Musicals in Füssen

Festspielhaus: Klassiker, die begeistern – und Mut machen

Chris Murray zeigt auf der Bühne eine starke Präsenz.

Chris Murray zeigt auf der Bühne eine starke Präsenz.

Bild: Peter Samer

Chris Murray zeigt auf der Bühne eine starke Präsenz.

Bild: Peter Samer

Nimsgern, Murray und Co. liefern beeindruckende Show. Wie der Rockmusiker Bach „zeitgemäß“ in Szene setzt und was die Herzen der Zuhörer höher schlagen lässt.
Chris Murray zeigt auf der Bühne eine starke Präsenz.
Von Klaus Bielenberg
09.09.2020 | Stand: 17:45 Uhr

In einem seiner Interviews erklärte das musikalische Multitalent, der Komponist, Gitarrist und Pianist Frank Nimsgern: „Komponieren ist für mich wie Sauerstoff zu atmen.“ Wenn er live spielt, dann spielt er das, was ihn berührt und was in seinem Herzen ankommt. Nach diesen Kriterien hat der ARD- Fernsehpreisträger und mehrfache „Musical Award Gewinner“ wohl das Programm „Classics-Show“ zusammengestellt. Es lockte viele Besucher an, die den Saal des Festspielhauses Neuschwanstein in Füssen unter Berücksichtigung der Corona-Regeln füllten.

Bach mit jaulender Gitarre

Johann Sebastian Bach gehört zu den Vorbildern Nimsgerns. Wie er dessen Ave Maria und das c-Moll Präludium mit Fuge nach seinen Vorstellungen „zeitgemäß“ mit jaulender Gitarre und rasenden Läufen kraftvoll umsetzte, war ein Erlebnis besonderer Art und verdient höchste Anerkennung. Viele der weiteren Beiträge aus den Genres des Musicals und der Filmmusik könnten in Zukunft durchaus Klassiker werden. Die Gesangsdarsteller Chris Murray, Christopher Brose, Kristin Backes, Steffi Gröning und Frank Nimsgern (E-Piano und Gitarre) sowie die dreiköpfige Band mit Keyboard, Bassgitarre und Percussion bereiteten den Fans mit insgesamt 19 Titeln einen begeisternden Abend. Ohne die Leistungen der anderen Künstler schmälern zu wollen, darf Chris Murray mit seiner Bühnenpräsenz besonders herausgestellt werden. Er changiert mühelos mit seiner voluminösen, fokussierten Stimme vom Musical- in den Opernton. Solistisch begeisterte er mit dem gepfiffenen und mit tenoraler Stimme gesungenen „Steig herab kleiner Mann“ aus dem Musical „Der Ring“ und dem facettenreichen baritonalen Tonfall in der Hymne „Anthem“ aus dem Musical Chess.

Aktuelle Situation klingt immer mit

Er ist es auch, der zusammen mit Christopher Brose immer wieder auf den Bezug der Songs mit der gegenwärtigen Situation hinwies und ihre ermutigenden Impulse herausstellte. Stimmlich, schauspielerisch und tänzerisch passen Broses Gesänge „I Want It All“ und „Who Wants To Live Forever“ aus dem Musical Queen gut zu seinem Auftreten. Kristin Backes und Steffi Gröning waren nicht nur Backgroundsängerinnen, sondern agierten auch im Duett. Backes sang überzeugend mit Murray „Ich weiß, was zählt“ aus dem Musical „Der Mann mit dem Lachen“. Frisch und lebendig stimmten sie und Gröning die Filmmusik „Frei wie der Wind“ an. Eine atemberaubende Nummer zeigte Gröning mit der Vertikalbandakrobatik zur Musik „Feu de l’ eau“ und bei der Zugabe bot sie noch Stepptanzschritte.

"Time Warp" als I-Tüpfelchen

Zusammen sangen die Künstler „From Now On“ aus „The Greatest Showman“ und brachten Stimmung in den Saal. Der Song „See The Light“ war die ermutigende, hoffnungsvolle Aufforderung mit mächtig unterstützendem Sound der Band. Die Zugabe „Time Warp“ aus der „Rocky Horror Show“ bildete das I-Tüpfelchen, das die Herzen der Zuhörer höher schlagen ließ.