Immenstadt geht voran

Wie sieht der Bergwald der Zukunft aus?

Immenstadts Stadtförster Gerhard Honold (links) zeigt dem grünen Landtagsabgeordneten Hans Urban, wo er und seine Kollegen Weißtannen gepflanzt haben, um die Diversität im Wald zu erhöhen und ihn weiter zu verjüngen.

Immenstadts Stadtförster Gerhard Honold (links) zeigt dem grünen Landtagsabgeordneten Hans Urban, wo er und seine Kollegen Weißtannen gepflanzt haben, um die Diversität im Wald zu erhöhen und ihn weiter zu verjüngen.

Bild: Luke Maguire

Immenstadts Stadtförster Gerhard Honold (links) zeigt dem grünen Landtagsabgeordneten Hans Urban, wo er und seine Kollegen Weißtannen gepflanzt haben, um die Diversität im Wald zu erhöhen und ihn weiter zu verjüngen.

Bild: Luke Maguire

Seit 2013 führt Immenstadt die Jagd in Eigenregie. Dadurch hat sich nicht nur die Rotwildpopulation erheblich reduziert, auch der Wald profitiert davon.
13.06.2022 | Stand: 18:30 Uhr

„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Gerhard Honold, während er auf Immenstadts Stadtwald blickt. Auf über 1000 Hektar erstreckt sich das Gebiet: vom Mittag über das Immenstädter Horn und den Stuiben bis hin zum Alpsee. Damit ist Immenstadt der größte kommunale Waldbesitzer im Oberallgäu, „wahrscheinlich auch in den bayerischen Alpen“, sagt der Stadtförster. Hauptsächlich ist hier Bergmischwald zu finden. Fichten, Buchen, Weißtannen und Bergahorn dominieren, vereinzelt gibt es Ulmen, Lärchen oder etwa Haselnuss, erzählt Honold. Über 60 Prozent der Immenstädter Waldfläche ist Schutzwald. „Ohne ihn wären Teile der Stadt nicht mehr bewohnbar“, sagt Honold.

Bei dem Ortstermin der Grünen nehmen unter anderem die Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und Hans Urban, Stadtrat Johann Lochbihler sowie Kreisrat und Revierförster Andreas Fisel teil, die sich ein Bild vor Ort machen und von Gerhard Honold erfahren, wie ein klimafitter Wald aussehen kann und mit welchen Herausforderungen die Förster umgehen müssen. (Lesen Sie auch: Naturpark Nagelfluhkette bietet Themenwoche „Wald“ und Tag der offenen Tür)

Immenstadt führt seit acht Jahren die Jagd in Eingenregie

Eine dieser Herausforderungen sei es, den Bergwald zukunftstauglich zu machen und zugleich dem Rotwild, Hirschen und Rehen einen angenehmen Lebensraum zu bieten. Ist die Population etwa zu groß, werden immer mehr junge Bäume verbissen und geschält – besonders beliebt beim Wild sind Weißtannen. Solche Schäden sind laut Honold in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Möglich wurde es, weil die Stadt seit 2013 die Jagd wieder in Eigenregie führt. „Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir die Jagdreviere weiter verpachten oder das selbst übernehmen“, erzählt Honold, der voll und ganz hinter der Entscheidung steht. Denn zwölf Jahre lang sei das Jagdrevier verpachtet gewesen und das habe nicht funktioniert.

Durch Schäl- und Verbissschäden durch das Rotwild hat der Bestand an Weißtannen stark abgenommen. In Immenstadt werden aber seit Jahren junge Bäume gepflanzt.
Durch Schäl- und Verbissschäden durch das Rotwild hat der Bestand an Weißtannen stark abgenommen. In Immenstadt werden aber seit Jahren junge Bäume gepflanzt.
Bild: Luke Maguire

Seit ein Berufsjäger eingestellt wurde, konnten sie die Rotwildpopulation niedrig halten, was wiederum komme dem Wald zugute: „Die Verbiss- und Schälschäden haben in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, sodass auch wieder junge Weißtannen überleben.“ Diese seien der Gradmesser dafür, dass sie die Jagd im Griff haben und der Wald weiter wächst. Insgesamt sei der Rotwildbestand auf drei Stück pro 100 Hektar zurückgegangen – allen voran durch Schwerpunktbejagung.

Traditionelle Jagd und Trophäenschauen passen nicht zum Wald der Zukunft

„Die Jagd hat dem Wald zu dienen“, sagt Honold und wird dabei von seinem Kollegen Fisel bestätigt. „Erst vor 20 bis 30 Jahren hat man erkannt, dass die Jagd waldorientierter sein muss.“ Ginge es nach Fisel, sollte es auch keine Trophäenschauen mehr geben. Die traditionelle Jagd müsse sich der heutigen Zeit anpassen.

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Auf dem Weg durch den Stadtwald zeigt Honold, welche Maßnahmen er und zuvor seine Vorgänger getroffen haben, um einen Wald zu schaffen, der gesund und klimaanpassungsfähig ist. Die Bäume sind teilweise 200 bis 250 Jahre alt. Die Hauptbaumart ist die Fichte mit etwa 70 Prozent, gefolgt von der Buche, Bergahorn und der Weißtanne. Eine optimale Verteilung wäre laut Fisel: Fichte zu 50 Prozent, Buche 30 Prozent, Tanne 20 Prozent. Deshalb wurden immer wieder Weißtannen gepflanzt, die seit ein paar Jahren weniger verbissen werden und so zur Waldverjüngung beitragen. Der Stadt wurde deshalb auch im Jahr 2019 der Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung verliehen. (Lesen Sie auch: Warum Pferde im Eichhörnchenwald in Fischen Baumstämme ziehen)

Förster Andreas Fisel: "Ein Wald muss enkeltauglich sein"

Honold und Fisel sprechen immer wieder von einem enkeltauglichen Wald. „Erfolge sehen wir erst in 50 Jahren“, sagt Honold. „Wir müssen uns überlegen, wie der Wald der Zukunft aussehen soll. Unsere Arbeit tangiert dann die Generationen nach uns.“ Ein Stichwort ist hier der Klimawandel: Der Wald müsse sich daran anpassen. Bäume aus dem Mittelmeerraum im Allgäu zu pflanzen, sei allerdings nicht die Lösung, sagt Honold. „Wir werden immer wieder Frostperioden haben, das überleben diese Bäume nicht.“ Vielmehr setzen die Förster auf die Weißtanne. Sie sei konkurrenzstark gegenüber anderen Baumarten und komme mit dem Klimawandel besser zurecht als etwa die Fichte. Sie wachse auch im Schatten, sei risikoarm und überbrücke Trockenphasen und Stürme besser. Sie sei Teil der Lösung – im Zusammenspiel mit anderen Baumarten.

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