Entwicklungskonzept für Ortsteil von Sonthofen

Ideen für Altstädten: Ein lebenswertes Dorf, aber kein Museum

Der historische Dorfkern von Altstädten soll erhalten bleiben.

Der historische Dorfkern von Altstädten soll erhalten bleiben.

Bild: Benjamin Liss

Der historische Dorfkern von Altstädten soll erhalten bleiben.

Bild: Benjamin Liss

Mit großer Bürgerbeteiligung hat die Stadt Ideen für die Entwicklung von Altstädten erarbeitet. Jetzt wird die Liste von 70 konkreten Maßnahmen priorisiert.
16.10.2022 | Stand: 05:30 Uhr

„Ein lebenswertes Altstädten“, das ist das Leitbild für das Innenentwicklungskonzept, das für den Sonthofer Stadtteil in einem aufwendigen Prozess erarbeitet wird. Die Stadt will die dörfliche Struktur des Ortskerns erhalten. Dort gibt es viele Gebäude, die um 1800 und früher erbaut wurden und durch Nachverdichtung und Nutzungsänderungen bedroht sind. Gelingen soll das Projekt mit intensiver Bürgerbeteiligung. Dabei wird ein Konzept erarbeitet, das als Grundlage für einen späteren Bebauungsplan für die Ortsmitte dienen soll. Der ganze Prozess wird vom Amt für Ländliche Entwicklung gefördert.

Nach der Auftaktveranstaltung im Juli 2021, kamen von Oktober 2021 bis März 2022 die Arbeitskreise zusammen, um Ideen zu entwickeln. Es folgte ein Dorfrundgang mit Bürgern Ende März. Zuletzt fand ein Treffen der Vereinsvorstände statt. Jetzt wurden die Ergebnisse in einem Zwischenbericht Bauausschuss vorgestellt:

  • Leitbild: In einem ersten Schritt wurde ein Leitbild entwickelt: Altstädten soll den dörflichen Charakter bewahren, aber kein Museum sein, sondern ein Ort, an dem sich auch Menschen zwischen 20 und 40 Jahren wohlfühlen. Der Ort soll nicht über das Bahngleis hinauswachsen, aber um kleinräumige Neubaugebiete erweitert werden, die es jungen einheimischen Familien ermöglichen, sich anzusiedeln. Der Verkehr soll weniger, der ÖPNV ausgebaut und der Bahnhof einladender werden. Die Dorfstruktur mit dem Nebeneinander von Landwirten, Kleingewerbe, Bäckerei, Metzger, Dorfladen, Arzt und Freizeitanlage soll erhalten werden. Damit Nachbarn sollen einander noch kennen und das Dorfleben lebendig bleibt.

Tempo-30-Zone soll verlängert werden

  • Ziele: Arbeitsgruppen haben Ziele für die einzelnen Bereiche erarbeitet: Das Dorfleben soll durch ausreichend Begegnungsräume und -plätze im Ortszentrum belebt werden. Die Vereinsräume müssen verbessert und die Angebote für Jugend und Senioren ausgebaut werden. Im Bereich Bauen fordert der Arbeitskreis, den Verlust von weiteren Bauernhöfen im Ortszentrum zu verhindern, weil die Ersatzbauten nicht überzeugen und austauschbar wirken. Gelingen soll das mit einer Erhaltungssatzung im Bebauungsplan. Im Bereich „Öffentlicher Raum und Straßen“ wünschen sich die Altstädter eine Geschwindigkeitsreduzierung durch Verlängerung der Tempo-30-Zone in der Sonthofer Straße. Zudem soll die Bushaltestelle verlagert, ein Dorfplatz angelegt, die Beilenberger Straße teilweise gesperrt und der Platz am Glaserhof gestaltet werden.
  • Maßnahmen Daraus wurden 70 konkrete Maßnahmen abgeleitet. Das Spektrum reicht von sicheren Querungshilfen, Radwegen und Verkehrsinseln über die Ertüchtigung der Decke des Feuerwehrhauses und eine bessere Technik im Haus des Gastes bis hin zu einem Wohnprojekt, der Verbesserung des Hochwasserschutzes im Dorfbach und dem Bau eines Dorfgemeinschaftshauses.
  • Diskussion: Von den Mitgliedern des Sonthofer Bauausschusses gab es viel Lob für das erarbeitete Konzept: „Am Anfang war eine gewisse Gegenwehr zu erleben“, sagte Siegfried Zint (CSU) aus Altstädten. Doch durch die Möglichkeit zur Beteiligung in den Arbeitskreisen sei inzwischen im Ort „eine Zustimmung zu erkennen.“ Auch seine Fraktionskollegin Katharina Martin, ebenfalls aus Altstädten, lobte den Prozess. Sie warnte aber davor, dass für das Feuerwehrhaus höhere Kosten als bisher kalkuliert anfallen könnten.

Bürgerbeteiligung könnte chaotisch werden

  • Priorisierung: Bevor einzelne Schritte umgesetzt werden können, müssen die rund 70 Maßnahmen jedoch priorisiert werden, erklärte Martin Hofmann vom Planungsbüro „Hofmann und Dietz“ aus Irsee, das die Stadt bei dem Prozess begleitet. Er warnte davor, die Ziele mit allen Bürgern gleichzeitig zu gewichten. Das könne „chaotisch“ werden. Welches Gremium die Priorisierung durchführen soll, blieb in der Sitzung offen. Bürgermeister Christian Wilhelm regte an, ein Gremium mit Vertretern der Stadtratsfraktionen und der Arbeitskreise zu bilden.
  • Zeitplan: Nach der Vorstellung im Bauausschuss soll das Konzept noch einmal überarbeitet und dabei Anregungen der Bürger berücksichtigt werden. Im Dezember soll das Innenentwicklungskonzept fertiggestellt. Das fertige Konzept soll dann Anfang 2023 vom Stadtrat beschlossen und den Altstädtern vorgestellt werden. Die Mitglieder des Bauausschusses gaben jetzt grünes Licht für die Pläne und votierten einstimmig für das weitere Vorgehen.

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