Lesung im Schloss

Iris Wolff präsentiert "Die Unschärfe der Welt" in Immenstadt

Lesung im Immenstädter Schloss: Die vielfach ausgezeichnete Autorin Iris Wolff stellt ihren Roman "Die Unschärfe der Welt" vor..

Lesung im Immenstädter Schloss: Die vielfach ausgezeichnete Autorin Iris Wolff stellt ihren Roman "Die Unschärfe der Welt" vor..

Bild: Annette Hauschild

Lesung im Immenstädter Schloss: Die vielfach ausgezeichnete Autorin Iris Wolff stellt ihren Roman "Die Unschärfe der Welt" vor..

Bild: Annette Hauschild

Schriftstellerin Iris Wolff liest aus ihrem Roman "Die Unschärfe der Welt" im Immenstädter Schloss. Er erzählt in ungewöhnlicher Form vom Schicksal einer jungen Mutter.
21.10.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Auch in ihrem vierten Roman „Die Unschärfe der Welt“ beschäftigt sich die Freiburger Schriftstellerin Iris Wolff mit dem Leben der Menschen in Siebenbürgen. Sie erzählt von vier Generationen und ihrer tiefen Verbundenheit über alle Zeitläufte hinweg. Die Kritik ist begeistert, das Buch nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020, den Bayerischen Buchpreis in der Kategorie Belletristik 2020 sowie den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2020. Iris Wolff wird am Freitag, 23. Oktober, im Schloss-Saal zu Immenstadt aus ihrem Werk lesen. Mit der Autorin sprach Veronika Krull.

Sie kamen mit acht Jahren nach Deutschland. Aber das Land Ihrer Geburt lässt Sie nicht los. Was ist der Grund?

Iris Wolff: Die Frage habe ich mir auch oft gestellt. Das hat damit zu tun, weil es eine verlorene Welt ist, eine Welt, die als gelebtes Leben existiert hat und die es nicht mehr gibt: Die deutsche Minderheit ist fast vollständig ausgewandert. Literatur bietet die Möglichkeit, dass ich diese Räume betreten und auch die Leser mitnehmen kann.

Was war der Auslöser für „Die Unschärfe der Welt“?

Wolff: Es ist so, dass ich immer – das ist jetzt mein vierter Roman – anfange zu schreiben mit einem ersten Bild. Hier war das erste Bild eine junge Mutter, die in dichtem Schneetreiben ins Krankenhaus fährt und um ihr ungeborenes Kind bangt. Dieses Bild trug eine Stärke in sich, der ich folgen konnte. Am Anfang gibt es noch keinen Zusammenhang, dieser entsteht erst beim Schreiben. Bei meinen ersten Romanen hatte ich einen genauen Plan, was wann passiert, doch inzwischen kann ich mich darauf verlassen, dass sich die Geschichte beim Schreiben entwickelt. Natürlich muss ich irgendwann auch Entscheidungen treffen, wenn es um zeitgeschichtliche Momente geht wie das Regime von Ceauşescu, den Zusammenbruch des Ostblocks, den Mauerfall.

Wie gestalten sich Ihre Recherchen? Welche Rolle spielt Ihre Familie?

Wolff: Die Familie spielt schon eine große Rolle, weil dort bestimmte Themen angesprochen, immer wieder erzählt werden. Wichtig sind aber auch Geschichten von anderen Menschen, die sie mir anvertrauen, und die Befragungen von Zeitzeugen. Als Autorin ist man ja immer Geschichtensammlerin. Oder ich stoße auf einen Zeitungsartikel oder ein Buch. Ich recherchiere auch im Internet – es sind viele Quellen. Es ist ja eine fiktionale Welt, die sich aber auf die Wirklichkeit bezieht. Wenn man Zeitgeschichte erzählt, müssen die Hintergründe stimmen.

Die Kapitel werden jeweils aus der Sicht einer anderen Figur erzählt. Warum der Perspektivwechsel?

Wolff: Bei diesem Roman habe ich mir die Frage gestellt, ob es möglich ist, ein Leben zu erzählen, jedoch nicht aus der Perspektive der Hauptfigur, sondern anhand der Berührungen mit anderen Leben. Diese Erzählweise zeigt, dass wir in den Augen anderer Menschen immer auch eine andere Person sind. Identität ist etwas, das wandelbar ist, nicht feststeht.

Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns erlebt?

Wolff: Für mich war es zunächst wie ein Experiment. Die Welt war friedlich, die Vögel jubilierten, die Straßen waren leer, es waren fast paradiesische Zustände. Gleichzeitig habe ich, wie viele Künstler, natürlich eine Bedrohlichkeit empfunden. Dass jetzt im Herbst immer noch viele Veranstaltungen ausfallen, die Buchmesse nicht in gewohnter Form stattfinden kann, ist traurig und bedrohlich. Bedrückend ist vor allem die Ungewissheit, wie lange man das noch aushalten muss. Ich hoffe, dass wir es nächstes Jahr überstanden haben.

Lesung: Iris Wolff stellt ihren Roman „Die Unschärfe der Welt“ am Freitag, 23. Oktober, um 19.30 Uhr im Immenstädter Schloss-Saal vor. Karten gibt es nur telefonisch unter der Rufnummer 08323/9988501 oder online per E-Mail: literaturhaus@immenstadt.de