Pflegehilfe

Im Oberallgäu soll es künftig Pflege auf Anruf geben

Wer plötzlich auf Pflegehilfe angewiesen ist, soll sich künftig im Oberallgäu trägerunabhängig beraten lassen können. Der Landkreis richtet einen Pflegestützpunkt ein.

Wer plötzlich auf Pflegehilfe angewiesen ist, soll sich künftig im Oberallgäu trägerunabhängig beraten lassen können. Der Landkreis richtet einen Pflegestützpunkt ein.

Bild: Matthais Becker (Symbolbild)

Wer plötzlich auf Pflegehilfe angewiesen ist, soll sich künftig im Oberallgäu trägerunabhängig beraten lassen können. Der Landkreis richtet einen Pflegestützpunkt ein.

Bild: Matthais Becker (Symbolbild)

Das Oberallgäu schafft einen Pflegestützpunkt. Senioren und Angehörige können sich da telefonisch beraten lassen. Wie sich das Leben plötzlich ändern kann.
16.11.2020 | Stand: 13:46 Uhr

Einen Pflegebedarf kann man in den seltensten Fällen planen. Oft ändert sich das bisherige Leben von einen Tag auf den anderen – wie bei Hans P. Seine Frau starb vor zwei Jahren an Krebs. Seitdem lebt der 88-Jährige allein. Morgens wäscht ihn der ambulante Pflegedienst, das Mittagessen erhält er von „Essen auf Rädern“, ein Notrufsystem an seinem Handgelenk vermittelt ihm ein wenig Sicherheit. Es geht nicht richtig gut, aber es geht. Doch dann stürzt der Rentner und kommt ins Krankenhaus.

Als die Angehörigen ihn besuchen, ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Ärzte finden nichts Auffälliges. Und kündigen an, dass Hans P. in zwei Tagen entlassen wird. Doch in diesem Zustand kann der Oberallgäuer nicht mehr allein zuhause leben.

Es sind Situationen wie diese, in denen der Landkreis Oberallgäu ab nächstem Jahr Pflegebedürftige und ihre Angehörigen unterstützen will. Der Pflegestützpunkt, den die Fraktion der Grünen Anfang des Jahres beantragt hatten, ist nun beschlossene Sache. Der Kreis-Sozialausschuss gab dem Projekt einstimmig grünes Licht.

Pflegestützpunkt im Oberallgäu: Mit mobiler Büroausstattung in den Gemeinden

Geplant ist, dass Mitarbeiter des Pflegestützpunkts mit mobiler Büroausstattung in die einzelnen Gemeinden des Oberallgäus kommen. Dort können sich Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen trägerunabhängig beraten lassen, wie Helen Schmidmeier von der Fachstelle für Senioren des Landkreises erläutert. Meist gehe es um Fragen wie: Welche Hilfsmöglichkeiten gibt es? Wie werden diese finanziert und wer bietet das im Landkreis an? Welche Pflegedienste oder Heime haben Kapazitäten frei? Wo bekommt man Infos über das Krankheitsbild? Auch ein digitales Kurzzeitpflegeportal sei Bestandteil des Angebots. Veranschlagt ist das Projekt laut Schmidmeier auf insgesamt 180.000 Euro. Am Landkreis selbst bleibe nur ein Sechstel der Kosten hängen. Den Rest bezahlten Krankenkassen, Pflegekassen und der Bezirk. Das Bayerische Gesundheitsministerium fördere Sachmittel und Wissenstransfer zusätzlich mit 35.000 Euro. Starten soll der Pflegestützpunkt Mitte nächsten Jahres, erklärt Schmidmeier (Lesen Sie auch: Memmingen beantragt einen Pfelegstützpunkt).

Das Pflegepersonal im Oberallgäu steht bereit

Hans P.s Kinder mussten die Pflegeheime und Anbieter ambulanter Dienste noch telefonisch einzeln abklappern. Er kam in Kurzzeitpflege, erholte sich dort und konnte anschließend wieder zurück in sein geliebtes Eigenheim. Aktuell ist er wieder im Krankenhaus, wo seine Medikamente neu eingestellt werden. Bald soll er entlassen werden. Doch das Pflegepersonal, das ihn zuhause unterstützt, steht dieses Mal schon bereit.