Mehr Corona-Patienten in Krankenhäusern

Corona-Inzidenz im Allgäu steigt: „Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein“

Rund 1.1500 Menschen haben im Allgäu bisher eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Rund 1.1500 Menschen haben im Allgäu bisher eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Rund 1.1500 Menschen haben im Allgäu bisher eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Im Kaufbeurer Klinikum wird es auf der Intensivstation eng. Wie die Lage bei Kindern, Jugendlichen und in Seniorenheimen im Allgäu aussieht.
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Von Redaktion Allgäuer Zeitung
27.10.2021 | Stand: 06:49 Uhr

In Bayern steigen die Zahlen der Corona-Infizierten wieder stark an – auch im Allgäu. Wir haben Antworten auf Fragen zur aktuellen Situation gesammelt.

Wie ist derzeit die Situation an den Kliniken?

„Gäbe es für jede Klinik eine eigene Krankenhaus-Ampel, würde sie bei uns bald auf Gelb springen“, sagt Dr. Marcus Koller, Ärztlicher Direktor des Kaufbeurer Klinikums. Auf der Intensiv-Station gebe es noch Kapazitäten für einen weiteren Patienten. Das System sei aber bayernweit ausgelegt und insgesamt sei die Situation noch annehmbar. Aktuell beobachtet Koller, dass die in der Klinik behandelten Corona-Patienten mit etwa 40 Jahren bis Ende 60 durchschnittlich jünger sind als in vorangegangen Wellen. Das bestätigt auch der Klinikverbund Allgäu.

Kommen die Lockerungen zu früh?

„Die Zahl der Corona-Patienten steigt, die im Krankenhaus behandelt werden müssen“, sagt Marcus Koller. Vor diesem Hintergrund sei die Forderung nach einem Freedom-Day, an dem die Corona-Regeln fallen, nicht nachvollziehbar. Auf Masken oder die 3-G-Regel zu verzichten, hält der Mediziner für falsch.

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Wie sehr sind Kinder betroffen?

Bezogen auf 100.000 Kinder derselben Altersgruppe lag die Inzidenz bei 10- bis 14-Jährigen im Ostallgäu laut Robert-Koch-Institut jüngst bei 609. „Aktuell sind etwa 27 Prozent aller Infizierten Kinder und Jugendliche“, sagt Landratsamtssprecher Stefan Leonhart. „Wir beobachten eine steigende Zahl an positiven Schnell- und PCR-Tests, vor allem seit die Schule wieder angefangen hat. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein“, sagt auch der Kaufbeurer Kinder- und Jugendarzt Dr. Volkmar Reschke. Schwere Corona-Verläufe gebe es aber nur in Einzelfällen. (Aktuelle Entwicklungen zur Corona-Krise im Allgäu und der Welt lesen Sie laufend in unserem Newsblog)

Für wen wird eine dritte Impfung empfohlen?

Eine Covid-19-Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff würde für Personen über 70 Jahren, medizinisches Personal und Bewohner in Pflegeeinrichtungen Sinn ergeben, sagen Dr. Jan Henrik Sperling, ärztlicher Corona-Koordinator in Memmingen, und Dr. Hardy Götzfried, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums Memmingen. Die Auffrischung sollte aber erst sechs Monate nach der zweiten Impfung erfolgen. Sehr wichtig sei die frühzeitige Auffrischungsimpfung auch für Personen, die ein Immundefizit haben, beispielsweise nach Organtransplantationen, und für Menschen, die mit Johnson&Johnson geimpft wurden. Diese Personengruppen könnten 28 Tage nach der letzten Impfung eine Auffrischung bekommen.

Wie viele Drittimpfungen sind bereits erfolgt?

Bislang haben insgesamt knapp 11 500 Menschen in der Region eine Drittimpfung erhalten. Das sind etwa 1,7 Prozent der Allgäuer. Beispielsweise in Memmingen gab es 1102 Auffrischungsimpfungen im Impfzentrum (einschließlich Impfbus) sowie 230 Auffrischungsimpfungen in niedergelassenen Arztpraxen. (Stand 17.Oktober 2021)

Wie geht es mit den Drittimpfungen in den Seniorenheimen voran?

Das laufe gut, sagt Yvonne Spöcker vom AllgäuStift, zu dem mehrere Häuser in der Region gehören. So habe beispielsweise die Drittimpfung im Kemptener Marienpark bereits im September stattgefunden. Dabei hätten sich fast alle Bewohnerimmunisieren lassen. „In anderen Einrichtungen läuft es ähnlich.“ Derzeit gebe es in den Häusern des AllgäuStifts „nur vereinzelte Corona-Ausbrüche“.

Was wird gemacht, um die Impfquote zu erhöhen?

Wer geimpft werden möchte, kann beispielsweise ohne Termin ins Memminger Impfzentrum kommen, sagt Sperling. Zudem ist der Impfbus im Stadtgebiet unterwegs. Am Freitag, 29. Oktober, steht er an der Memminger Moschee. Ferner erfolgten mit mobilen Teams die Auffrischungsimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen in und um Memmingen. Auch andernorts sind der Impfbus und mobile Teams weiterhin im Einsatz.

Wie werden die Impfangebote angenommen?

Je nach Tag und Ort sind die mobilen Impfangebote beispielsweise im Landkreis Oberallgäu unterschiedlich stark frequentiert. Der Durchschnitt liege zwischen 20 und 40 Impfungen pro Tag, heißt es vom Landratsamt. Das Impfzentrum in Kempten werde dagegen sehr stark beansprucht.

Wie oft kommt es vor, dass Test- und Impfzertifikate gefälscht werden?

Seit Anfang des Jahres hat es laut Polizei nur insgesamt 13 Fälle von gefälschten Impfausweisen im Bereich des Kemptener Präsidiums gegeben - betroffen waren sowohl Papier- wie auch digitale Nachweise. Nach Angaben des Landratsamtes Oberallgäu komme es nur vereinzelt vor, dass Test-Bescheinigungen manipuliert werden. Von einem Trend könne man also nicht sprechen, sagt Dominic Geißler, Pressesprecher der Polizei. Im Gegensatz zu Personalausweisen sind Impf- und Testzertifikate jedoch nicht mir fälschungssicheren Hinweisen ausgestattet. Für ungeschulte Augen sei nur schwer erkennbar, ob die Nachweise echt oder nachgemacht sind.

Hier lesen Sie die aktuellen Zahlen zur Krankenhausampel in Bayern und im Allgäu.

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Corona im Allgäu: Eine Chronologie der Krise in Bildern