Orgelklänge aus Oberstdorf

Oberstdorfer Organistin spielt delikate „Himmelschrofen-Musik“ ein

Katharina Pohl

Katharina Pohl an der Orgel der Oberstdorfer Christuskirche.

Bild: Günter Jansen

Katharina Pohl an der Orgel der Oberstdorfer Christuskirche.

Bild: Günter Jansen

Kantorin Katharina Pohl hat auf der Orgel der Oberstdorfer Christuskirche stilsicher deutsche und französische Musik eingespielt. Darunter findet sich Rares.
08.10.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Der Himmelschrofen ist ein leichter zu besteigender Berg bei Oberstdorf. Er leiht einer neuen CD den Namen, der „Himmelschrofen-Musik“. Dahinter verbergen sich nicht etwa traditionelle Klänge aus Oberstdorf oder dem Alpenraum, wie man vielleicht vermuten könnte. Unter diesem Titel finden sich Werke, die Komponisten vom Barock bis zur Moderne für die sogenannte Königin der Instrumente geschaffen haben: die Orgel. Katharina Pohl, die Kantorin der Oberstdorfer Christuskirche hat sie eingespielt, und zwar auf jenem Instrument, das Eckehard Simon, 1936 in Niederschlesien geboren und 2018 in Landshut gestorben, für das evangelische Gotteshaus in Oberstdorf 1975 angefertigt hat.

Kleiner Schwenk nach Amerika

Die Orgel mag jetzt nicht die Klangprächtigste in der Region sein, so wie der Himmelschrofen nicht die höchste Erhebung in der Region ist, die Musikerin allerdings weiß die Möglichkeiten des Instrumentes geschickt und geschmackvoll zu nutzen. Davon zeugt die gerade erschienene CD, die Werke von deutschen und französischen Komponisten spannungsvoll miteinander verbindet und sich auch einen kleinen Schwenk nach Amerika erlaubt. Im Mittelpunkt stehen zwei umfangreichere Werke: die Choralpartita „Jesu, meine Freude“ des thüringischen Barockmeisters Johann Gottfried Walther (1684 - 1748) und die Suite gothique, op. 25, des französischen Spätromantikers Léon Boë llmann (1862 - 1897).

Die innere Freude

Die Choralpartita „Jesu, meine Freude“ beginnt gewichtig und glaubensfest, findet aber alsbald zu lichteren, leichteren Stimmungen und durchmisst danach ein immer größeres Ausdrucksspektrum. Steht zunächst vor allem die frohe Botschaft des Chorals in jubilierenden, verzierungsreichen Ausschmückungen im Mittelpunkt, so gewinnt das Werk immer mehr an Tiefe. Den Kontrast dazu liefern Töne, die aus höchster Höhe zu kommen scheinen und allmählich immer irdischer und erdverbundener Werken. Fröhlich, festlich klingt das Werk aus, ohne in überschwänglichen Jubel zu verfallen. Die Freude, die hier geschildert wird, ist eben eher eine innere.

Von Weihrauch geschwängert

Gegenüber diesem eher nüchtern intellektuellen Glaubensbekenntnis enthält die „Suite gothique“ von Léon Boë llmann ein sinnliches. Im Mittelpunkt der drei für diese CD eingespielten Sätze (auf die ursprüngliche Introduktion als erstem Satz wird verzichtet) steht die „Prière à Notre Dame“, ein intimes, klangsinnliches, ein wenig von Weihrauch und Wagner-Anklängen geschwängertes Gebet an die Gottesmutter. Es wird gerahmt von einem Menuett, einem würdevollen Schreittanz, und einer triumphalen Toccata, die aus der Tiefe, von bewegten Figuren umrauscht, zielstrebig in die Höhe führt.

Der humorvolle Kuckuck

Zwischen diesen Werken finden sich kleine musikalische Preziosen ganz unterschiedlicher Art: „Der Kuckuck“ des französischen Meisters Louis-Claude Daquin (1694 - 1772) imitiert die Rufe des titelgebenden Vogels mit Humor und klanglicher Delikatesse. Letztere schwingt auch in César Francks Prélude, op. 18, mit, einem melodiösen, intimen Lied ohne Worte. Als dessen Meister zeigt sich einmal mehr Felix Mendelssohn Bartholdy in seinem Präludium G-Dur. Mit einer einfachen Gassenhauer-Melodik spielt die Humoresque „L’organo primitivo“ des US-Amerikaners Pietro Alessandro Yon (1886 - 1943), entwickelt aber in der Interpretation von Katharina Pohl feinen Charme.

Das große Vorbild

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Als kleines kunstvoll virtuoses Stück steht Johann Pachelbels Toccata in e-Moll zwei Werken barocker Großmeister gegenüber: Die Toccata in d-Moll, BWV 565, von Johann Sebastian Bach entwickelt Klangpracht und führt in die Tiefe. An Präludium und Fuge in g-Moll, BuxWV 149, zeigt Katharina Pohl zum Auftakt der CD auf, warum Dieterich Buxtehude (1637 - 1707) zum großen Vorbild Johann Sebastian Bachs wurde. Das Stück baut auf der Grundlage einer fröhlichen Stimmung in gemessenem Tempo eine fantasievolle und kunstvolle Klangarchitektur auf, die beeindruckt, aber nie vordergründig überwältigen will.

„Himmelschrofen-Musik“: Die CD ist für 14 Euro im evangelischen Pfarramt in Oberstdorf und bei Kantorin Katharina Pohl erhältlich.

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