Konzert im Kleinwalsertal

Neues Spitzenblasorchester aus Vorarlberg: "Windwerk" in Hirschegg

Windwerk

Hochklassiger Klangkörper: Das Vorarlberger Blasorchester Windwerk beeindruckt unter der Leitung von Thomas Ludescher bei einem Konzert im Hirschegger Walserhaus.

Bild: Christoph Pfister

Hochklassiger Klangkörper: Das Vorarlberger Blasorchester Windwerk beeindruckt unter der Leitung von Thomas Ludescher bei einem Konzert im Hirschegger Walserhaus.

Bild: Christoph Pfister

Das Sinfonische Blasorchester Vorarlberg hat sich neu formiert und startet unter neuem Namen: "Windwerk" präsentiert sich im Walserhaus Hirschegg in Hochform.
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Von Christoph Pfister
01.10.2021 | Stand: 17:00 Uhr

„Für alle Bands, die glauben, bereit zu sein, ihren künstlerischen Wert unter Beweis zu stellen“, empfiehlt der Verlag „Lincolnshire Posy“, eine Sammlung altenglischer Volkslieder. Das neue Orchester Windwerk pariert die Herausforderung mit Perfektion und Power, positioniert sich zur Premiere im Hirschegger Walserhaus eindrucksvoll in der Höchststufe. Thomas Ludescher hat das Sinfonische Blasorchester Vorarlberg frisch formiert, neu betitelt, Anspruch und Aktivitäten erweitert. Als Projektorchester für und mit Blasmusikerinnen und Bläsern in Solistenqualität, mit Leidenschaft für anspruchsvolle Blasmusik.

Wucht und Sinnlichkeit

Sie beherrschen souverän die „Befreiung von erlernten Gesetzen, die es möglich macht, die rhythmischen Unregelmäßigkeiten zu meistern“, die der australische Komponist Percy Aldridge Grainger fordert. Gleichwohl leben sie extreme Emotion, zeichnen Klangbilder in Wucht wie Sinnlichkeit, überzeugen nach Abzug von marginalem „Künstlerpech“ einer Erstaufführung mit makellosem Ansatz, reiner Intonation, virtuosen Solisten, vortrefflich gefugten Registern, mit Ensemblekultur. Höchste Konzentration wie Disziplin nimmt auch das Auge in den Tacet-Takten mit Freude und Respekt wahr.

Hochklassiger Klangkörper

Damit verdichtet ein hochklassiger Klangkörper im zweiten Song transparenten Flächenklang durch wunderbar fließende Crescendi, beeindruckt mit warmem, wohligem, dunklem Timbre im Folgesatz. Windwerks Schlagwerk agiert saftig, pointiert, mit Akkuratesse, findet in jedem Stück des Abends die fast immer ideale Balance zu den Bläsern. Pulst „El Camino real“ von Alfred Reed mit lodernder Flamenco-Rhythmik im Verbund mit leidenschaftlichem Spielwitz und funkelnder Brillanz aus Holz und Blech zu einem mitreißenden Klangfeuerwerk.

Bittere Süße

James Barnes’ dritte Sinfonie, als „ein wirklich großes Werk für Blasorchester“ von einer US-Band bestellt, formt Windwerk zur preziösen Referenz: Ob Trauerbewältigung im Kopfsatz, bittere Süße im Scherzo, die „Wiedergeburt des Geistes“ zum Finale, Thomas Ludescher reflektiert mit seinem Kollektiv die konträren Gefühlswelten des Tonsetzers, reich an Empathie und Kontrastfarben zur vielsagenden Klangrede geführt.

Herrliche Tieftöne

Glinkas Opernouvertüre „Ruslan und Ljudmila“ bei aufkommender Brillanz etwas topfig eng erscheinend, sowie die in maximaler dynamischer Bandbreite, mit herrlichen Tieftönen, durchsichtig-solistisch, wie wagnerisch opulent aufgespielte „Incantation und Dance“ von John Barnes Chance, runden die feine Premiere. Die Moderation von Mona Kospach singend, tanzend, szenisch, b’sondrig.

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Das neue Vorarlbergger Blasorchester "Windwerk".

Der Dirigent, Komponist und Musikpädagoge Thomas Ludescher.

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