder auf 78 Prozent. Doch es gibt auch Standorte, die noch unter 50 Prozent oder nur knapp drüber liegen.

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Kaiser ist dies ein Beleg dafür, dass an manchen Stellen nachjustiert werden muss. Er hat beispielsweise die Klinik in der Unterallgäuer Kreisstadt Mindelheim im Blick: Hier gelte es, die Zusammenarbeit mit Fachärzten und anderen niedergelassenen Medizinern noch zu verbessern. Zudem sei Spezialisierung das „Gebot der Stunde“ für kleinere Kliniken. So hält es Aufsichtsratschef Kaiser für sinnvoll, den „Schwerpunkt Orthopädie“ am Ottobeurer Krankenhaus weiter auszubauen.