Allgäu

Die fiesen Tricks der Telefonbetrüger

Illustration - Falscher Polizist

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Bild: jst cul rho his kno rho

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Kriminalität Immer häufiger geben sich Täter als Polizisten oder Gerichtsvollzieher aus, um an das Vermögen vor allem älterer Menschen zu kommen. Trotz aller Warnungen geht diese Rechnung immer wieder auf
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Von Felix Futschik
20.11.2019 | Stand: 18:00 Uhr

„Es geht um Straftaten gegen ältere Menschen“, sagt Michael Haber. Nicht selten verlieren Betroffene einen Teil ihres Vermögens – manchmal auch alles. Haber ist Leiter des Sachgebietes für Verbrechensbekämpfung beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten. Er und seine Kollegen stellen fest, dass in den vergangenen Monaten die Anzahl der sogenannten Call-Center-Betrugsfälle stark zugenommen hat. Darunter fallen beispielsweise falsche Polizeibeamte oder falsche Gewinnversprechen.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr registriert das Polizeipräsidium bereits jetzt einen starken Anstieg dieser Straftaten. 2018 wurden 1340 Fälle von „falschen Bediensteten“, darunter fallen auch falsche Polizeibeamte, gemeldet. 14 Mal waren die Betrüger erfolgreich und erbeuteten insgesamt 491 000 Euro. Mitte November dieses Jahres sind es schon mehr als 1200 Fälle. Die Schadenssumme liegt bei über 300 000 Euro. Allein im Monat Oktober gingen bei der Polizei 454 Anzeigen ein. Unterm Strich kommen nur wenige Betrüger mit ihrer Masche durch. Diejenigen, die erfolgreich sind, kassieren dafür kräftig ab.

„Die betroffenen Familien haben an dem Schaden oft schwer zu knabbern“, sagt Polizeisprecher Holger Stabik. Teilweise sei das komplette Vermögen verloren. Wenn die Polizei die Täter nicht fasst, wird den Opfern auch der Schaden nicht ersetzt. „Die Täter sitzen im Ausland“, sagt Michael Haber. Die Polizei habe Erkenntnisse darüber, dass sich eines dieser Call-Center in der Türkei befindet. Die Masche der Kriminellen: Sie rufen ältere Menschen an und geben sich als Polizisten aus. Sie befragen das Opfer nach dessen Vermögen und gaukeln ihm vor, dass dieses in Gefahr ist: „Die Täter warnen beispielsweise vor Bankmitarbeitern, die sich angeblich an dem Konto der Betroffenen illegal zu schaffen machen“, sagt Haber. Oder sie erzählen dem Opfer, dass Einbrecher in der Gegend seien und die Polizei Wertgegenstände und Geld in Sicherheit bringen möchte. Sogenannte Abholer nehmen das Geld an einem vorher vereinbarten Ort oder direkt an der Haustüre entgegen.

„Die Polizei wird niemals jemanden auffordern, Wertsachen oder Geld abzugeben“, betont Haber. Trotz vieler Aufklärungskampagnen (sieheInfokasten)erreichen die Betrüger immer wieder ihr Ziel. Neben falschen Polizeibeamten gibt es auch andere Methoden – die Liste ist lang: falsche Gerichtsvollzieher, angebliche Gewinnversprechen oder Handwerker, die keine sind. Die Polizei in Vorarlberg warnt aktuell vor „Dienstleistungsbetrügern“. Eine 46-jährige Frau benötigte sofortige Hilfe wegen eines verstopften Rohres. Die angeblichen Handwerker verlangten 400 Euro in bar. Hier kamen sie mit ihrer Masche nicht durch: Die Frau verständigte die Polizei.

Vor allem Menschen, die wenige soziale Kontakte haben und kaum Medien konsumieren, sind laut Polizei anfällig für Betrügereien. Deshalb ist es wichtig, über das Thema zu sprechen, sagt Haber: mit Nachbarn, Bekannten und der Familie. Moderne Technik spielt für die Trickbetrüger eine wichtige Rolle: Die ausländischen Nummern werden nicht bei den Opfern angezeigt. Auf dem Telefondisplay steht durch Manipulationen zum Beispiel die örtliche Vorwahl oder die 110. Das erzeuge Vertrauen bei den Geschädigten, sagt Haber. Und betont, dass die Polizei niemals mit der Nummer 110 anrufe.

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Hat jemand Geld übergeben, sind die Täter oft schnell über alle Berge. „Die Ermittlungen sind schwierig“, sagt der Kriminalchef. Die Abholer agierten häufig bundesweit. Aber natürlich gebe es Muster, die zur Ergreifung von Tätern führen, sagt Haber. Details könne er aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch nicht nennen. Am besten sei es, wenn sich Betroffene noch vor einer Geldübergabe bei der Polizei melden. Dann könnten die Beamten schnell reagieren. So wie kürzlich in Kaufbeuren: Ein 70-Jähriger sollte 18 000 Euro übergeben. Er rief die Polizei. Bei einer intensiven Fahndung wurde ein 25-Jähriger aus Baden-Württemberg vorläufig festgenommen. Derzeit wird nach Polizeiangaben ermittelt, ob er für weitere Taten in Frage kommt.