Eisenbahn-Liebhaber

Ein Mann und seine Leidenschaft

„Eine Modellbahn darf nie fertig sein.“ Auch mit 75 baut Alfred Hasel immer noch begeistert an seiner Gartenbahn in Immenstadt.

„Eine Modellbahn darf nie fertig sein.“ Auch mit 75 baut Alfred Hasel immer noch begeistert an seiner Gartenbahn in Immenstadt.

Bild: Matthias Becker

„Eine Modellbahn darf nie fertig sein.“ Auch mit 75 baut Alfred Hasel immer noch begeistert an seiner Gartenbahn in Immenstadt.

Bild: Matthias Becker

Alfred Hasel hat in seinem Garten eine große Eisenbahn-Landschaft geschaffen. Die ganze Anlage ist wohl durchdacht und das Hangwasser wird zum „Dorfbach“ umgewandelt. Wenn nicht gerade eine Kuh darin landet
23.08.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Die schwere Lokomotive schiebt sich stampfend vier Meter hoch und wieder runter und hält dann mit kreischenden Rädern im Bahnhof „Kronenhang“. Dort wird sie schon von Bahnhofsvorsteher Alfred Hasel erwartet. Der 75-jährige Immenstädter steht immer noch in Diensten seiner großen Leidenschaft – dem Modellbahn-Bau. Und die hat in seinem Garten eine beeindruckende Größe erreicht: 14 Meter breit und bis zu vier Meter hoch den Hang hinauf erstreckt sich die Gartenbahn-Anlage.

Als Kind schenkte ihm sein Großvater eine Modellbahn. Seither – fast 60 Jahre lang – hat ihn die Liebe zu den kleinen Loks und Zügen, zu detailgenauen Dörfern und Landschaften nicht mehr losgelassen. Früher waren es die kleineren Modelle H 0 oder N, heute sind es die großen Züge der Gartenbahn. So hat er den steilen Nordhang seines Gartens am Fuß des Mittags in eine Gebirgslandschaft umgestaltet.

Seit 35 Jahren versieht er das Areal mit Gleisen, Brücken, Straßen, Tunnel, Wohnhäusern, Bauernhöfen, Burgruinen, Kirchen, Figuren aller Art, Büschen und kleinen Bäumchen. Das Bild, das sich dem Betrachter bietet, ist so detailgetreu und wirklichkeitsnah, dass es einen nicht wundern würde, wenn die kleinen Mensch- und Tierlein plötzlich anfangen würden, sich zu bewegen, zu sprechen, zu arbeiten und zu lachen.

„Eine Modellbahn darf nie fertig sein“, ist das Motto des ehemaligen Polizeibeamten. Und so gestaltet er die Anlage immer wieder um. Manchmal wird er aber auch dazu gezwungen. So schwemmen Wasserstürze nach der alljährlichen Schneeschmelz Teile davon weg, senkt sich der Hang ab, fallen Bäume um – „und einmal stürzte sogar eine Kuh nach einer Keilerei über den Hang und die Bahn in den Hof“, erzählt Hasel.

An einer Gartenbahn müsse man – im Vergleich zu den Modellanlagen im Haus – eben ständig reparieren und nachbessern. Doch das macht dem Immenstädter nichts aus. Im Gegenteil, es macht ihm immer noch Freude. Außerdem hat er einen Trost: „Auch die echten Bahnbauarbeiter müssen auf den Gebirgsstrecken tagtäglich nachbessern“, sagt der 75-Jährige.

Dabei habe er gelernt, nicht gegen die Natur zu arbeiten, sondern sich mit ihr zu arrangieren. Beispielsweise fängt er das Hangwasser auf und leitet es entweder in einen Tobel oder in einen „Dorfbach“ durch die Anlage, bevor es in einer Kanalableitung verschwindet. Mitunter musste er aber auf Nummer sicher gehen. So liegen die Gleise, die wegen der Pflege der Anlage begehbar sein müssen, auf Betontrassen, die er in den Hang eingearbeitet hat. Dazwischen stehen Felsbrocken, die dem Ganzen Halt geben.

Hilfe von den Enkeln

Wer denkt, eine Gartenbahnanlage ist eine rein grobe Sache, der irrt. Bei Hasel hat das digitale Zeitalter in der Steuerung Einzug gehalten. Deshalb ahmen beispielsweise die Lokomotiven alle Töne – von stampfenden Rädern bis quietschende Bremsen – so echt nach, wie er sie ihnen per Computer eingibt. Mittlerweile muss der Pensionär nicht mehr alles selber machen. Seine beiden elfjährigen Enkel Lukas und Jonas helfen ihm dabei tatkräftig. Auch sie sind bereits mit dem Modellbau-Virus angesteckt.

So kann sich der Opa auch mal zurücklehnen und an alte Zeiten erinnern. Als er mit seinen Freunden vom Modelleisenbahnclub Oberallgäu-Kempten einen echten Bahnpostwagen in einen Ausstellungswaggon umbaute und damit durch ganz Deutschland und halb Europa tourte – gezogen vom legendären „Rheingold“. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.