"Die ganzen Leute hier zu sehen, das ist phänomenal"

Pfrontener Sammlung für Ukraine findet großen Zulauf - Verkehr bricht fast zusammen

Vor Weißbach bis zur Einfahrt aufs TSV-Gelände staute sich die Kolonne der Spendenwilligen am Dienstagabend in Pfronten.

Vor Weißbach bis zur Einfahrt aufs TSV-Gelände staute sich die Kolonne der Spendenwilligen am Dienstagabend in Pfronten.

Bild: Matthias Wörz

Vor Weißbach bis zur Einfahrt aufs TSV-Gelände staute sich die Kolonne der Spendenwilligen am Dienstagabend in Pfronten.

Bild: Matthias Wörz

Der Aufruf, Bekleidung, Verbandsmaterial und weitere Hilfsgüter beim TSV-Vereinsheim abzugeben, lässt den Verkehr in Pfronten schier zusammenbrechen.
03.03.2022 | Stand: 13:10 Uhr

Mit so einem Ansturm hatte wohl keiner der Beteiligten gerechnet. Bei einer Sammelaktion von Hilfsgütern für die Ukraine am Dienstagabend hatte sich schon kurz nach Beginn eine große Autoschlange auf dem Weg zur Sammelstelle am Vereinsheim des TSV Pfronten im Ortsteil Berg gebildet. Aus einem weiten Umkreis strömten Leute herbei, um Medizin, Essen, Decken, Bekleidung, Hygieneartikel und vieles mehr für die Opfer des russischen Angriffs auf die Ukraine beizusteuern.

Ukrainerin in Pfronten: „Das Land steht unter Schock“

Organisiert wurde die Aktion von Alina Lyschak, die gebürtig aus der Ukraine kommt und dort viele Verwandte hat. „Das ganze Land steht unter Schock. Die Leute in Kiew sind ständigen Bombenangriffen ausgesetzt“, erzählt die 32-Jährige. Viele Menschen in dem Land hätten wegen des Kriegs kein Essen und Trinken mehr (alle Entwicklungen zum Ukraine-Krieg hier im Newsblog). Ihr Mann befindet sich gerade an der ukrainisch-polnischen Grenze, um dort mit anderen Freiwilligen humanitäre Hilfe zu leisten. Von dort erreichte Lyschak der Hilferuf nach den gesuchten Gütern, woraufhin sie sich entschied, in Pfronten eine Sammelaktion zu organisieren.

Überwältigende Hilfsbereitschaft bei Sammelaktion

Mit so einer gigantischen Hilfsbereitschaft aus der Region hatte die 32-Jährige aber nicht gerechnet. „Ich bin überwältigt, mehr fällt mir dazu gar nicht ein“, sagt Lyschak. Schon eine halbe Stunde vor dem ursprünglich angesetzten Beginn der Aktion hatten sich große Haufen von Kleidungsstücken und Decken vor dem Pfrontener Vereinsheim aufgetürmt. Die 32-Jährige hatte eigentlich nur in einer Gruppe beim Messenger-Dienst WhatsApp über die Spenden-Möglichkeit informiert. „Die Leute haben das dann immer weitergeleitet und so hat sich das rasend schnell verbreitet“, meint die Veranstalterin.

Spontane Sammelstelle

Bei Familie Köhler in Marktoberdorf-Thalhofen bildete sich beispielsweise spontan eine Sammelstelle für die Pfrontener Aktion. Auch wenn sie niemanden in der Ukraine kenne, sei ihr klar gewesen: „Wir müssen helfen“, sagt die frühere Musikschullehrerin Lilly Köhler, die kasachische Wurzeln hat. Sie klingelte auch ihre Nachbarschaft heraus – mit großem Erfolg. Am Ende war die ganze Köhler’sche Hauseinfahrt voller Hilfsgüter – Darunter haltbare Lebensmittel wie Konserven oder Müsliriegel, Taschenlampen oder auch Schmerzmittel. Auch Angehörige der Anwohner, die in anderen Ecken der Stadt leben, kamen rasch vorbei und brachten stapelweise Windeln, Binden, Bandagen, Verbandsmaterial, aber auch Fleecejacken, Schlafsäcke und andere nützliche Sachen für die Ukraine.

Martin Köhler erklärte sich gleich dazu bereit, die vielen hundert Hilfsgüter – unter anderem wurden fast 30 Decken gesammelt – zum Sammelplatz in Pfronten zu fahren. Auf den Rücksitzen und im Kofferraum seines Autos war kurz vor der Abfahrt in den Süden des Ostallgäus kein Fitzelchen Stauraum mehr frei geblieben (Lesen Sie auch: So können Allgäuer den Menschen in der Ukraine helfen).

Jedes kleine Teil zählt

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Wichtig war für die Sammelnden, sich an die vorgegebene Packliste zu halten. Zugleich wurden sie von den Organisatoren dazu ermutigt, auch die geforderten Kleinteile, etwa Batterien und warme Socken, zu spenden. „Es zählt ja jedes kleine Teil“, meint eine Anwohnerin. „Die Flüchtlinge, die irgendwo an einer Grenze in der Schlange stehen, haben ja nichts!“

Nun gilt es die ganzen Güter von Pfronten aus möglichst schnell dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. „Zuerst müssen wir die Sachen nach Ulm bringen, wo es eine Sammelstelle gibt. Von dort aus werden sie mit Lastwägen nach Polen in ein großes Lager gebracht“, erklärt Lyschak. Andere Lastwägen würden die Hilfsgüter dann über die sogenannte Grüne Zone sicher in die Ukraine bringen.

Für alle Beteiligten war es ein großartiges Zeichen, dass die Menschen zusammen helfen wollen. Eine Dame sagte, nachdem sie ihre Spende abgegeben hatte, merklich gerührt: „Die ganzen Leute hier zu sehen, das ist phänomenal und so eine schöne Geste in dieser Zeit!“

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