Memmingen/Salzburg

Der nächste Schritt

Der gebürtige Memminger Frank Kramer wagt den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Am 1. Juli beginnt er seinen neuen Job als Akademieleiter beim österreichischen Top-Klub RB Salzburg. Dafür gibt der 47-Jährige seinen bis 2021 datierten Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund auf.

Von Martin ferschmann
08.06.2020 | Stand: 14:40 Uhr

Seit September 2016 war Kramer für den DFB tätig. Zunächst betreute er die U 19-Nationalmannschaft, zuletzt die U 18 mit dem Ziel, die Qualifikation zur U 19-Europameisterschaft in Nordirland zu packen. Daraus wird nun nichts mehr. 330 Kilometer entfernt von seinem Wohnort in der Nähe von Herzogenaurach will Kramer dem Nachwuchs der Salzburger Roten Bullen den Feinschliff verpassen. Rund drei Stunden braucht er von zu Hause an den neuen Arbeitsplatz.

Der österreichische Serienmeister ist für Kramer eine weitere Herausforderung. Und die liebt er. Worte wie „wissbegierig“, „ehrgeizig“ und „immer offen für Neues“ beschreiben den 47-Jährigen ganz gut. Kramer war in seiner Karriere als Aktiver kein Großer. Mehr als die Regionalliga war für ihn sportlich nicht drin. Doch Kramer zeigt beispielhaft, dass man es auch ohne eine schillernde Karriere in der Bundesliga weit bringen kann. Der studierte Gymnasiallehrer startete in der Reserve der SpVgg Greuther Fürth als Spielertrainer, absolvierte während seiner Zeit bei der U 19 der TSG Hoffenheim als Jahrgangsbester den Fußballlehrer und schaffte dann den Sprung zu seinem ersten Profi-Engagement in Fürth. Die SpVgg führte er im Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga in seiner ersten Saison gleich in die Relegation.

Über weitere Stationen als Cheftrainer in Düsseldorf und zuletzt beim DFB führt ihn sein Weg nun in die Alpenrepublik. Mit dem Engagement bei RB Salzburg kraxelt er den nächsten Schritt auf der Karriereleiter nach oben. Was er an seinen bisherigen Stationen an Wissen und Erfahrung gesammelt hat, wird ihm helfen. Und er hat es RB nicht leicht gemacht. „Sie haben mehrmals bei mir angeklopft, bis das Paket gepasst hat“, erzählt Kramer. „Ich habe schon überlegen müssen, ob ich den Schritt gehen will. Denn eigentlich sehe und fühle ich mich schon noch ein Stück weit als Trainer, der gerne auf dem Platz steht.“

Am Ende passte dann die Stellenbeschreibung, und Kramer unterschrieb einen Vierjahresvertrag. „Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht und die Entwicklung im Profifußball analysiert und genau angeschaut. Bis auf Christian Streich in Freiburg und Frank Schmidt in Heidenheim ist die Fluktuation auf den Cheftrainerposten enorm. Die Halbwertzeit ist kaum mehr länger als ein Jahr.“ Und so entschied er sich, eine weitere Tür aufzustoßen.

Als Akademieleiter kümmert er sich beim FC Liefering um die Spieler über 18 Jahre und auch den Nachwuchs, betreut als Trainer die Spiele in der Youth-League, der Champions-League für Nachwuchsmannschaften. Anders als in Deutschland sind in Österreich die zweiten Mannschaften an einen Partnerverein angegliedert. Im Fall von RB Salzburg ist es der FC Liefering in der 2. Liga, der in Kooperation mit RB auch die Jugend betreut. Alle Mannschaften trainieren an der RB-Akademie. „In Deutschland muss immer mindestens eine Spielklasse zwischen Profis und Amateuren liegen. Weil in Österreich die dritte Liga das Niveau nicht halten kann, hat man sich auf diese Lösung geeinigt“, erklärt Kramer. So unterhalten auch Austria Wien mit den Young Violets oder der Linzer ASK mit dem FC Juniors ebenfalls Nachwuchsteams in der zweiten Liga.

Rund 110 Spiele hat Frank Kramer im vergangenen Jahr noch für den DFB gescoutet. Von den Jahrgängen 1997 bis 2001 hat er sich einen perfekten Überblick über die Talente im deutschen Fußball angeeignet, hat national wie international ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut. Ein überzeugendes Argument für den Wechsel nach Salzburg war das Trainingszentrum des Vereins. „Die Anlage ist fantastisch und gehört mit Sicherheit zu den fünf besten überhaupt. Bessere Arbeitsbedingungen kann man nicht vorfinden“, sagt Kramer .

Dass die Messlatte in Salzburg hoch liegt, weiß er. Mit Spielern wie Naby Keita (15 Millionen Euro), Dayot Upamecano (10 Millionen), Bernardo (6 Millionen und Martin Hinteregger (7 Millionen) hat RB Salzburg stolze Transfererlöse zu verzeichnen, talentierte Spieler ausgebildet und zu Topklubs transferiert. Kramer schreckt das nicht. Einer echten Herausforderung ist der Memminger noch nie aus dem Weg gegangen.