Alpwirtschaft

Urlaub für das Jungvieh: Wie der Alpsommer im Ostallgäu abläuft

Der Hirte der Alpe Schiff Bernhard Echtler (links) und Alpmeister Max Gschmeißner bei der täglichen Viehnachschau.

Der Hirte der Alpe Schiff Bernhard Echtler (links) und Alpmeister Max Gschmeißner bei der täglichen Viehnachschau.

Bild: Franziska Mitzdorf

Der Hirte der Alpe Schiff Bernhard Echtler (links) und Alpmeister Max Gschmeißner bei der täglichen Viehnachschau.

Bild: Franziska Mitzdorf

Im Ostallgäu hat die Alpwirtschaft eine lange Tradition. Heuer verbringen mehr als 2.000 Tiere den Sommer in den Bergen. Was das für Mensch und Tier bringt?
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Von Franziska Mitzdorf
01.07.2022 | Stand: 15:00 Uhr

Wenn man durch die grünen Hügel des Allgäus fährt darf für unsere Gastautorin Franziska Mitzdorf (Alpfachberaterin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren) ein Bild nicht fehlen: Schumpen (allgäuerisch für Jungrinder) und Kühe auf der Weide. Die Flächen in der Region waren wegen der vielen Niederschläge nicht geeignet für ertragreichen Ackerbau. Deswegen entwickelte sich die grüne Landschaft, wie man sie heute kennt. Eine bunte Mischung aus Kräutern, Gräsern und Leguminosen tummeln sich auf den Wiesen. Für Menschen sind diese Pflanzen unverdaulich. Wiederkäuer wie Rinder und Schafe veredeln sie zu Milch und Fleisch.

Alpwirtschaft im Allgäu mit langer Tradition

Dass die Tiere freien Zugang zur Weide haben ist nicht selbstverständlich und eine regionale Besonderheit des Allgäus. Rund 17 Prozent der bayerischen Rinder sind im Sommer auf der Weide. Besonders hoch gehalten wird der Weidegang von den Allgäuer Bergbauern auf den Alpen. Bevor die Rinder ab Mitte Juni auf die hochgelegenen Alpflächen getrieben werden, werden die talnahen Flächen abgeweidet. Die Tiere folgen dann dem Sommer über der Vegetation bis auf Alpflächen auf 2.000 Metern bis sie im Herbst zurück auf die Talweiden kehren. Im Ostallgäu verbringen dieses Jahr mehr als 2.000 Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen den Sommer auf einer der 32 Alpen im Landkreis.

(Lesen Sie auch: Der Alpsommer im Allgäu ist in vollem Gange - wie groß sind die Sorgen vor Wolf und Bär?)

Beweidung für steile Flächen seit jeher die einzige Bewirtschaftungsmöglichkeit

Auf der Trauchgauer Alpe Schiff zum Beispiel weiden dieses Jahr circa 75 Schumpen und Pferde. Alpmeister Max Gschmeißner berichtet von der langen Tradition der Alpwirtschaft: „Die Beweidung war für die steilen Flächen seit jeher die einzige Bewirtschaftungsmöglichkeit. Ab König Max I. wurden die Weiderechte schriftlich erfasst und festgehalten. Die amtliche Alpanerkennung erfolgte im Jahre 1965.“

Für das Vieh sei die Zeit auf der Alpe die schönste Zeit des Jahres. „Man könnte fast sagen, wie im Urlaub“, sagt Gschmeißner. „Die Gesundheit der Tiere wird durch das Vielfältige Angebot von Gräsern und Almkräuter gestärkt. Natürlich merkt man bei geälptem Vieh, dass es trittsicherer und witterungsunempfindlicher ist. Die Tiere sind zufrieden, umgänglich und ruhiger.“

Es ist eine Herausforderung, Alpen aufrechtzuerhalten

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Allerdings sei es eine Herausforderung, die Alpe in den nächsten Jahren so aufrechtzuerhalten, wie sie seit Generationen bewirtschaftet wurde. „Es ist viel Handarbeit und die Zahl der Landwirte wird immer weniger, die die Arbeit machen. Besonders das Wachstum von Sträuchern , Bäumen und Unkräutern wird durch den Klimawandel beschleunigt und es erfordert jedes Jahr viel Aufwand die Weidefläche zu pflegen. Für die nächste Generation ist es wahrscheinlich sehr schwer, die Alpe auf diese Weise weiterzubetreiben“, sagt Gschmeißner.

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