Jubilar

Oberstdorfs Altbürgermeister "Edi" Geyer: Ein Querdenker aus Leidenschaft

Eduard Geyer spielt auch nach dem Ende seiner fast dreißigjährigen Amtszeit noch eine große Rolle in Oberstdorf. Hier die des "reuigen Sünders" beim Bockbierfest 2016.

Eduard Geyer spielt auch nach dem Ende seiner fast dreißigjährigen Amtszeit noch eine große Rolle in Oberstdorf. Hier die des "reuigen Sünders" beim Bockbierfest 2016.

Bild: Günter Jansen

Eduard Geyer spielt auch nach dem Ende seiner fast dreißigjährigen Amtszeit noch eine große Rolle in Oberstdorf. Hier die des "reuigen Sünders" beim Bockbierfest 2016.

Bild: Günter Jansen

Fast 30 Jahre regierte Eduard Geyer im Oberstdorfer Rathaus. Am Samstag feiert der ehemalige Bürgermeister seinen 85. Geburtstag
19.09.2020 | Stand: 10:00 Uhr

Es war bei einer Versammlung lange vor der Kommunalwahl, als fünf Gemeinderatsfraktionen noch einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten suchten, als Eduard Geyer von seinem Platz in der ersten Reihe des Kursaals aufstand und sich freiwillig meldete: „Ich würde kandidieren, wenn nicht diese blöde Vorschrift wäre, dass man mit 65 Jahren aufhören muss“, sagte Geyer. „Es gibt keinen schöneren Job als Bürgermeister von Oberstdorf.“ Fast 30 Jahre stand der ebenso streitbare wie umstrittene Macher und Querdenker an der Spitze der Gemeinde. Am Samstag, 19. September, feiert Geyer seinen 85. Geburtstag im kleinen Kreis. Auf eine größere Feier muss er wegen Corona heuer verzichten.

Alles auf eine Karte gesetzt

Geyer wuchs in Füssen auf. Nach dem Abitur studierte er Jura. 1970 kam er als Oberregierungsrat an das Landratsamt Kempten. Nicht die CSU, der Geyer schon in jungen Jahren beitrat, sondern Freie Wähler und SPD nominierten ihn 1973 als Bürgermeisterkandidaten für Oberstdorf – was ihm später ein Parteiausschlussverfahren einbrachte. Für Geyer war die Kandidatur ein Risiko: „Ich habe gewusst, dass es mit der Laufbahn vorbei ist, wenn es nicht klappt“, erinnerte er sich später. Doch er gewann die Wahl.

Wegen Untreue verurteilt

Als Bürgermeister hat Geyer viel für Oberstdorf bewegt: die Verlegung der B 19 als Umgehungsstraße raus aus dem Ort und der Versuch, Oberstdorf autofrei zu machen. Er errichtete das Eissportzentrum und gründete das Sportamt, für Geyer die Voraussetzung, um später Ski-Weltmeisterschaften nach Oberstdorf zu holen. Er ließ ein Wasserkraftwerk bauen und die Täler an die Kanalisation anschließen. Zudem stärkte Geyer die Kultur am Ort. Auch der Tourismus erhielt in seiner Amtszeit nach dem Bau von Nebelhorn- und Fellhornbahn Aufwind. Als Bürgermeister agierte der Jurist mit Prädikatsexamen oft hart am Rande der Gesetze und der Legalität. Im Jahr 1987 wurde er wegen Untreue verurteilt – später wurde das Urteil aufgehoben.

Feunden und Feinden auf der Straße begegnen

„Kommunalpolitik kann wunderbar sein“, erklärt Geyer seine Leidenschaft. „Ein Bürgermeister ist für alles zuständig und er begegnet jeden Tag auf der Straße seinen Freunden und seinen Feinden.“ Heute bekleidet Geyer kein offizielles Amt mehr in der Ortspolitik. Hinter den Kulissen mischt er aber immer noch gerne und leidenschaftlich mit und schaut von Zeit zu Zeit sogar noch im Rathaus vorbei.