Werkschließung

Neue Gerüchte um Voith-Werk in Sonthofen: Gewerkschafter sauer

Eine Szene aus dem vergangenen Arbeitskampf um das Voith-Werk in Sonthofen. Es gibt weiter Kritik am Unternehmen.

Eine Szene aus dem vergangenen Arbeitskampf um das Voith-Werk in Sonthofen. Es gibt weiter Kritik am Unternehmen.

Bild: Ulrich Weigel

Eine Szene aus dem vergangenen Arbeitskampf um das Voith-Werk in Sonthofen. Es gibt weiter Kritik am Unternehmen.

Bild: Ulrich Weigel

Läuft die Produktion Ende September in Sonthofen aus oder geht es in verkappter Form als Trainingscenter weiter?  Was der Konzern sagt und was gemunkelt wird.
12.08.2020 | Stand: 07:36 Uhr

Neue Unruhe rund um das Werk von Voith Turbo in Sonthofen. Während eine Unternehmenssprecherin gestern bestätigte, dass die Produktion in Sonthofen Ende September auslaufen soll, gibt es vor Ort gegenläufige Gerüchte. Danach soll die Fertigung bis März weiter produzieren und zudem als Trainingscenter dienen: Fachkräfte aus Sonthofen sollen dann angeblich für extra Prämien erst auswärtige Voith-Mitarbeiter schulen, ehe sie letztlich ihren Job vor Ort verlieren.

Der Weltkonzern, heißt es bei verärgerten Mitarbeitern, habe sich bei seinem Verlegungskonzept grundlegend verkalkuliert. Was tatsächlich Sache ist, will Voith den Beschäftigten am Mittwoch sagen.

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Aktuelle Gerüchte skizzieren ein Drunter-und-Drüber. Angeblich wurden beispielsweise Maschinen abgebaut und mitgenommen, dann aber wieder Teile nach Sonthofen geliefert. Carlos Gil, zweiter Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall, hat einen dicken Hals: „Jetzt bewahrheitet sich, was wir von Anfang an sagten: Das Konzept, die Produktion und das Fachwissen an einen anderen Ort zu verlagern, ist so nicht umsetzbar.“

Auch ein Mitarbeiter aus Sonthofen ärgert sich: Immer wieder habe man erklärt, dass das nicht funktioniere, doch die Chefs wollten es nicht glauben.

Nach hartem Arbeitskampf auf Sozialtarif geeinigt

Dass womöglich um die 90 Leute länger in der Produktion arbeiten sollen, könnte sie freuen, mag man denken. Doch es ist anders. Nach hartem Arbeitskampf einigten sich Voith und IG Metall auf einen Sozialtarifvertrag. Der umfasst unter anderem Abfindungsleistungen und regelt die Gründung einer Transfergesellschaft. Dort können sich Beschäftigte bei Fortzahlung eines Unterhaltsgeldes für neue Jobs qualifizieren.

Wer kündigt, hat Nachteile

Nur: Laut Gil entscheidet Voith, wer wann in die Transfergesellschaft kommt. Führt Voith die Fertigung wie auch immer übergangsweise fort, könnten betroffene Mitarbeiter nicht in der Transfergesellschaft an ihrer eigenen Zukunft arbeiten, sagt Gil. Sie blieben ohne Planungssicherheit und müssten weiter begrenzte Zeit für Voith schrauben. Wer kündigt, darf demnach nicht in die Transfergesellschaft, erhält keine Abfindung und hat Nachteile beim Arbeitslosengeld.

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„Die Verlegung der Maschinen läut wie geplant“, bekräftigt hingegen Voith-Sprecherin Susanne Speiser gegenüber unserer Redaktion: Ab Spätherbst solle der Umzug beginnen; die großen Anlagen folgten im Dezember.

Zum Thema Trainingscenter und Prämien will Speiser nichts sagen. Sie spricht von einem „produktspezifischen Lerntransfer“ zwischen Mitarbeitern aus Sonthofen, Heidenheim und Crailsheim. Andere sehen darin eine verkappte Fortführung der Produktion.

Gibt es Fehler in den Verträgen?

Auch sonst reißt die Kritik an Voith nicht ab. Ein Mitarbeiter schildert unserer Redaktion, es gebe in Verträgen für die Transfergesellschaft immer wieder Fehler, etwa zu geringe Bruttobeträge. Mitarbeiter, denen das vor Unterschrift nicht auffalle, hätten dann wohl Pech.

„Ich unterstelle da Absicht“, sagt der Mitarbeiter. Das Unternehmen lehnt eine Stellungnahme dazu ab.

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Und das „Büro Allgäu“, in dem knapp 170 der einst über 500 Sonthofer Beschäftigten unterkommen sollen? Es kommt laut Speiser vorerst auf dem Werksgelände in Sonthofen unter. Ohnehin macht das Büro Allgäu nicht glücklich, weil die Arbeitsplätze nur drei Jahre garantiert sind. Mancher fürchtet, dass Voith danach auch diesen Stecker zieht.

Vielleicht ist deshalb die Rede davon, dass die Konkurrenz (Renk AG) Voith-Kräfte abwerbe und ein eigenes Allgäu-Büro plane. Von der Firma Renk gab es dazu gestern keine Aussage. „Ich weiß, dass Konstrukteure zu Renk wechseln“, sagt Sonthofens Wirtschaftsförderer Andreas Maier.

Gibt es verzögerte Lieferungen?

Nach anderen Gerüchten ist die sogenannte Liefertreue (also das Einhalten von Terminen) bei den Spezialgetrieben auf ein Prozent gesunken. Früher hätte die Konzernspitze schon bei Werten von 65 bis 70 Prozent Druck gemacht. Angeblich sei das Unternehmen mit etwa 90 Getrieben im Rückstand.

Auch das zu gibt es von Speiser keinen konkreten Kommentar. Nur so viel: „Kunden und Lieferfristen haben oberste Priorität. Wir setzen alles daran, Fristen einzuhalten.“