Oberstdorf/Oberallgäu

Auf dem Fellhorn ein gelungener Start in die Sommersaison

Fellhorn

Seit Samstag sind die meisten Bergbahnen (wie hier am Fellhorn) in Betrieb und freuen sich über einen gelungenen Start. Aber auch dort heißt es: Abstand halten. Gegenüber dem Winter ist die Warteschlange im Tal vergleichsweise kurz. Allerdings dürfen die zwei Großkabinen derzeit nur zu 35 Prozent belegt werden.

Bild: Ulrich Weigel

Seit Samstag sind die meisten Bergbahnen (wie hier am Fellhorn) in Betrieb und freuen sich über einen gelungenen Start. Aber auch dort heißt es: Abstand halten. Gegenüber dem Winter ist die Warteschlange im Tal vergleichsweise kurz. Allerdings dürfen die zwei Großkabinen derzeit nur zu 35 Prozent belegt werden.

Bild: Ulrich Weigel

Nach der erzwungenen Ruhepause fahren jetzt wieder viele Bergbahnen auf die Gipfel. So hat sich die Fellhornbahn auf die Ausflügler vorbereitet.

01.06.2020 | Stand: 18:30 Uhr

Peter Hübenett blättert genussvoll die Zeitung um. Kaffee und Brezel gehören für ihn dazu. Das 75. Mal macht er seit Samstag Urlaub in Oberstdorf; und da geht es für ihn regelmäßig zur Morgenlektüre mit der Bergbahn in die Höhe. Wenn sie denn fährt. Am Wochenende haben etliche Bergbahnen ihren Betrieb wieder aufgenommen. Einen Start nach Maß gab es beispielsweise am Fellhorn: Auf einen ruhigen Samstag zum Eingewöhnen und folgten zwei betriebsame Feiertage, an denen wieder deutlich mehr los war auf dem Berg.

"Allgäu Rundschau

Für die Mitarbeiter der Fellhornbahn beginnt der Tag früh. Nach der technischen Prüfung fahren sie um 7.45 nach oben. Routiniert erledigen Gastro-Kräfte ihre Aufgaben, schalten Geräte ein, bereiten Kaffee und frische Brötchen, Würstchen und Salat vor, ehe eine Stunde später die ersten Gäste eintreffen. Und doch ist alles anders. Viele Abläufe haben sich verändert. Hygieneregeln erfordern zusätzliche Aufgaben wie das regelmäßige Putzen der Tische und der eigens angebrachten Trennscheiben zwischen den Tischen mit Desinfektionsmittel.

Draußen, auf der großen Terrasse, geht es ohne Plexiglas. Liegestühle suchen Gäste an der Station Schlappoldsee allerdings vorerst vergeblich. Denn das Gastro-Team wäre dann auch verantwortlich, dass keiner Liegestühle zu nah zu anderen schiebt. „Manches muss man nicht verstehen – das ist halt so und wir halten uns dran“, sagt Armin Meitinger, der die Gastronomie leitet.

Die Vorbereitungen für die Wiederöffnung hatten es in sich. Waren zu Beginn der Pandemie Desinfektionsmittel rar, so mangelte es nun eher an Plexiglas und robusten Bodenaufklebern, die auf Asphalt gut haften, sagt Jörn Homburg von der Bergbahn. In den Toiletten wurde von Händetrocknern mit Luftstrom auf Papierhandtücher umgerüstet. Und die Mitarbeiter überlegten, wie sie die Abläufe im SB-Restaurant corona-konform optimieren. Ergebnis: Die Gäste bedienen sich nur bei geschlossenen Lebensmitteln (wie Limoflaschen) selbst. Bei Salatbüffet und Kuchentheke übernimmt die Ausgabe die Küchenmannschaft.

Die Neuerungen beginnen schon am Restaurant-Einlass. Mitarbeiter begleiten die Gäste jeweils zu einem freien Tisch und achten darauf, dass der Zettel mit den Kontaktdaten ausgefüllt wird. So wie man es auch in der Gastronomie im Tal machen muss. All das braucht mehr Personal. Allein Einlass und Platzanweisung beschäftigen bei größerem Andrang drei Leute. Dazu kommen Aufgaben wie das regelmäßige Desinfizieren. Gastro-Chef Meitinger ist überzeugt, dass sich die Abläufe schnell einspielen. „Wir haben ein gutes Team – das funktioniert.“ An die Wintersaison mit viel, viel mehr Gästen mag er unter diesen Umständen aber nicht denken. „Ich hoffe, das ist bis Winter gegessen.“

Und die Gäste? „Die sind sehr diszipliniert; niemand tanzt aus der Reihe“, freut sich die Vize-Gastronomieleiterin Claudia Philipp. Denkt einer nicht dran, wird höflich nachgeholfen. So wie bei einem durstigen Bergwanderer, der sich sein „Helles“ erst mal ohne Maske organisieren will. Doch ein Hinweis reicht, und auch seine Schutzmaske hängt ordentlich vor dem Gesicht.

Derweil bringt die Bahn im festen Rhythmus Fahrgäste auf den Berg. Bereits ab 9 Uhr ist jede Kabine voll belegt – allerdings nur zu 35 Prozent. Mehr ist in Deutschland (anders als in Österreich) nicht erlaubt. Die Menschen seien froh, dass sie rauskönnen, weiß Meitinger. Dazu zählen Ute und Dieter Greiner aus Lörrach. Sie haben kurzfristig ein Hotelzimmer in Fischen gebucht und genießen es, dass auf ihrem Lieblingsberg weniger los ist, als sie es vom Skifahren im Winter kennen. Sie loben, dass dort wie auch im Hotel alles sehr gut vorbereitet war.

Daheim langweilig

Froh sind freilich nicht nur Urlaubsgäste und Tagesausflügler. Auch Bergbahn-Mitarbeiter schätzen es, dass die verlängerte Saisonpause vorbei ist und sie Arbeit haben. Nach ein paar Wochen daheim wird es langweilig, sagt Meitinger. So schön eine Auszeit sein mag, Spaß macht sie vor allem dann, wenn man auch was unternehmen kann. So wie Urlauber Peter Hübenett. Seine Zeitung hat er durchgelesen. Nun stöpselt er die Kopfhörer in sein kleines Radio und genießt den Vormittag mit prächtiger Bergsicht.