Fußballcamp im Oberallgäu

"Kids müssen raus!" Wie Ex-Profi Michael Rummenigge für den Nachwuchs kämpft

Michael Rummenigge absolvierte in seiner Profi-Karriere über 300 Spiele für den FC Bayern München und für Borussia Dortmund, wurde dreimal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger.

Michael Rummenigge absolvierte in seiner Profi-Karriere über 300 Spiele für den FC Bayern München und für Borussia Dortmund, wurde dreimal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger.

Bild: Karl Aumiller

Michael Rummenigge absolvierte in seiner Profi-Karriere über 300 Spiele für den FC Bayern München und für Borussia Dortmund, wurde dreimal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger.

Bild: Karl Aumiller

Ex-Profi Michael Rummenigge will ab dem 11. Juni seine Fußballschule in Missen ausrichten. Warum das Camp von essenzieller Bedeutung für die Kinder ist.
24.05.2021 | Stand: 18:53 Uhr

Es soll ein Lichtblick nach einer monatelangen Durststrecke werden. Mit der Michael-Rummenigge-Fußballschule will der TSV Missen-Wilhams auch im zweiten Pandemiejahr das erste Camp für Nachwuchskicker in der Region sein. Vom 11. bis zum 13. Juni soll das dreitägige Fußballcamp nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr seine Fortsetzung finden.

2020 waren unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie 87 Kinder bei den vier Trainingseinheiten dabei – aktuell stehen die Verantwortlichen vom TSV Missen-Wilhams um Thomas Rasch und Rainer Häfele nun an Pfingsten bei 60 Anmeldungen. Allen voran hofft der Namensgeber der Fußballschule auf eine erneute Austragung 2021. Drei Wochen vor dem Camp-Beginn hatten wir die Gelegenheit, mit Michael Rummenigge über den Stand der Vorbereitungen und über seine Hoffnungen für das Camp zu sprechen. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt der 57-jährige Ex-Profi, warum eine Rückkehr zur Normalität vor allen Dingen für den Sportnachwuchs von essenzieller Bedeutung ist.

Herr Rummenigge, drei Wochen sind es noch bis zum Startschuss in Missen. Wie ist der aktuelle Stand – kann das Camp stattfinden?
Michael Rummenigge: Wir sind auf einem guten Weg. Unter den aktuell geltenden Auflagen können wir das Camp auf alle Fälle ausrichten. Und wir haben schon 2020 Erfahrungen mit den Corona-Auflagen gemacht. Wir haben auch für dieses Jahr gut ausgearbeitete Hygienekonzepte und deshalb sind wir guter Dinge.

Ihre beiden Ostercamps in Sylt und ein weiteres in Hof mussten Sie schon absagen. Was macht Sie dennoch zuversichtlich für Missen?
Rummenigge: In Hof lag die Inzidenz damals bei 300, das war undenkbar. Einige andere Camps haben wir auf den Oktober verlegt. Wir haben auch im vergangenen Jahr einige wenige Camps verloren, aber die Lage wurde im Sommer besser. Und auch nun gehen die Zahlen wieder etwas nach unten. Vor Ort in Missen haben alle gezeigt, dass wir die Lage mit allen Kräften im Verein und mit Bürgermeisterin Martina Wilhelm wunderbar im Griff haben. Ende Mai haben wir unser erstes Camp an der Ostsee und da werden wir sehen, dass gut und gerne auch 85 Kinder alle Maßnahmen einhalten können.

Michael Rummenigge absolvierte in seiner Profi-Karriere über 300 Spiele für den FC Bayern München und für Borussia Dortmund, wurde dreimal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger.
Michael Rummenigge absolvierte in seiner Profi-Karriere über 300 Spiele für den FC Bayern München und für Borussia Dortmund, wurde dreimal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger.
Bild: Karl Aumiller

Kommt trotz der aktuellen Lage Vorfreude bei Ihnen auf?
Rummenigge: Absolut. Wenn wir mit den Kindern auf den Platz gehen, sieht man schnell, warum wir das Ganze machen. Wir brauchen in Deutschland wieder Straßenkicker – und wir holen sie auf den Rasen zurück. Und die Kinder brauchen das auch.

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Wie ist der Stand der Vorbereitungen?
Rummenigge: Das Camp steht. Wegen der Corona-Bestimmungen sind aber noch Details zu klären. Aber die Kollegen vor Ort sind in regelmäßigen Gesprächen mit der Bürgermeisterin und den Behörden – sodass wir guter Dinge sind.

Wie schade ist es für Sie, dass die Schule zum 25-jährigen Bestehen unter diesen speziellen Bedingungen stattfinden muss?
Rummenigge: Das schmälert das Ganze nicht. Auch nach 25 Jahren habe ich nach wie vor großen Spaß dabei – gerade auch mit den Vereinsverantwortlichen vor Ort. Wir haben das Problem mit Corona ja schon im vergangenen Jahr gehabt und wir sind froh, dass wir es überhaupt so ausrichten können. Es wird ein spezielles Trikot, Hosen und Stutzen in einem Jubiläumsoutfit für die Kids geben.

Wir sind im zweiten Jahr der Pandemie: Welche Lehren ziehen Sie aus dem Camp im vergangenen Jahr?
Rummenigge: Dass wir gelernt haben, in der Pandemie verantwortungsbewusst miteinander umzugehen. Masken zu tragen, Abstände einzuhalten, auch die Kinder dazu zu animieren – das alles hat funktioniert. Aber damit können wir leben – entscheidend ist für uns, was auf dem Platz passiert. Und wenn wir loslegen, sieht man das Leuchten in den Augen der Kinder. Dann ist nur noch Freude da.

Welche Vorkehrungen haben Sie für Missen getroffen?
Rummenigge: Wir können ein wenig sicherer sein, weil man – im Vergleich zum Vorjahr – nun testen kann. Hinzu kommt, dass etliche Beteiligte schon geimpft sein könnten, sodass wir durch diese Mechanismen nun auch Eltern auf die Anlage lassen können. Für alles andere waren die Rahmenbedingungen schon 2020 super. Die Abstände, die Kleingruppen bei den Mittagessen, etc. All das werden wir beibehalten.

Wie sehr sind Sie in die Vorbereitung vor Ort eingebunden?
Rummenigge: Ich telefoniere zwei- bis dreimal wöchentlich mit Rainer Häfele und Thomas Rasch vom TSV Missen-Wilhams. Der Standort ist toll, wir lieben das Allgäu und haben dort tolle Partner gefunden. Wir richten ein Camp bei Freunden aus und es ist immer ein besonderes Zusammenkommen im Allgäu.

Fällt es Ihnen schwer, ein an sich unbeschwertes Camp unter solchen Vorzeichen zu organisieren?
Rummenigge: Überhaupt nicht, wenn man die Freude bei den Kindern sieht. Es sind neue Voraussetzungen und denen muss man sich stellen. Natürlich wäre es schöner, wenn man wieder alles befreiter machen könnte. Aber sobald die Kids kicken können, sind sie wieder frei.

Wie verschieben sich die Trainingsinhalte durch Corona?
Rummenigge: Im Grunde gar nicht. Wir machen alles mit Ball, haben unsere Spezialtrainer für jede Altersgruppe von den Kleinen bis zu Trainern der U 17 dabei. Ansonsten gilt die Regel: Jedes Kind bekommt einen Ball. Wir vom Personal werden natürlich darauf achten, Abstand zu halten. Und soweit all das geht, wollen wir den Kids zeigen, dass auch wir nahbar sind und für jedes Kind mit Tipps bereitstehen.

Wie beobachten Sie die Schwierigkeiten, die die Kinder in der Pandemie zunehmend haben?
Rummenigge: Die Kinder wollen sich bewegen und das können sie in der Pandemie nicht mehr. Das spürt man ungemein. Deshalb wird es auch höchste Zeit, dass es wieder losgeht - die Kids müssen raus. Denn es gibt wenig Besseres, als sich in einer Fußballmannschaft zu treffen, zu kicken, auch mal Blödsinn zu machen. Früher war all das normal. Die Bewegung fehlt den Kindern in dieser Zeit ohnehin – wenn nun auch noch die Freunde wegbrechen …

Worum sorgen Sie sich langfristig?
Rummenigge: Wir müssen diese Entwicklungen schnell ausgleichen, es ist an der Zeit. Dabei bin ich nicht nur beim Fußballerischen, dass Spieler fehlen werden. Es ist unheimlich wichtig für Geist und Körper, dass die Kinder sich bewegen. Ich fürchte, dass die Kids weltweit im schulischen und im sportlichen Bereich ein bis zwei Jahre verlieren oder verloren haben. Das ist weg. Und man bekommt es nicht so schnell wieder.

Wie muss das Camp in Missen gelaufen sein, dass Sie am 13. Juni glücklich zurückblicken?
Rummenigge: Das Wetter ist trotz der Lage immer die Grundvoraussetzung für einen guten Ablauf – alles andere können wir ja steuern. Aber wenn ich die Kinder bei der Verabschiedung mit Medaillen und Urkunden sehe, ist schon viel getan. Und wenn dann auch noch die Eltern bestätigen, dass sie ihre Kinder wirklich erfüllt sehen, dann haben wir alles richtig gemacht.

Alle Informationen zum Camp und Anmeldung online unter www.fussball-schule.de