Allgäu-Strom Volleys Sonthofen

Ein Fall für zwei: Dieses Duo hat bei den Sonthofer Volleys das Sagen

Teammanagerin, Sportliche Leiterin und gemeinsam das Trainerduo für die Dritte Liga. Vanessa Müller (links) und Veronika Kettenbach leiten fortan die sportlichen Geschicke bei den Allgäu-Strom Volleys Sonthofen.

Teammanagerin, Sportliche Leiterin und gemeinsam das Trainerduo für die Dritte Liga. Vanessa Müller (links) und Veronika Kettenbach leiten fortan die sportlichen Geschicke bei den Allgäu-Strom Volleys Sonthofen.

Bild: Dominik Berchtold

Teammanagerin, Sportliche Leiterin und gemeinsam das Trainerduo für die Dritte Liga. Vanessa Müller (links) und Veronika Kettenbach leiten fortan die sportlichen Geschicke bei den Allgäu-Strom Volleys Sonthofen.

Bild: Dominik Berchtold

Vanessa Müller und Veronika Kettenbach übernehmen das Zepter bei den Allgäu-Strom Volleys Sonthofen. Die beiden 29-Jährigen stehen vor einer Mammutaufgabe.
27.08.2021 | Stand: 11:14 Uhr

Sie haben ein hartes Los gezogen – aber sie legen sich mächtig ins Zeug für das Projekt. Veronika Kettenbach und Vanessa Müller bilden das neue Trainergespann bei den Allgäu-Strom Volleys Sonthofen. Die beiden 29-Jährigen übernehmen die sportliche Führung beim hochrangigsten Allgäuer Volleyball-Club in einer immens prekären Lage.

Seit März 2020 hangelt sich der Verein von Neuanfang zum Umbruch, vom Restart zur Frischzellenkur: Auf den freiwilligen Rückzug aus der 2. Bundesliga folgte der Lockdown, auf einen Mini-Restart in der Dritten Liga folgte der Rücktritt von Meistercoach Veronika Majova, auf den neuerlichen Neuanfang im Frühsommer ein ungekannter personeller Aderlass im Kader vor wenigen Wochen. „Es ist nicht schön und sehr traurig für uns mitanzusehen, wie sich der Verein in den vergangenen Jahren entwickelt hat“, sagt Eigengewächs Vanessa Müller. „Man kann es schwer begreifen und es bewegt uns sehr. Aber wir schauen, dass wir anpacken, wo es geht.“

Veronika Kettenbach: "Es liegt viel vor uns"

Dass Kettenbach zudem Sportliche Leiterin des Vereins ist und Müller überdies als neue Teammanagerin die Strippen im Hintergrund zieht, erleichtert die Aufgabe der neuen Trainerinnen im Zuge des sportlichen Neuaufbaus nicht gerade. Die bisherige Teammanagerin Franziska Dillinger erwartet das zweite Kind und zieht sich aus der Organisation zurück. „Wir haben ein ordentliches Paket zu tragen, aber wir sind guter Dinge, dass alle im Verein mitziehen. Es liegt viel vor uns“, sagt Kettenbach.

Die gelernte Zuspielerin ist seit 2015 in Sonthofen, wurde 2017 mit dem denkwürdigen Team Zweitliga-Meister und ist seit 2018 Sportliche Leiterin. Für Kettenbach war klar, dass sie „nach drei Jahren Pause vor allem wieder spielen wollte“, sagt die 29-Jährige. Da sich die Trainersuche nach der Auszeit von Veronika Majova aber enorm schwierig gestaltete, gibt es nun die interne Lösung.

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„Die Suche war sehr problematisch, insbesondere durch die Pandemie“, sagt Vanessa Müller. „Es war früh abzusehen, dass Trainer ungern aus weiter Entfernung ins Allgäu kommen. Lange war nicht klar, wie es weitergeht.“ Drei Bewerber hatten Kettenbach, Müller, Abteilungsleiter Peter Müller und Geschäftsführer Christian Feger in der engen Auswahl – aus unterschiedlichen Gründen zerschlugen sich die Alternativen allerdings. Die interne Lösung sieht nun vor, dass sich Kettenbach und Müller das Amt zusätzlich zu ihren Funktionen im Club teilen – beide verfügen über die B-Trainer-Lizenz. Trainingsplanung und -steuerung stimmt das Duo mit Athletik-Trainerin Franca Blanz, ehemalige Mittelblockerin zu Zweitliga-Zeiten, ab. „Wir alle haben eine andere Lösung bevorzugt, aber es blieb uns nichts übrig“, sagt Kettenbach. „Wir können uns abwechseln und so der Mannschaft intensiver auch als Spielerinnen helfen.“ Das Team wird es brauchen.

Volleys beklagen personellen Aderlass im Kader

Zwar haben die Volleys bereits Mitte Juni die Vorbereitung aufgenommen, zunächst mit Athletiktraining und lange lediglich auf Sand, weil die Hallen geschlossen waren. Doch der personelle Aderlass ist brutal: Kapitänin und Zuspielerin Nadja Roth kehrte dem Verein ebenso den Rücken wie Charlotte Ansel, Christina Wirth und ihr Ehemann Robin, der letztjährige Co-Trainer. Mona Gärtner (Ausland) und Anna Kaiser haben Sonthofen studienbedingt verlassen, ebenso fehlen Nadine Burbrink und Vanessa Herz.

Eine große Bürde, mit der Kettenbach und Müller ein neues Kapitel Sonthofer Volleyball-Geschichte aufschlagen müssen. „Bei allen Problemen war es für uns alle schön, überhaupt wieder in der Halle stehen zu können“, sagt Kettenbach. „Für mich persönlich ist es noch wahnsinnig schwer, das Amt der Trainerin mit meinem Wunsch, wieder Spielerin sein zu können, zu verbinden. Als Zuspielerin werde ich recht wenig wahrnehmen können, weil ich zu sehr in das Spiel involviert bin.“ Deshalb wollen sich die Coaches abwechseln und gemeinsam auf das Team einwirken.

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Immerhin besteht die bisher zwölfköpfige Mannschaft aus etlichen jungen Spielerinnen, zumeist auch und vor allem Drittliga-unerfahren. „Es ist schwer, viel über die Mannschaftszusammensetzung zu sagen, weil wir praktisch nur bei einem Foto-Shooting alle Mädels beisammen hatten“, gesteht Vanessa Müller. „Wir werden uns nach und nach ein besseres Bild davon machen können, wenn die Mannschaft komplett ist.“

Vorbereitung in der heißen Phase: Tests und Turniere

Dreimal wöchentlich trainieren die Volleys – in der heißen Phase der Vorbereitung bietet Kettenbach zudem noch zweimal Vormittagstraining mit der zweiten und dritten Mannschaft an. Nach vielen Wochen des Athletik- und Techniktrainings schleift das Trainergespann ab den letzten Augusttagen nun auch Taktiken und Spielformen im Sechs-gegen-Sechs ein. Ab dem 2. September steht ein Trainingslager in der Heimat mit Tests gegen Ulm und Planegg an, ehe es zu einem Vorbereitungsturnier nach Fellbach und für die Generalprobe am 19. September zu einem Testturnier nach Augsburg geht. Ein Monat bleibt noch, ehe die Drittliga-Saison am 25. September startet.

Eine Reise ins Ungewisse für den Sonthofer Volleyball. „Die Jungen haben auch von Maja schon viel gelernt und müssen alles mitnehmen. Wir werden sie aber auch in die Pflicht nehmen, da wird niemand mit Samthandschuhen angefasst“, sagt Vanessa Müller. Und ihre Trainerkollegin ergänzt: „Alle haben Bock, dass es wieder losgeht, haben Lust, wieder in der Halle zu sein“, sagt Veronika Kettenbach. „Für uns alle ist es nicht leicht, aber wir hoffen, dass wir etwas aufbauen können und dass wir das ganze Leben im Verein wieder in eine erfolgreiche Richtung lenken können.“