Bormio

Haken dran

Wintersport Ski Alpin

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Bild: lg

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Die große Liebe ist es nicht. Aber auch kein Ort, den er tunlichst meiden möchte. Bormio und die gefürchtete „Stelvio“ bleiben Andreas Sander auch nach dem vergangenen Wochenende in „normaler“ Erinnerung. Rang 26 am Samstag, beste Saisonleistung in einem Abfahrtsrennen, ein erster, kleiner Schritt zurück auf dem langen Weg in die Weltelite. Dort, wo sich der Wahl-Allgäuer aus Burgberg schon mal befand. Bis das Kreuzband riss. Exakt vor einem Jahr. In Bormio.

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Von von Bernd Schmelzer
30.12.2019 | Stand: 17:03 Uhr

Passiert ist das Ganze bei der Landung nach dem mächtigen Sankt-Pietro-Sprung. Ein 60-Meter-Satz. Es zwickt kurz, aber Sander fährt weiter – den Trainingslauf zu Ende. Und dann zwei anstrengende Rennen. „Gespürt hat man nur etwas in einer extrem tiefen Bewegung. Richtig behindert hat mich das aber nicht“, erzählt der Wahl-Allgäuer gelassen. Festgestellt wurde der Kreuzbandriss erst über eine Woche später. „Plötzlich ging es nicht mehr, insbesondere das Riesenslalom-Training“, sagt der 30-Jährige. Die Diagnose: niederschmetternd. „Schließlich hatte ich diese Verletzung schon einmal“, sagt Sander, der nach der Operation mit dem Reha-Prozess beginnt.

In Bad Wiessee anfangs zusammen mit Thomas Dreßen, der Ähnliches einen Monat zuvor erleiden musste. Später kam der Teamkollege sogar ein zweites Mal. Da bereitete die Schulter Kopfzerbrechen. Sander selbst saß zwischen den Einheiten „viel vor dem Fernseher“. Skirennen anschauen. Aber anders als bislang. Intensiver. „Ich habe versucht, mich an den Konkurrenten zu orientieren, wie sie bestimmte Dinge machen und was ich daraus lernen kann.“ Der gebürtige Schwelmer (Ennepe-Ruhr-Kreis) nutzt die Zeit sinnvoll. Die unfreiwillige Ski-Pause tut ihm plötzlich sogar gut: „So blöd es klingt, aber geistig und auch körperlich hat mir das nicht geschadet. Im Gegenteil.“

Mal sind es Kreuzworträtsel, mit denen er sich die Zeit vertreibt, mal ist es ein Buch. Und natürlich: die Familie. Ehefrau und Sohnemann haben 2019 mehr Aufmerksamkeit denn je bekommen. „Eine neue Situation, die wir aber genossen haben,“ strahlt Sander. Im heimischen Burgberg standen zudem einige Tennismatches und Bike-Touren auf dem Aufbauprogramm. Die geliebten Bergwanderungen aber mussten größtenteils gestrichen werden. „Bergab laufen ist gar nicht gut für die Knie,“ erklärt er. Die Alternative: zu Fuß nach oben und dann mit der Bergbahn wieder hinunter ins Tal. „Mit den Ski habe ich das schon ziemlich früh gemacht, Ende März, Anfang April. Morgens hinauf zum Ifen und mit der Bahn zurück zum Parkplatz.“

Multi-Talent Sander – „beim Windeln wechseln und Essen zubereiten für den Kleinen habe ich schon eine gewisse Routine“ – freut sich zudem über eine planmäßig verlaufende Rückkehr in den Hochleistungssport. Bereits Ende Juli steigt er ins Skitraining ein und spult sein angepasstes Programm ab. Am 30. November dann das Comeback im kanadischen Lake Louise. Interessanterweise geht ihm in der Folge der Super G leichter von der Hand als die Abfahrt. „Teilweise lag es an den Wetter-Bedingungen, teilweise an der Material-Abstimmung und natürlich am noch nicht vorhandenen Selbstvertrauen,“ analysiert Sander den bisherigen Saisonverlauf.

In Bormio, kurz vor dem Jahreswechsel, schließt sich der Kreis. Mit der Wende zum Positiven? „2020 möchte ich mich skitechnisch wieder so präsentieren, wie vor der Verletzung. Locker halt. Aber dafür brauche ich Geduld.“ Das ist das eine Ziel. Das andere: mal wieder ein Spiel seines Lieblingsklubs schauen. Borussia Dortmund hat Andreas Sander 2019 nämlich live im Stadion nicht gesehen. Was ihm in den Jahren zuvor mindestens einmal gelungen war. Zur Vorbereitung auf den Januar, den Monat mit den Abfahrts-Klassikern in Wengen, Kitzbühel und Garmisch, hält er sich im Allgäu auf. In Burgberg. Silvester genießen (ohne Feuerwerk übrigens, „da leisten wir unseren Beitrag für den Umweltschutz“) mit der Familie – um endlich einen Haken an das Jahr 2019 machen zu können.

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