Musikkapellen

Blasorchester im Füssener Land leiden unter „Sendepause“

Gautrachtenfest des Oberen Lechgauverbandes in Hopfen am See

Großveranstaltungen mit dicht gedrängten Menschen, wie das Gautrachtenfest des Oberen Lechgauverbandes auf dem Foto 2015 in Hopfen am See, wird es diesen Sommer wohl nicht geben. Darunter leiden unter anderem die Blaskapellen (auf dem Bild die Musiker aus Trauchgau). Ihren Mitgliedern fehlen nicht nur die Auftritte. Sie können sich auch nicht mehr zum Proben und gemeinsamen Musizieren treffen.

Bild: Peter Samer (Archiv)

Großveranstaltungen mit dicht gedrängten Menschen, wie das Gautrachtenfest des Oberen Lechgauverbandes auf dem Foto 2015 in Hopfen am See, wird es diesen Sommer wohl nicht geben. Darunter leiden unter anderem die Blaskapellen (auf dem Bild die Musiker aus Trauchgau). Ihren Mitgliedern fehlen nicht nur die Auftritte. Sie können sich auch nicht mehr zum Proben und gemeinsamen Musizieren treffen.

Bild: Peter Samer (Archiv)

Den Mitgliedern der Musikkapellen in und um Füssen fehlen nicht nur die Auftritte, sondern auch das Miteinander in den Proben. Was sie für dieses Jahr alles geplant hatten
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Von Klaus Bielenberg
03.05.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Wenn Blaskapellen zu Festen, religiösen Feiern, in Konzerten und bei Umzügen aufspielen, dann „liegt Musik in der Luft“. Das gerade in dieser Jahreszeit gewohnte gesellige und fröhliche Aufleben fehlt in der jetzigen Ausnahmesituation. Viele Musikkapellen wollten am Bezirksmusikfest vom 26. bis 28. Juni in Nesselwang teilnehmen und hatten sich auch schon seit längerer Zeit darauf vorbereitet. Der Bezirksleiter Gottfried Groß des Bezirks 3/Füssen im Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM) ist wie wohl alle, die sich auf dieses Ereignis freuten, enttäuscht, dass diese Veranstaltung und zugleich die Wertungsspiele im Mai entfallen müssen. Auf Grund der gegebenen Situation gibt es auch keine Alternative. Nach seinen Worten können die bereits geprobten Stücke im nächsten Jahr verwendet werden.

Seit dem Lockdown liegt die Probenarbeit der Musikkapellen brach. Groß weist auf Webseminare des Verbandes hin und auf Videoaufnahmen, die als Hilfe für jeden Musiker gelten können. Aber es fehlt einfach das „Miteinander musizieren“, der lebendige soziale Kontakt. Groß betont: „Man schließt sich einer Blaskapelle nicht nur wegen des gemeinsamen Musizierens an, sondern auch wegen der Kameradschaft und Freundschaft mit Jung und Alt“. Er bleibt nicht allein mit seiner Ansicht. Bei unserer Umfrage bei einzelnen Musikkapellen wird herausgehoben, dass die Geselligkeit ein wichtiger Punkt im Leben eines Musikanten ist. Groß hofft, dass in nächster Zeit wenigstens „Satzproben“ mit etwa zehn Personen möglich sind. Man müsse die Situation immer wieder neu bewerten.

Kein Jahreskonzert in Pfronten

Alljährlich freuen sich in Pfronten die Freunde der Blasmusik auf das Jahreskonzert am Vorabend des Muttertags mit der Harmoniemusik. „Seit dem Spätherbst liefen die Proben“, erklärt Dirigent Josef Mörz. Dann kam der Lockdown. Damit jeder Einzelne für sich üben konnte, wurden Youtube-Einspielungen empfohlen. Es bestand die vage Hoffnung, dass man nach den Osterferien weiterproben könnte. „Dann schaffen wir das noch“, sagte der Dirigent. Daraus wurde nichts. Bis Ende August wurden fast alle Termine abgesagt. „Jetzt ist Sendepause“, sagt Mörz. „Man kann nichts übers Knie brechen. „Wir harren der Dinge, die da kommen!“ Sobald es geht fange man mit neuem Elan an und beim nächsten Konzert bauen man auch die für dieses Jahr vorgesehenen Ehrungen ein.

Bei der Harmoniemusik Füssen war nach der Probe am 1. März das Jahreskonzert aufführungsreif, sagt Dirigent Stefan Reggel. Die Musiker hatten sich schon darauf gefreut und hätten unter anderem gerne ihre Favoriten „Tanz der Vampire“ und „Frank Sinatra Hits“ vorgetragen. Das wird nun auf nächstes Jahr verschoben. Reiner Schneider, der Vorsitzende des Musikvereins, weiß noch nicht, ob oder ab welchem Zeitpunkt in diesem Jahr die Standkonzerte der Blaskapelle im Klosterhof durchgeführt werden können. Er hofft, dass dies vielleicht ab Juni möglich ist. Reggel verweist in diesem Fall auf ein Standardrepertoire, das zur Verfügung steht. Schneider betont, dass den Musikern das Zusammensein und das gemeinsame Spielen sehr fehlt. Reggel ergänzt: „Als Dirigent ist man ohne Musiker und ohne Publikum sehr einsam.“ Wenn nicht anders möglich, probt er mit kleineren Gruppen. Sie könnten sich sozial engagieren und mit dem Erlernten beim Vorspiel Freude bereiten. Auf einen wichtigen Punkt verweist der Vorsitzende: „Ohne Auftritte gibt es weniger Spenden. Der Verein hat laufende Kosten, wie zum Beispiel die Miete für den Probenraum. Es ist gut, dass die Stadt einen Zuschuss gibt und man vom Ersparten leben kann“.

Vielleicht wenigstens in Kleingruppen proben

In Hopferau fiel das Jahreskonzert des Musikvereins nicht aus. „Dieses fand bereits am 1. Dezember des Vorjahres und nicht erst im Frühjahr dieses Jahres statt“, berichtet der Dirigent Robert Schweiger. „Während der erzwungenen Pause sammeln wir neue Ideen. Unser Orchester mit rund 50 Mitwirkenden ist eine große Gruppe in Corona-Zeiten. Vielleicht können wir wenigstens in Kleingruppen proben. Wir spielen gerne an den Heimatabenden. Im Vordergrund stehen Polkas, Walzer und Marschmusik. Wir wollen unser Standardrepertoire erweitern und erneuern. Wir hoffen sehr, dass die Ausnahmesituation nicht zu lange dauert und wir wieder ins „normale Leben zurückkehren können.“ Aus dem öffentlichen Leben ist die Musikkapelle in Schwangau kaum wegzudenken. Dirigentin Alexandra Böhling zählt auf: „Nicht nur das Jahreskonzert, das bereits auf nächstes Jahr verschoben wurde, auch die Kurkonzerte im Schlossbrauhaus, das Dorfmusikfest, die Mitwirkung bei religiösen Festtagen, bei Bergmessen, beim Maibaumaufstellen gehören gewöhnlich zum Jahresablauf. Dazu kommen Ständchen und Jubiläen.“ Sehr betroffen war sie, dass die Musiker bei der Beisetzung eines Vereinsehrenmitgliedes nicht spielen konnten. Die große Frage bleibt, wann Lockerungen für das gesellige und kulturelle Leben möglich sind. Gefreut hat sich Böhling über die Mitwirkung vieler Bläser auf den Balkonen. Sie stimmten die Hymne „Freude schöner Götterfunken“ an und setzten damit ein Zeichen der Verbundenheit und des sozialen Miteinanders.

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