Oberallgäu

Patientenverfügung: Das raten Fachleute jetzt

Fachleute geben Tipps für die Patientenverfügung.

Fachleute geben Tipps für die Patientenverfügung.

Bild: Jens Kalaene, dpa

Fachleute geben Tipps für die Patientenverfügung.

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Vollmachten und Verfügungen entlasten Angehörige, Ärzte und auch Betroffene selbst. Schließlich geht es um ein Sterben in Würde.
Fachleute geben Tipps für die Patientenverfügung.
Von Monika Rohlmann
15.04.2020 | Stand: 22:19 Uhr

Noch nie sind wir täglich so mit dem Tod konfrontiert worden, wie dies aktuell der Fall ist. Der Tod lässt sich nicht länger tabuisieren. Edith Hersping engagiert sich in der Hospizarbeit und sieht dies als eine passende Zeit, um sich auf das eigene Ende vorzubereiten – beispielsweise mittels einer Patienten-, oder Betreuungsverfügung, einer Vollmacht oder mittels einiger Zeilen, die die Angehörigen wissen lassen, wie man sich seine Bestattung vorstellt. „Das heißt nicht, dass ich morgen sterben muss“, sagt Herspring. „Es geht aber um ein Sterben in Würde“ und dafür könne jeder selbst viel beitragen.

Hersping baute selbst drei Krebs-Selbsthilfegruppen auf, wirkte außerdem viele Jahre dort in der Kontaktstelle mit. „Die Eigenverantwortung, was ich im Falle eines Krankenhausaufenthaltes möchte und was nicht, sollte man sich auf keinen Fall nehmen lassen.“

Dem Arzt die Entscheidung abgenommen

Das entlaste auch Angehörige. Hersping nennt das Beispiel einer über 80-jährigen Allgäuerin, die in der Klinik bewusst auf eine Intubation verzichtet hatte und starb. „Das ist von den Ärzten respektiert worden. Ihre Entscheidung hat damit auch dem behandelnden Arzt eine Entscheidung abgenommen“, sagt Hersping. Gerade bei älteren Menschen könne eine Intubation Folgeschäden nach sich ziehen.

„Die Entscheidung, wie ich am Ende meines Lebens medizinisch behandelt werden möchte, ob ich an Maschinen angeschlossen werden möchte, zuletzt noch operiert werden möchte – all dies kann ich in einer Patientenverfügung festlegen“, erläutert Hersping. „So lange ich noch bei Bewusstsein bin, kann ich meinen Willen kundtun. Die Patientenverfügung tritt erst in Kraft, wenn ich es nicht mehr kann.“

Sie stellt die Frage, die sich ihrer Ansicht nach jeder stellen sollte: „Möchte ich, dass jemand anderer über mich entscheidet?“ Aus ihrer Hospizarbeit weiß sie: „Den Tod akzeptieren heißt, bewusst auf das Leben schauen.“

Vermehrte Anfragen in jüngster Zeit

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Bei Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung unterstützt die Lebenshilfe Kempten. Mitarbeiterin Manuela Masal berichtet von vermehrten Anfragen in jüngster Zeit und führt das auf einen Artikel in dieser Zeitung zurück, in dem es darum ging, dass man eine Patientenverfügung jederzeit ändern kann, da sie nicht notariell beurkundet werden muss. So lässt sich auch ergänzen, dass man in Fall einer Corona-Erkrankung doch künstlich beatmet werden möchte. Masal sagt: „Wir sind die Formulare telefonisch durchgegangen und haben Fragen beantwortet.“

Verschiedene Institutionen biten Vordrucke an

Auch Alfred Stoffel, ehemaliger Richter und Leitender Oberstaatsanwalt, hält viel von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Er berät über die Diakonie Kempten Allgäu ehrenamtlich zu diesem Thema. „Die Patientenverfügung tritt dann ein, wenn ich meinen eigenen Willen nicht mehr kundtun kann“, bestätigt Stoffel die Aussage Herspings. Also beispielsweise bei einer Ohnmacht, einer Bewusstlosigkeit. Dann müssen Ärzte und Angehörige berücksichtigen, was der Patient in der Verfügung als Willen vorgegeben hat. Vordrucke bieten alle möglichen Institutionen, Juristen und Vereine an.

Stoffel empfiehlt nur die diejenigen von staatlichen Stellen: „Die vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz ist absolut wasserdicht.“ Jeder kann sie im Internet kostenlos herunterladen.

Mehr Infos bei der Diakonie unter der Telefonnummer 0831 / 540590 oder bei der Lebenshilfe Betreuungsverein unter der Nummer 0831 / 523260.