Pfronten

Heuer ohne Viehscheid-Fest: Pfrontener Jungrinder zurück im Tal

Zurück im Tal: Das Pfrontener Jungvieh.

Zurück im Tal: Das Pfrontener Jungvieh.

Bild: Benedikt Siegert

Zurück im Tal: Das Pfrontener Jungvieh.

Bild: Benedikt Siegert

Nach zwölf Wochen auf 1.400 Metern sind am Donnerstag 300 Rinder vom Schönkahler nach Pfronten zurückgekehrt. Wie Alphirt Florian Gögler den Sommer erlebt hat.

11.09.2020 | Stand: 07:06 Uhr

Das Vieh lässt sich an diesem Vormittag Zeit. Florian Gögler lehnt derweil ungeduldig an einem Gatter und holt das Handy aus seiner Hosentasche hervor. Der Alphirt will nachsehen, ob vielleicht eine Nachricht eingegangen ist, wo seine Herde bleibt. Fast zwölf Wochen hat er oben am Schönkahler (1456 Meter) verbracht mit den über 300 Rindern und 16 Rössern. Jetzt ist der Alpsommer zu Ende. Und der Hirte ist zum Warten verdammt. Gerade sagt ihm ein Bekannter, er habe die Rinder noch in der Nähe des Einsteins gesehen. Das heißt, es wird noch dauern.

Der Sommer in den Pfrontener Bergen war aus Sicht der Tiere ein guter

Weit über eine Stunde wird es am Ende noch brauchen, bis das Vieh den Weg durch das sogenannte Hölltal bis an die Vils zurückgelegt haben wird. So hat Gögler etwas Zeit, über die zurückliegenden Wochen zu sinnieren. „Es war ein guter Sommer für die Tiere“, sagt er. Das Wetter sei genau richtig gewesen für die Rinder: nicht zu heiß und nicht zu kalt.

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Pfrontener Jungvieh ist zurück im Tal

„Bloß das Gras ist heuer wegen der eher kalten Temperaturen schlecht gewachsen“, meint der Hirt. Da die Herde aber etwas kleiner gewesen sei als sonst, habe das Futter am Berg gereicht. „Am wichtigsten war eh, dass es keinen Unfall gab“, sagt Gögler.

Am Samstag werden die Tiere den Eigentümern übergeben, ohne die traditionelle Viehscheid

Um kurz nach zwölf ist dann das laute Schellengeräusch schon von weitem zu hören. „Jetzt wird’s auch Zeit!“ Die Rinder sind da. Oder besser gesagt, sie springen in Richtung Scheidbach Alp, entlang der Vils. Gögler muss nun überprüfen, ob alle Rinder vollzählig unten angekommen sind. Es ist in Pfronten nämlich Tradition, dass die Bauern das Vieh vom Berg herab treiben – und eben nicht der Hirt.

Eine Tradition wird heuer aber fehlen – die Pfronter Viehscheid. Sie findet heuer wegen Corona bekanntlich nicht statt. Deswegen wird am Samstag vieles anders sein als sonst, für den Hirt womöglich etwas stressfreier. „Das Anschellen und Kranzen fällt weg“, sagt Gögler. Dennoch gebe es bis dahin noch viel zu tun. Denn das Vieh werde heuer an der Scheidbach Alp geschieden. Ab 8 Uhr kommen dann die Bauern von außerhalb mit ihren Viehhängern und holen ihre Tiere ab. Bis dahin muss die Herde noch sortiert und vom Pfrontener Vieh getrennt werden, das noch eine Weile im Vilstal bleibt.