Lokale während Corona-Pandemie

Oberallgäuer Gaststättenverband fordert: Statt privater Feiern lieber in die Kneipe gehen

ARCHIV - Ein Mann sitzt am 19.12.2006 in einer Kneipe in Frankfurt am Main vor einem bunt beleuteten Regal am Tresen. Die Drogenberatungsstellen in Sachsen-Anhalt haben im Jahr 2013 wieder rund 10 000 Suchtkranke betreut. Foto: Tobias Felber/dpa (zu lah vom 29.03.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Während Speisewirtschaften öffnen dürfen, müssen Schankwirtschaften geschlossen bleiben.

Bild: Tobias Felber/dpa (Symbolbild)

Während Speisewirtschaften öffnen dürfen, müssen Schankwirtschaften geschlossen bleiben.

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Größere Schankwirtschaften könnten die Hygieneregeln ebenso gut umsetzen wie Speiselokale. Dennoch dürfen sie in Bayern nicht öffnen. Was das Landratsamt sagt.

01.08.2020 | Stand: 09:54 Uhr

Einige wegen Corona geschlossene Schankwirtschaften könnten dennoch öffnen, weil das auch dem Gesundheitsschutz dient. Das findet Armin Hollweck, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) im Oberallgäu. Was auf den ersten Blick etwas krass anmutet, wirkt bei genauerer Draufsicht schon überlegt. Hollweck denkt nur an einen Teil der Betriebe und stellt klar: „Wir wollen keine vorschnellen Öffnungen und Wege in eine vermeintliche Normalität – denn die gibt es nicht, da Corona noch nicht besiegt ist.“ Es sei nachvollziehbar, dass Clubs und Diskotheken aktuell nicht im Normalbetrieb öffnen könnten.

Anders sieht es Hollweck bei gastronomischen Betrieben, die als Schankwirtschaft konzessioniert sind. Er ist überzeugt, dass diese die bestehenden Hygieneanforderungen genauso umsetzen könnten wie Speisewirtschaften. In allen anderen Bundesländern seien Schankwirtschaften ohne Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen seit mehreren Wochen wieder geöffnet.

Hollweck: "Würden gerade Jüngere in das geschützte Umfeld eines Betriebs holen"

Größere Schankwirtschaften unterscheiden sich demnach letztendlich nur in der Bezeichnung der erteilten Konzession von klassischen Restaurants. Von ihnen gehe keine übermäßige Gefahr aus, denkt Hollweck, selbst Hotelier in Oberstaufen. „Im Gegenteil: Wir würden gerade die jüngeren Menschen in das geschützte Umfeld eines Betriebs holen, weg von unkontrollierten privaten und öffentlichen Hotspots, und sie sogar gemäß der Vorgaben registrieren.“ Eine vorsichtige und mit den entsprechenden Vorgaben versehene Öffnung wäre also dem Gesundheitsschutz sogar förderlich, sagt der BHG-Kreisvorsitzende.

Dazu komme, dass Wirte für solche Situationen geschult seien und verantwortungsbewusst damit umgehen könnten. Zudem seien sie nach dem Gaststättengesetz verpflichtet, keine alkoholischen Getränke an erkennbar Betrunkene zu verabreichen. Die Erfahrungen zeigen zudem laut Hollweck, dass kleine Kneipen vermutlich gar nicht öffnen werden, da ein wirtschaftlicher Betrieb mit den Abstandsregelungen nicht möglich sei.

Speiselokale dürfen vom Landratsamt öffnen, wenn sie Hygienevorgaben umsetzen

Im Oberallgäu gibt es um die 1000 gastronomische Betriebe mit verschiedenen Konzessionen – etwa als Imbiss, Speise- oder Schankwirtschaft sowie Mischformen (Schankwirtschaft mit Imbiss). Speiselokale dürfen laut Kai Bomans vom Landratsamt öffnen, wenn sie die Hygienevorgaben umsetzen. Dazu zählen Hinweisschilder, Tische mit ausreichend Abstand, Mundschutz für die Bedienungen und für die Gäste, wenn diese durchs Lokal laufen. Schankwirtschaften, deren Konzession auch einen Imbiss erlaubt, dürften demnach ebenso öffnen, wenn sie die Vorgaben einhalten.

Was das Landratsamt zu dem Vorstoß von Hollweck sagt?

„Wir halten uns strikt an die Vorgaben der übergeordneten Stellen.“ Reine Schankwirtschaft dürften also weiterhin nicht öffnen. Ausnahmen seien auch im Einzelfall nicht möglich. Natürlich können Betreiber reiner Schankwirtschaften versuchen, eine Konzessionsänderung zu beantragen. Da aber wird das Landratsamt genau prüfen, ob es wirklich um eine Änderung des betriebswirtschaftlichen Konzepts geht oder eben nur um den Versuch, die geltenden Regeln zu umgehen.