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Motorradfahrer am Jochpass: Zwischen „Problemfall“ und „Hetzkampagne“

Pässe und damit Kurven fährt jeder Biker am liebsten. Kein Wunder also, dass der Jochpass so eine Anziehungskraft auf Motorradfahrer ausübt.

Pässe und damit Kurven fährt jeder Biker am liebsten. Kein Wunder also, dass der Jochpass so eine Anziehungskraft auf Motorradfahrer ausübt.

Bild: Günter Jansen

Pässe und damit Kurven fährt jeder Biker am liebsten. Kein Wunder also, dass der Jochpass so eine Anziehungskraft auf Motorradfahrer ausübt.

Bild: Günter Jansen

Motorradfahrer am Jochpass: An der Bad Hindelanger Passstraße entzündet sich eine grundsätzliche Diskussion mit Wortgefechten zwischen Anliegern und Bikern.
26.09.2021 | Stand: 05:31 Uhr

Zwar wurde schon die Geschwindigkeit reduziert und die Polizei kontrolliert dort immer wieder. Dennoch: Nach wie vor klagen Anwohner der Jochpass-Straße darüber, dass das Thema Motorradlärm für sie weiter ein Problem ist. „Wir leiden sehr stark unter dem Motorradlärm“, hieß es bei einer Diskussionsveranstaltung der Grünen in Oberjoch.

Viel Resonanz fand unser Bericht dazu auch im Internet. Beispielsweise lieferten sich auf Facebook über 100 lärmgeplagte Anwohner von Straßen Wortgefechte mit Motorradfahrern und Bike-Anhängern. Die Beiträge kommen aus ganz Deutschland. Manche sind ernst, manche weniger ernst. Eine Auswahl.

Die Anwohnerseite

Dieter H. fordert von Motorradfahrern mehr „Rücksicht und Respekt“. Violet W. findet, dass Motorräder „fast überall ein Problemfall sind“, die sich im Stau „durchschlängeln und rechts überholen“. Deshalb fordert sie häufigere Kontrollen durch die Polizei.

Michael F. glaubt, dass man auch leisere Motorräder bauen könnte, aber das würden Motorradfahrer nicht wollen: „Die finden den Sound geil und meinen das andere den Sound auch geil finden müssen.“ Dazu der Vorschlag von Ben N.: „Macht die Motoren leiser und verstärkt den Sound dann direkt in den Helmen.“

Sven S. schlägt vor, das Tempolimit am Jochpass auf 50 km/h zu beschränken und „eine Maut für Motorräder“ von 20 Euro einzuführen. Manfred Z. ist für eine 30er Zone mit Streckenüberwachung. Noch weiter gehen Jenny K. und Karina L. Sie bringen sogar ein Wochenendfahrverbot am Jochpass für Motorradfahrer oder sogar für alle motorisierten Fahrzeuge ins Gespräch. Henry A. plädiert dafür, „Schikanen in die Straße einzubauen, und schon ist das Problem des Lärms gelöst“.

Die Motorradfahrer

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Ganz anders sehen das naturgemäß die Motorradfahrer. So hat Robert S. die Erfahrung am Jochpass gemacht, dass er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von Tempo 60 gar nicht erreichen konnte, „weil entweder träumende Autofahrer, verängstigte Camper oder Radler“ dort hochfuhren.

Gerhard S. stellt sich die Frage, „wer war zuerst da – die Straße oder die Anwohner?“ Die Antwort gibt Robert S.: „Die Straße ist älter als die Anwohner.“ Er rät den Anliegern: „Umziehen.“ Ähnlich argumentiert Stephan T., der selbst an einer viel befahrenen Kreisstraße wohnt: „Ich habe mir diesen Wohnort selbst ausgesucht, also wäre das doch nicht normal, wenn ich mich jetzt über Verkehrslärm beschweren würde.“ Jeder könne seinen Wohnort selbst wählen.

Bastl I. spricht von einer „Hetzkampagne gegen Motorradfahrer“ von Leuten, die sich über alles beschweren würden. Theo G. glaubt, dass die meisten Beschwerdeführer „Zugereiste“ sind, die sich auch „über Kuhglocken, Kirchenglocken oder den krähenden Hahn am Morgen“ aufregen. Für Johannes R. und Markus G. sind „Sportwagenfahrer alle wesentlich lauter“ und fragen: „Lamborghini, Ferrari, Bugatti – wieso sagt da niemand irgendetwas?“ Und Christine B., die vor wenigen Tagen das Oberjoch noch mit dem Motorrad befahren hat „empfand die Radler als viel größeres Problem, die verursachten auch die Staus“. Mit der Einschätzung ist sie nicht allein.

Die Grundsätzlichen

Lyn T. fordert von allen, die sich im Allgäu aufhalten, sich verantwortungsvoll zu benehmen und „sich einfach mitdenkend zu verhalten“. Motorradfahrer, E-Bikefahrer und „sogar Menschen zu Fuß“ glaubten, sie würden sich in Disneyland oder in einem Freizeitpark Hindelang befinden und „alles erlauben können“. Leider sei Bad Hindelang auch selber schuld daran, weil es sich wie „eine Kulisse für Erlebnisse“ präsentiere: „Immaterielles Kulturerbe sollte anders geschützt werden.“

Schließlich fordert Barbara F. „für das ganze Allgäu ein Gesamtkonzept“, um das Freizeitverhalten generell zu steuern und von zu viel Tagesausflugsverkehr zu entlasten: „Der Hype ist das Problem und nicht die Biker oder die Radler.“

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