Seeg

Der Laden war ihr Leben

Ausverkauf Landerer

Der Laden war Rosmarie Landerers Leben. Ende April schloss sie ihn.

Bild: Anton Reichart

Der Laden war Rosmarie Landerers Leben. Ende April schloss sie ihn.

Bild: Anton Reichart

Mit ihrem Mann Karl und sieben Verkäuferinnen hat Rosmarie Landerer ein Geschäft in Seeg betrieben. Nachdem er im Vorjahr starb, schließt sie nun bereits Ende April. Für die Räume gibt es schon einen Interessenten

04.06.2020 | Stand: 18:13 Uhr

Frische Lebensmittel, Konserven, Haushaltswaren und boutiqueähnliche Textilien: Alles muss raus von Rosmarie Landerers reichhaltigem Sortiment in ihrem „Nah & Gut“-Geschäft in Seeg. Die Geschäftsauflösung hatte sie nach Vorgesprächen mit Bürgermeister Markus Berktold für die Zeit nach Eröffnung des künftigen Feneberg-Marktes gemeinsam mit ihrem Mann Karl geplant. Aber er starb im Vorjahr. So entschied sich die 72-Jährige, nun bereits Ende April zu schließen.

Bisher haben beide den Laden gemeinsam betrieben. Karl hatte sich besonders um das buchhalterische gekümmert, während Rosmarie mit sieben Verkäuferinnen das Geschäft umtrieb. Sie schließe, obwohl der Betrieb rentabel gewesen sei. Aber ihre drei Kinder leben mit ihren Familien in Wald, in Fürstenfeldbruck und in der Schweiz. Nie habe sie eines in ihre Nachfolge drängen wollen, nur jetzt ist sie nach dem Tod ihres Mannes halt allein verantwortlich. Jeden Tag ab 6 Uhr im Laden stehen und abends nach 18 Uhr als Letzte etliche Arbeiten im ebenerdigen Geschäft verrichten, das will sie nun gut sein lassen – auch wenn der „Nah & Gut“ ihr Leben war und ist. Aber sie wird ihre blitzblanke und heimelig mit Holz gestaltete, große Wohnung im Obergeschoß als Privatperson nützen können.

Dankeschön an langjährige Kunden

Zunächst aber wird Landerer zwei Monate Abverkauf machen mit ihren drei Vollzeit- und vier Teilzeitkräften. „Die sind schon seit zehn, 22 und sogar 35 Jahren bei mir“, beschreibt die Frau das angenehme Betriebsklima. Zwar habe sie den Mitarbeiterinnen bereits kündigen müssen. Aber die stehen nicht auf der Straße, sie werden wohl von Feneberg übernommen, können teilweise bereits ab heuer in dessen Filialen arbeiten, bis der Seeger Markt fertig ist. Bei ihren großteils langjährigen Kunden will sie sich noch eigens bedanken für deren Treue zu ihrem Geschäft.

Es ist bereits kurz nach 18 Uhr, als unser Mitarbeiter an ihre Ladentür tritt. Ohne zu zögern und mit einem freundlichen Gesicht öffnet sie und schüttet ihr Leben aus. Verbittert ist sie nicht über die Situation, aber ja, ihr Laden war und ist ihr Leben. „Wir konnten und haben nie mehr als eine Woche Urlaub gemacht“, erinnert sie sich freundlich lächelnd an ihr Leben mit ihrem Mann Karl. Sie war und ist mit Leidenschaft Kauffrau und Verkäuferin. Und führt mit Begeisterung den Besucher durch das weitläufige, trotzdem heimelige Geschäft – einschließlich des großen Textilangebotes. Gut gefügt hat sich auch, dass „Sport Rubi“ schon vor Jahren und auch aktuell erneut Interesse gezeigt habe, hier in den Räumen des Ladengeschäftes einzuziehen.

Rosmarie Landerer widmet sich Familiengeschichte

Somit kann sich Rosmarie Landerer nach dem April in ihrer heimeligen, großen Wohnung im Obergeschoss ganz ihrer Familiengeschichte widmen. Denn ihr 74-jähriger Bruder Theodor Albertus Magnus Frey hatte ihr zum 70. Geburtstag ein professionell gestaltetes Fotobuch mit historisch umfangreichem Hintergrund der Familiengeschichte bis zurück ins 19. Jahrhundert geschenkt.

Nachdem „Fallers Obst- und Gemüse-Lädele“ auch Geschichte ist, bleibt bis zur Eröffnung des neuen Feneberg-Markts nur mehr Walter Setteles Gemischtwarengeschäft als Grundversorger in der Gemeinde übrig. Settele will allerdings so lange weitermachen, bis der neue Markt öffnet, um einen nahtlosen Übergang in der Versorgung der Kunden zu gewährleisten. Dann wird auch er schließen.