Lockdown

Friseure demonstrieren in Sonthofen: Schweigeminute für sterbende Salons

Die 200 Teilnehmer der Demonstration auf dem Oberen Markt in Sonthofen legten eine Schweigeminute ein, um ein Zeichen für die sterbenden Friseursalons zu setzen.

Die 200 Teilnehmer der Demonstration auf dem Oberen Markt in Sonthofen legten eine Schweigeminute ein, um ein Zeichen für die sterbenden Friseursalons zu setzen.

Bild: Sophia Ungerland

Die 200 Teilnehmer der Demonstration auf dem Oberen Markt in Sonthofen legten eine Schweigeminute ein, um ein Zeichen für die sterbenden Friseursalons zu setzen.

Bild: Sophia Ungerland

Für viele Friseure in Kempten und dem Oberallgäu geht es ums Überleben. Deswegen verschaffen sie sich jetzt mit einer Demonstration in Sonthofen Gehör
19.01.2021 | Stand: 18:02 Uhr

Eine Schweigeminute für das Sterben der Friseursalons war der Höhepunkt der Demonstration: Zweihundert Menschen hielten am Montagabend Grablichter, Kerzen, Laternen und Smartphones in die Höhe, um ein Zeichen zu setzen. Denn der Lockdown trifft sie mit voller Härte. Organisiert haben die Demonstration in Sonthofen die Innungen, um den Friseurinnen und Friseuren Gehör zu verschaffen.

Die Obermeisterinnen der Friseurinnungen Oberallgäu und Kempten, Regine Volkelt und Jutta Sonntag, fordern bei der Versammlung konstruktive Gespräche mit der Politik, um baldmöglichst wieder öffnen zu können. Leitspruch der Aktion ist: „Wir machen schön und nicht krank, wir fehlen dem ganzen Land“. Den greift auch die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller in ihrer Rede auf: „Mit einem Schmunzeln möchte ich sagen, ich bin auch gerne schön.“ Sie nehme die Forderungen auf und werde sie nach München tragen.

Friseure leben von ihren Ersparnissen

Unter den Teilnehmern ist auch Susanne Völker, Inhaberin des Friseursalons „Hair & More“ in Kempten. Sie ist 58 und will „noch ein paar Jahre arbeiten“, sagt sie mit einem kämpferischen Unterton in der Stimme. Völker klagt über ihre finanzielle Situation. Das Finanzamt buche einfach von ihrem Konto ab. „Da fragt keiner: Sind Sie im Lockdown?“, erzählt sie. Auch Marlene Mayer ist vor Ort. Sie ist als Selbstständige im Studio von Völker tätig. „Wir leben privat auch noch, aber das fragt keiner“, sagt sie. Momentan schlagen sie sich mit ihren Ersparnissen durch.

Friseurin fragt: "Sollen wir aussterben?"

Doch „2020 war schlecht“, sagt Mayer. Sie habe in dem Jahr kein Geld zur Seite legen können. Während der ersten Corona-Welle waren die Friseursalons bereits rund sechs Wochen geschlossen und nun sind seit 16. Dezember weitere fünf Wochen dazu gekommen. Am liebsten würden Völker und Mayer schon morgen wieder in ihr Haarstudio zurückkehren und die Schere in die Hand nehmen. Sie haben Vertrauen in die Wirksamkeit der Hygienebestimmungen und fürchten sich auch nicht vor neuen Virus-Mutationen. „Wir müssen von irgendwas leben oder sollen wir aussterben?“, fragt Mayer. Auf Völker lastet derweil eine besondere Verantwortung. Als Inhaberin fühlt sie sich den selbstständigen Friseurinnen in ihrem Studio verpflichtet. Denn wenn sie pleite geht, „dann fallen die anderen auch raus“, sagt sie. Das bereite ihr manchmal schlaflose Nächte.

(Lesen Sie auch: Lockdown wird offenbar bis 14. Februar verlängert, Schulen bleiben zu)

Alleinerziehende: "Oft muss ich zu meiner Tochter sagen: Das können wir uns nicht leisten"

Hart getroffen hat es in der Pandemie auch Sonja Rosin, Friseurin bei „Creative Art“ in Oberstdorf. Seit August ist sie dort angestellt und bezieht nun als Alleinerziehende 67 Prozent Kurzarbeitergeld. Doch das reiche nicht aus. Wie sie denn dann über die Runden komme? „So günstig wie möglich einkaufen und sparsam leben“, sagt die 41-Jährige bescheiden. Wenn es grad ginge, bekomme sie etwas Unterstützung von ihren Eltern. „Vielleicht mal ein bisschen was zum Einkaufen“, erzählt sie. Dass das Geld knapp ist, merkt auch ihre 14-jährige Tochter. „Oft muss ich sagen: Das können wir uns nicht leisten“, sagt Rosin. Den nächsten Monat könne sie noch durchstehen, „danach wird’s echt schwierig“.

(Lesen Sie auch: Frischfrisierte Profifußballer: Friseur-Verband befürchtet Druck auf Branche)