Saisonbeginn im Raintal

Füssener Hütte macht auf: "Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an die Hütte denke"

Mit einem Bagger wurde ein neuer Gastank für die Füssener Hütte installiert. Für die Wirtsfamilie Matthias Nack, Melanie Kerpf und Sohn Moritz beginnt nun der Hüttensommer.

Mit einem Bagger wurde ein neuer Gastank für die Füssener Hütte installiert. Für die Wirtsfamilie Matthias Nack, Melanie Kerpf und Sohn Moritz beginnt nun der Hüttensommer.

Bild: Mark Bihler

Mit einem Bagger wurde ein neuer Gastank für die Füssener Hütte installiert. Für die Wirtsfamilie Matthias Nack, Melanie Kerpf und Sohn Moritz beginnt nun der Hüttensommer.

Bild: Mark Bihler

Am Freitag beginnt auf der Füssener Hütte die Saison, schon seit Wochen bereitet sich die Wirtsfamilie darauf vor. Welche Logistik hinter der Öffnung steckt.
21.05.2022 | Stand: 16:37 Uhr

"Irgendwas ist immer". Trotz Sonnenschein am Morgen verfinstert sich die Miene von Matthias Nack. Gerade hat der Hüttenwirt der Füssener Hütte erfahren, dass der Bagger die Leitung des Überlaufs der Wasserversorgung erwischt hat. In keinem Plan war der Verlauf der Leitung genau eingezeichnet. Zwar ist das Leck schnell beseitigt, doch dafür sieht die Wiese vor der Hütte wegen der Graberei mitgenommen aus. Eben die Fläche, die eine Yogagruppe im Sommer für ihre Übungen braucht. "Das wird schon recht schnell wieder zuwachsen", macht Melanie Kerpf ihrem Ehemann Mut. "Hoffentlich", murmelt Nack.

Saison auf der Füssener Hütte beginnt 2022 früher

Dabei laufen die Vorbereitungen für den Saisonstart bisher perfekt. Ein neuer Gastank ist installiert, damit gibt es auf der Hütte mehr warmes Wasser. Zudem geht heuer die Saison gut zwei Wochen früher als gewohnt los. Weil der Winter schneearm war, musste die Fräse nur eine kurze Passage des rund 9 Kilometer langen Wegs hoch zur Hütte freiräumen. "2019 haben wir die Tür zum Hintereingang geschaufelt, dieses Jahr ist alles grün", sagt Melanie Kerpf. 20 Wochen dauert die Saison im Schnitt hier oben.

Für Hüttenwirt Matthias Nack immer ein denkwürdiger Moment: Die Tür zur Füssener Hütte öffnet sich nach dem Winter zum ersten Mal.
Für Hüttenwirt Matthias Nack immer ein denkwürdiger Moment: Die Tür zur Füssener Hütte öffnet sich nach dem Winter zum ersten Mal.
Bild: Mark Bihler

Der Weg von der Bärenfalle über die Musauer Alm ist die Lebensader der Füssener Hütte. Materialseilbahn gibt es keine, Lieferanten kutschieren Lebensmittel und Getränke auf dem Forstweg nach oben auf 1550 Meter. "Die Fahrer freuen sich immer wenn sie die Tour machen dürfen", sagt Nack und blickt sich um. Kein Wunder, bei dieser Kulisse: Die schroffen Kletterwände des Gimpel vor der Nase, links davon die Tannheimer Riesen Köllenspitze und Gehrenspitze.

Zwei Wochen vor der Hüttenöffnung geht es für das Wirtsehepaar in die heiße Phase. Die Lieferungen werden koordiniert, ebenso die noch ausstehenden Bauarbeiten. Für die sorgt die alte Hütte von selbst: Hier bröckelt der Putz, dort ist mal eine Leitung nach dem langen Winter undicht. "Da bleibt immer etwas Restwasser drin, das reicht aus", sagt Nack. Denn im Winter ist das Raintal ein Kälteloch. "Dieser Raum hier ist aber frostsicher", sagt der 35-Jährige als er im hintersten Winkel des Kellers steht. Dort parkt er deshalb über den Winter die Spülmaschine, damit das Gerät keine Frostschäden bekommt.

Bilderstrecke

Saisonstart auf der Füssener Hütte im Raintal

Im Frühjahr dann natürlich die Rolle rückwärts: Mit einem Helfer wuchtet Nack die Maschine wieder in die Küche, hernach lässt er die Luft aus den Gasleitungen. Der Generator läuft auch schon wieder. Im Gastraum montiert ein Helfer die Metallstützen ab, die dafür sorgen, dass bei viel Schnee das Dachgeschoss nicht nachgibt. Oben unterm Dach bezieht Melanie Kerpf im Akkord Kopfkissen für die 60 Betten. "Ich bin die Lagertante", lacht sie und blickt zufrieden auf den Stapel schlaffertiger Kissen. "Die Bettwäsche waschen und bügeln wir schon im Herbst. Dann haben wir das im Frühjahr schon erledigt".

Saisonstart auf der Füssener Hütte: Corona ist derzeit kein Thema mehr

Lesen Sie auch
##alternative##
Berge

Das „Eichhörnchen“ fliegt Bier und Nudeln zum Waltenbergerhaus

"Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an die Hütte denke", sagt Matthias Nack. Denn was kaum einer vermutet: Auch außerhalb der Saison gibt es oft was zu tun. Personal anwerben, größere Bauarbeiten koordinieren oder die Preise neu kalkulieren. "Wie alle müssen wir die Preissteigerungen dieses Jahr weitergeben", sagt der Hüttenwirt, der als gelernter Koch den Wareneinsatz genau im Blick hat. "Da kommen wir nicht herum. Leider."

Metallstützen sorgen in den den Wintermonaten dafür, dass bei viel Schnee das Dachgeschoss nicht nachgibt.
Metallstützen sorgen in den den Wintermonaten dafür, dass bei viel Schnee das Dachgeschoss nicht nachgibt.
Bild: Mark Bihler

Eine Sorge hat das Wirtsehepaar aber weniger: Corona ist derzeit kein Thema mehr. Das Wirtspaar sieht es schon an den Vorbestellungen. "Da merkt man eigentlich immer schon, wie die Saison wird", erklärt Nack. "Dieses Jahr sieht es gut aus". Fünf Aushilfen und vier Festangestellte bilden das Team im Sommer. Die vergrößerte Terrasse sorgt in Spitzenzeiten für genug Arbeit. Bis zu 100 Gäste tummeln sich an schönen Wochenendtagen dann vor und in der Hütte. An solchen Tagen arbeiten Matthias Nack und Melanie Kerpf 16 bis 18 Stunden.

Doch die 33-Jährige wird im Sommer etwas kürzer treten müssen. Im November bekommt die junge Familie Nachwuchs. Deshalb die Hütte abzugeben, kommt den beiden nicht in den Sinn. "Ich finde es gut, wenn meine Kinder hier oben aufwachsen", sagt Melanie Kerpf und schaut auf Sohn Moritz (2), der auf der Sonnenterrasse umherwuselt. Dann blickt sie kurz hinunter ins Tal und meint nur kurz: "eben am richtigen Fleck".

Lesen Sie auch: Jede Allgäuer Berghütte hat ihre ganz eigene Besonderheit. In unserer AZ Plus-Hüttenserie erzählen wir die Geschichten der Menschen dort und geben Touren-Tipps.