Kaufbeuren

Der Familien-Fanclub

ESVK - Bayreuth

ESVK - Bayreuth

Bild: Mathias Wild

ESVK - Bayreuth

Bild: Mathias Wild

Eishockey Mama Olga Pfaffengut aus Kaufbeuren drückt sowohl Denis (ESVK) als auch Daniel (Ravensburg) die Daumen. Sicher ist, dass einer ihrer Söhne im DEL2-Finale stehen wird. Wer nach vier Spielen die besseren Karten hat

08.06.2020 | Stand: 14:40 Uhr

Freud und Leid, so sagt man, liegen im Sport oft ganz nah beieinander. So nah wie derzeit im Fall von Olga Pfaffengut (44) ganz sicher aber nicht oft. Sie ist Mutter von Towerstars-Stürmer Daniel (22) und ESVK-Verteidiger Denis (21). Beide lernten in Kaufbeuren das Eishockeyspielen, Daniel wechselte 2015 zum Rivalen nach Ravensburg. Zu Beginn des zweiten Drittels im vierten Play-off-Halbfinalspiel der DEL 2 zwischen dem ESVK und den Towerstars, das die Oberschwaben mit 3:0 gewannen, musste Olga Pfaffengut am Dienstagabend mitansehen, wie in der Erdgas-Schwaben-Arena ihre beiden Söhne aneinandergerieten. Daniel (EVR) checkte einen Kollegen von Denis (ESVK), der diesen tatkräftig „beschützte“. „Da hab’ ich kein Problem damit, das ist ganz normal“, sagte Daniel nach der Partie, und Denis bestätigte: „Es ist immer noch Eishockey, ein Kontaktsport. Und wenn man gegeneinander spielt, dann rumpelt es eben mal. Die Eltern wollen es zwar nicht, aber es ist dann eben so.“ Zumal wir uns nachher eh wieder lieb haben“, wie Daniel erzählte.

„Mein Herz schlägt für beide Mannschaften“, sagt Olga. Das trägt die Eishockey-Mama auch ganz offen zur Schau. Sie kaufte die Trikots beider Söhne – und ließ sie zusammennähen. „Wenn Denis ein Spiel verliert, ist das immer schlimm für mich. Aber diesmal bin ich dann nicht ganz so traurig. Weil Daniel dann gewonnen hat“, sagt sie mit einem Lächeln. Es sei nicht ganz so einfach zu erklären, was in ihr vorgeht, wenn die beiden Söhne auf dem Eis gegeneinander spielen. Eines sei aber wichtig – der respektvolle Umgang miteinander. Wer denn nun wirklich die Nase vorne hat im DEL 2-Halbfinal-Derby, kann Olga nicht sagen. „Beide Teams sind so stark. Ich glaube, es ist 50:50. Ich finde diese Serie richtig spannend.“

Ähnlich sehen das ihre beiden Sprösslinge, obwohl die Oberschwaben mittlerweile in der Serie mit 3:1 führen und die deutlich besseren Karten haben. „Wir sind noch nicht durch“, sagte EVR-Stürmer Daniel vor Spiel fünf am Freitag in Ravensburg und verwies auf die erfolgreiche Kaufbeurer Aufholjagd nach dem 1:3 im Viertelfinale gegen die Lausitzer Füchse. An die denkt auch ESVK-Verteidiger Denis: „Ravensburg muss uns viermal schlagen, das haben sie erst dreimal geschafft. Auch gegen Weißwasser sind wir zurückgekommen. Unsere Jungs sind heiß, keiner will in die Sommerpause. Wir werden alles geben, dass wir das Spiel gewinnen.“

Am Dienstag hat Ravensburg verdient gewonnen, ein müde wirkendes ESVK-Team zeigte die schwächste Partie der Serie. Coach Andreas Brockmann haderte mit seiner ungeduldigen Mannschaft nach dem torlosen ersten Drittel. „In solchen 0:0-Situationen muss man Geduld haben“, sagte Brockmann. „Wir haben dann etwas den Faden verloren und haben zu kompliziert gespielt. Die Mannschaft wollte unbedingt das 1:0, hat dann aber einen Tick zu sehr an das Tor gedacht.“ Daniel Pfaffengut nannte seinen starken Keeper Jonas Langmann als Mitgaranten für den Sieg und fügte treffend hinzu: „Wir waren diesmal immer einen, wenn nicht zwei Schritte schneller als der ESVK.“ Dagegen sagte sein Bruder Denis: „Ich würde nicht sagen, dass wir müde waren. Jeder hat alles gegeben. Wir haben drei Fehler gemacht, dann hat es dreimal gescheppert. Das Spiel hätte auch anders laufen können.“

Mama Pfaffengut derweil lässt sich einen Tipp, welche Mannschaft nun das Rennen macht und ab kommender Woche im DEL2-Finale steht, nicht entlocken. Nur so viel sagt sie: „Eigentlich ist es mir egal. Einer meiner Söhne wird das Finale spielen.“ Sie ist übrigens bei jedem Heimspiel des ESVK im Stadion, aber auch Sohn Daniel in Ravensburg kommt nicht zu kurz. Auch die Spiele dort verfolgt sie so gut es geht. Woher die große Eishockey-Leidenschaft der Familie kommt, vermag sie nicht genau zu sagen. Opa Pfaffengut sei schon sehr sportlich gewesen – und so war eigentlich immer klar, dass auch Daniel und Denis Sport betreiben sollen. „Ich habe immer gesagt, dass sie entweder Eishockeyspieler oder Boxer werden sollen“, sagt sie mit einem Lächeln. Denis und Daniel haben noch einen jüngeren Bruder, Justin. Der Zwölfjährige spielt ebenfalls Eishockey und durchlief bis dato alle Nachwuchsmannschaften des ESV Kaufbeuren. Aktuell ist er in der U 13 der Kaufbeurer aktiv; und schlüpft als Verteidiger in die Fußstapfen von Denis. „Er fiebert in der Play-off-Serie natürlich auch mit“, sagt Olga.