Forschungsprojekt

Drohne misst Klang von Weißenseer Kirchenglocken

Felix Wachter (links) und Michael Plitzner vom Europäischen Kompetenzzentrum für Glocken an der Hochschule Kempten haben mit einer Drohne den Klang der Weißenseer Kirchenglocken gemessen.

Felix Wachter (links) und Michael Plitzner vom Europäischen Kompetenzzentrum für Glocken an der Hochschule Kempten haben mit einer Drohne den Klang der Weißenseer Kirchenglocken gemessen.

Bild: Alexandra Decker

Felix Wachter (links) und Michael Plitzner vom Europäischen Kompetenzzentrum für Glocken an der Hochschule Kempten haben mit einer Drohne den Klang der Weißenseer Kirchenglocken gemessen.

Bild: Alexandra Decker

Forscher des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken aus Kempten messen den Glockenklang der Weißenseer Kirche  mithilfe einer Drohne. Welche Ideen dahinterstecken

07.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Eine Drohne ist gestern mit einer besonderen Mission um den Weißenseer Kirchturm gekreist. Sie führte am Geläut der Kirche St. Walpurga Klangmessungen durch. Verantwortlich dafür war das Europäische Kompetenzzentrum für Glocken ECC ProBell aus Kempten(siehe Infokasten). Ziel ist laut dessen Geschäftsführer, dem Ingenieur und Theologen Michael Plitzner, ein Verfahren zu entwickeln, um die Schallstrahlung von einem Kirchturm aus zu messen, das möglichst unabhängig von den Umgebungsgeräuschen ist. Auf die Weise sollen Kirchen besser verglichen werden können.

Auf die Idee, den Klang mit einer Drohne zu messen, kam der Energie- und Umwelttechniker Felix Wachter im Zuge seiner Masterarbeit. Unterstützt wird er von seiner Kollegin Ramona Frick. Die Weißenseer Kirche wählten die Forscher aus zwei Gründen: Zum einen kannten sie sie bereits, weil sie dort laut Plitzner vor zwei Jahren die Klöppel optimiert haben, um die Kirchenglocken vor Verschleiß zu bewahren. Zum anderen steht die Kirche St. Walpurga recht frei und für den Drohnenflug waren keine Genehmigungen nötig.

Mit den Messergebnissen lässt sich dann zum Beispiel feststellen, wie der Klang eines Geläuts wirkt oder auch wie hoch die Lärmbelastung dadurch ist. „Es war schon lange der Wunsch, das wissenschaftlich zu untersuchen“, sagt Plitzner. Nur sei bisher kein Geld dafür da gewesen. Im Zuge von Wachters Masterarbeit sei es nun möglich.

Wenn die Messungen mit der Drohne so funktionieren, wie es sich die Forscher vorstellen, könnten damit später gezielt zum Beispiel Firmen unterstützt werden. Plitzner denkt dabei unter anderem an Unternehmen, die die Lamellen in Kirchtürme bauen. Diese Öffnungen könnten mithilfe der Messergebnisse so optimiert werden, dass sie den Schall in der Nähe der Kirche möglichst gut dämpfen und ihn verstärkt in die Weite hinausstrahlen.

Materialschonende Klöppel

Der Wunsch nach solchen Problemlösungen hat sich im Zuge der Arbeit des Kompetenzzentrums ergeben. Dort begann man 2005 zunächst damit, zu erforschen, wie man Glocken länger haltbar machen kann. Als dieses Projekt erledigt war, baten die beteiligten Unternehmen laut Plitzer die Kemptener darum weiterzumachen. Und die widmeten sich daraufhin der Frage, wie Klöppel so gebaut werden können, dass eine Glocke möglichst gut klingt, sie aber gleichzeitig das Material schonen. Später ergaben sich daraus außerdem Überlegungen, wie Abhilfe geschaffen werden kann, wenn eine Glocke zu laut ist oder durch das Geläut der Kirchturm wackelt.

Eine Prämisse über allen Projekten ist dabei immer, dass die Glocke auch gut klingt. Das ist laut Piltzner wichtig, da Forschungen zur psychoakustischen Wirkung von Glocken ergeben haben, dass ihr Geläut für überdurchschnittlich viele Menschen zum Klangbild ihrer Heimat gehören. „Wenn Glocken so einen hohen Wert haben, sollte man sie so gestalten, dass sie positiv wahrgenommen werden“, sagt Plitzner.