Viehscheid

Schwangauer Vieh-Hirte zieht Alpsommer-Bilanz - welches Problem er mit Tieren aus Laufställen hat

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Erleichtert, dass nach zwölf Kilometern Abtrieb alle Rinder wohl behalten auf der Reith-Alpe angekommen sind, stärkten sich die beiden Hirten, Johanna Ressle und Joseph Kotz (stehend hinten), gemeinsam mit ihren vielen Helfern mit der vorbereiteten Brotzeit von der örtlichen Alpengemeinschaft.

Bild: Foto: Johanna Lang

Erleichtert, dass nach zwölf Kilometern Abtrieb alle Rinder wohl behalten auf der Reith-Alpe angekommen sind, stärkten sich die beiden Hirten, Johanna Ressle und Joseph Kotz (stehend hinten), gemeinsam mit ihren vielen Helfern mit der vorbereiteten Brotzeit von der örtlichen Alpengemeinschaft.

Bild: Foto: Johanna Lang

Joseph Kotz zieht nach dem Alpsommer als Hirte auf Alpe bei Schwangau Bilanz. Ihm und Kollegin Johanna Ressle machen Rinder aus Laufställen Probleme.
20.09.2021 | Stand: 06:38 Uhr

Es ist geschafft! Die 122 Schwangauer Rinder, die Johanna Ressle und Joseph Kotz den ganzen Sommer an der Jägerhütte (1422 Meter) und dem Mühleberger Älpele (1405 Meter) betreut haben, sind wohlbehalten nach zwölf Kilometern Abtrieb auf der Reith-Alpe angekommen. Nicht zuletzt Dank der etwa 25 Treiber. Insgesamt hatten die beiden auf 210 Rinder zu versorgen, darunter heuer auch ein Ochse.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, in dem es auch schon wegen der Pandemie die Absage der Viehscheidfestlichkeiten gegeben hatte, kamen sie diesmal ohne Kranzrind ins Tal. Bei einem der ersten Wärmegewitter des Jahres hat ein Blitz ein Rind erschlagen. Der Brauch sagt ja, bei einem Todesfall darf es keinen Kranz geben. Und die Schwangauer nehmen es mit ihrem Brauchtum immer ernst.

Alpsommer im Gebiet der Jägerhütte: Krankheiten spielten kaum Rolle

Alles in allem war es ein guter Sommer: Krankheiten spielten kaum eine Rolle. Allerdings war es auch ein nasser Sommer, dank dem es viel Futter gab, und trotzdem: „Mia san froh, dass es bei dem rutschigen Boden vor allem im August oben keine weiteren Unfälle gegeben hat“, freut sich Ressle.

Für sie war es nicht der erste Alpsommer, dafür aber für Kotz. Der war im vergangenen Jahr kurzzeitig für den erkrankten Hirten auf dem Mühleberger Älpele eingesprungen. „Und da hat mich das Alpfieber gepackt“, gesteht er – und das hält immer noch an. Ob die beiden im nächsten Jahr wieder gemeinsam auf die beiden Alpen gehen werden, wissen sie noch nicht. „Darüber haben wir noch nicht geredet“, sagen sie.

Tiere aus Laufställen sind nicht ans Halfter gewöhnt

Aber eines ist für Joseph klar: „Man muss Tiere mögen und sich ploga megn.“ Und das mag er, auch wenn die Arbeit mit den Tieren immer schwieriger wird, kommen doch immer mehr Jungrinder aus Laufställen mit hinauf. Diese sind wegen ihrer Freigänge im Stall – im Gegensatz zu den im Stall angebundenen Tieren – nicht an Halfter gewöhnt.

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Muss ein Laufstall-Tier auf der Alpe ausgesondert werden, weil es kränkelt, so widersetze es sich deutlich heftiger und vehementer gegen den „Strick“. Bei der vielen Muskelmasse der Rinder bedeutet das eine Kraftanstrengung für die Hirten.

Das weiß auch Christian Driendl, der seit Jahren der Hirte auf der Reith-Alpe ist und alle Tiere vor und nach dem Alpsommer betreut, aber auch die, die im Sommer „unten bleiben“. Mit den Taschen voller Salz für die „Viecher“ geht er bis zur Rohrkopfhütte, um die Tiere zu hüten.

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